Hindenburg – eine Straße in die Zukunft?

18. November 2021  Geschichte
Geschrieben von Daniel Schneider

Ob die Hindenburgstraße in Schwabach (am Adam-Kraft-Gymnasium), in Erlangen (an der Philosophischen Fakultät der FAU) oder die Ehrenbürgerschaft in Nürnberg (seit 1932) – der Weltkriegsgeneral, Mitglied der Obersten Heeresleitung und Reichspräsident ist auch heute noch in der Metropolregion präsent. Die Ringvorlesung „Umstrittenes Gedenken – Zur Problematik der Benennung von Straßen und akademischen Institutionen“ der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) beschäftigte sich mit der regionalen Würdigung Paul von Hindenburgs.

Phlegmatisch und unbegabt

Den kometenhaften Aufstieg Hindenburgs habe vor 1914 wohl niemand geahnt, vermutete Clemens Wachter, Archivar der FAU. Der als „phlegmatisch“ beschriebene General wurde einer breiten Öffentlichkeit als „Held von Tannenberg“ bekannt. Doch die Aufmarschpläne der Schlacht in Ostpreußen seien vor allem durch Erich von Ludendorff ausgearbeitet worden, erklärte Wachter. Militärisch hätte Hindenburg selbst kaum Anteil am Sieg über die russischen Truppen gehabt.

Dolchstoßlüge

Erfolgreicher sei der adelige Monarchist und Militär im Selbstmarketing gewesen. Nach der Ernennung zum Generalfeldmarschall machte er sich zur Ikone der Kriegspropaganda. Die siegreiche Schlacht in den Masuren (1915) ließ ihn am Mythos des standhaften Beschützers Deutschlands bauen, was an seinem 70. Geburtstag in Nürnberg zu der Einweihung des Hindenburg-Platzes am Laufer Tor führte. Seine Verantwortung für die Niederlage im Ersten Weltkrieg schob er hingegen auf andere: „Wie Siegfried unter dem hinterlistigen Speerwurf des grimmigen Hagen, so stürzte unsere ermattete Front“, schrieb Hindenburg 1920 in seinen Memoiren. Diese „Dolchstoßlüge“ gab nicht unfähigen Militärs, sondern Sozialisten, Juden und Pazifisten die Schuld.

Rechts-nationalistisch

1922 wurde Walther Rathenau von der rechtsextremen Organisation Consul ermordet. Die Nürnberger USPD forderte, den Hindenburg-Platz nun nach dem jüdischen Reichsaußenminister zu benennen. Gegen den Widerstand der bürgerlichen Parteien gelang ihr zusammen mit der SPD die Umbenennung in Rathenau-Platz. Dies enttäuschte Hindenburg sehr, der zur Reichstagswahl 1925 der gemeinsame Kandidat der rechtsnationalistischen Parteien gegen Amtsinhaber Brüning (Zentrum) wurde. 1932, kurz vor der zweiten Amtszeit Hindenburgs zum Reichspräsidenten, trug der Nürnberger Stadtrat ihm die Ehrenbürgerwürde sowie eine Straßen-Benennung am Weltkriegsgefallenen-Denkmal am Luitpoldhain (ehem. Schultheiß-Allee) an. Damit wollte die Stadt eine von der NSDAP beantragte Rückbenennung des Rathenau-Platzes verhindern.

Übergang zum Dritten Reich

1933 ernannte Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler. Als Sinnbild für Hindenburgs Schlüsselrolle zwischen Kaiserreich und Nationalsozialismus können die Feierlichkeiten am „Tag von Potsdam“ (21. März 1933) gelten. Nach Hindenburgs Tod 1934 übernahm Hitler die Ämter des Reichskanzlers und -präsidenten nun als „Führer und Reichskanzler“. 1933 ernannten die Nationalsozialisten den Rathenau-Platz in „Feldmarschall Hindenburg-Platz“ und gaben ein Jahr später der Hochschule für Wirtschaft und Sozialwissenschaften den Zusatz „Hindenburg Hochschule“.

Aufarbeitung?

Im März 1946 erfolgte die bis heute geltende Umbenennung in Rathenau-Platz, die Hindenburg-Straße am Luitpoldhain wurde zu „An der Ehrenhalle“ und auch die Hochschule verlor ihren Beinamen. Geblieben sind seitdem die Straßen in Erlangen und Schwabach.