Klatschen ist schön, 4,8 Prozent sind besser

09. Oktober 2020  Regional
Geschrieben von Daniel Schneider

Mehr Gehalt, um den Pflegeberuf attraktiver zu machen und so mehr junge Menschen für den Beruf zu gewinnen, war eine Forderung des Warnstreiks am Nordklinikum in Nürnberg. Rund 400 Personen waren dem Aufruf der Dienstleitungsgewerkschaft ver.di gefolgt. Laut machten sie ihrem Unmut über die aktuelle Situation auf den Stationen Luft und zogen vom Klinikum Nord bis zum Rathaus und weiter vor das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege.

Sie kamen aus den Corona-Testlaboren, der Onkologie, der Anästhesie, den Pflegebereichen des Nürnberg Stift sowie dem Centrum für Pflegeberufe, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen: „Jung und gehaltbereit“ war auf den Plakaten zu lesen. Oder „Klatschen ist schön, 4,8 Prozent sind besser“, „Bessere Löhne, faire Arbeitsbedingungen“ und „Unsere Forderungen sind berechtigt!“ Ein ver.di-Mitglied aus der Streikleitung stellte die Solidarität der Anwesenden klar heraus: „Wir sind ein Krankenhaus, eine Belegschaft!“ Nur mit einem starken gemeinsamen Warnstreik könne man die drohende Nullrunde der kommunalen Arbeitgeber verhindern.

Warum der Warnstreik und der gemeinsame Zusammenhalt notwendig sei, wussten die Anwesenden sofort zu sagen: „Wir kämpfen gemeinsam für bessere Bedingungen unserer Auszubildenden“, erklärte eine Betriebsrätin. „Das Pflegepersonal darf nicht aufgrund von Profiten ausgebeutet werden“, sagte eine andere Teilnehmerin. „Ich wünsche mir, dass die Kolleginnen wieder zurückkommen, die wegen Burnout gehen mussten“, weist eine andere auf die schlechten Arbeitsbedingungen des Pflegepersonals hin.

Dass es auch bei den Verhandlungen um die Notdienstbesetzung für den heutigen Streiktag sehr schlecht zugegangen sei, erläutert Andrea Josephine Weißenberger, die selbst im Labor tätig ist. Die Arbeitgeber hätten den Vorschlag der Gewerkschaft schon seit dem 14. September auf dem Tisch gehabt, beschreibt sie die Verhandlungen, an denen sie seitens der Belegschaft teilgenommen hätte. Aber erst am 7. Oktober seien das Vorstandsgremium und die Rechtsabteilung zu einem Entschluss gekommen. Aus Ungewissheit hätten Operationen abgesagt werden müssen, da Ärztinnen und Ärzte nicht wussten, ob denn genügend Personal da sei. „Das ist verantwortungslos!“ geißelt sie die Verzögerungstaktik der Arbeitgeber. Sie schloss mit einem Lied von Hannes Wader: „Wir haben dem Klinikum unsere Jugend und unsere Kraft gegeben. Es soll aber nicht unser Leben haben!“ Es brauche kein Burnout durch schlechte Arbeitsbedingungen und zu wenig Personal. Sondern mehr Geld, um für die Zukunft motivierte Auszubildende zu gewinnen, lautete ihr Fazit.

Über eine Stunde lang zog die Demonstrationsmenge durch die Stadt bis zum Rathaus, um Oberbürgermeister Markus König von ihren berechtigten Forderungen zu überzeugen. Begleitet wurde der Zug von klatschenden Passant*innen, hupenden Berufskraftfahrern und winkenden Schulkindern. Nach der lautstarken Kundgebung vor dem Neuen Rathaus brachten die Pflegekräfte ihr Anliegen am Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege zu Gehör.