
Die Linke Regierung unter Pedro Sanchez will rund eine halbe Million irregulärer Migrant*innen mit dauerhaftem Aufenthaltsrecht ausstatten. Kommunen und Landwirt*innen unterstützen die Maßnahme. Dem widmete sich der Deutschlandfunk Kultur.
Aufenthalt für Hunderttausende
Ende Januar verkündete die regierende Linkskoalition, zwischen 500.000 und 800.000 illegal im Land lebenden Menschen eine verlängerbare Aufenthaltsgenehmigung zu geben. Die Kriterien: Die Antragssteller*innen müssen seit mindestens fünf Monate irregulär in Spanien sein, keine Vorstrafen haben und besonders schutzbedürftig sein. Letzteres ist wegen ihrer Lebensumstände als Irreguläre jedoch schon gegeben.
Volksbegehren für Irreguläre
Zu Beginn der Corona-Pandemie hatte der gut siebenwöchige Lockdown 2020 besonders die Irregulären hart getroffen. Sex-Arbeiterinnen konnten ihre Arbeitsstätten nicht verlassen, die Tagelöhner*innen auf den Feldern bekamen kein Wasser. Straßenhändler*innen verloren wegen leergefegter Straßen ihren Lebensunterhalt. Infolgedessen setzten sie sich für einen Mindestlohn für Menschen ohne Papiere ein. In der sich daraus entwickelnden Dynamik unterschrieben bis Ende 2022 700.000 Bürger*innen für ein Volksbegehren, dass die Anerkennung bisheriger Irregulärer forderte.
Dekret der Legalisierung
Die vorgezogenen Neuwahlen von Regierungschef Pedro Sanchez verzögerten das Prozedere jedoch. Erst im September 2024 nahm das Parlament den Entwurf zur Debatte an. Die Regierung erklärte, den Inhalt des Volksbegehrens als Dekret zu verkünden – so dass keine Zustimmung des Parlaments nötig sei. Allerdings gestand die Ausländerbehörde, den erwarteten Ansturm auf die Online-Anträge nicht bewältigen zu können – schließlich habe man schon jetzt noch 200.000 offene Anträge abzuarbeiten.
Supermarkt und Gewächshaus
In Barcelona kommt die größte außereuropäische Community aus Bangladesch und Malaysia. Viele von ihnen arbeiten bis zu 16 Stunden am Tag in kleinen pakistanischen Supermärkten, um ihren Familien etwas von dem Lohn nach Hause schicken zu können. Weiter südlich – in der andalusischen Provinz Almería – befindet sich das größte Obst- und Gemüseanbaugebiet der Welt. Ein Viertel der dortigen sozialversicherten Beschäftigten stammt aus dem Ausland, rund 70.000 Menschen aus Nicht-EU-Staaten. Die von dort kommenden Paprika und Tomaten für deutsche Supermärkte werden aber auch oftmals von Arbeitsmigrant*innen ohne Papiere abgeerntet.
Arbeitskräfte benötigt
Landwirtin Mercedes beschäftigt schon seit vielen Jahren drei Männer aus Marokko für den branchenüblichen Mindestlohn – um ihre Papiere hatte sie sich damals persönlich gekümmert. Beim Setzen der jungen Tomaten oder dem Ernten der Wassermelonen hätte sie mitunter Arbeit für zehn Arbeiter*innen – ihr fehlen aber schlichtweg die Leute. Denn würde sie Menschen ohne gültige Papiere anstellen, könnte das Strafen in Höhe von 60.000 Euro nach sich ziehen. Dass künftig mehr Menschen eine Arbeitserlaubnis erhalten, begrüßt die Landwirtin deshalb vollkommen. Politiker*innen der konservativen Volkspartei und der rechtsextremen Vox lehnen das Dekret der linken Regierung hingegen ab.
Fehlende Integration
Der jesuitische Migrantendienst bietet Beratungsgespräche zur anstehenden Legalisierung an. In den letzten Jahren hat die Organisation schon tausende Migrant*innen betreut und Sprachkurse angeboten. Denn für Menschen ohne Papiere liege die Bezahlung meist weit unter dem gesetzlichen Mindestlohn. Ein Bürgermeister der Region charakterisierte die fehlende Integration der Menschen mit dem Satz: „Um 8 Uhr morgens werden alle Migrant*innen gebraucht – um 8 Uhr abends sind die überflüssig.“ Zu dieser Uhrzeit fange das soziale Leben auf dem Dorfplatz an – ohne die Ernte-Hilfskräfte.
Überleben dank Migration
Im in der Provinz Granada gelegenen Ort Galera kommen 30 Prozent der 1.139 Einwohner*innen aus dem Ausland – aus über 30 verschiedenen Nationen. Sie wirken dem Bevölkerungsrückgang entgegen, der sonst zum Aussterben der Gemeinde führen würde. Denn jedes Jahr sterben rund 20 Bürger*innen, während es nur drei oder vier Geburten gibt. Dabei sind legale Arbeitskräfte, beispielsweise für die Pflege und Versorgung älterer Menschen, unverzichtbar – egal, ob sie aus der EU, Südamerika oder Afrika kommen.
Weiterführende Links:
- Deutschlandfunk Kultur (7.4.2026): Spanien. Papiere für eine halbe Million Migranten – https://www.deutschlandfunkkultur.de/spanien-legalisiert-eine-halbe-million-migranten-papiere-fuer-alle-100.html
- Die Linke SC-RH (1.3.2024): Migrationsabwehr und Autoritarismus – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/global/migrationsabwehr-und-autoritarismus/
- ZDF Heute (27.4.2026): Irregulär eingereiste Migranten können Status legalisieren – https://www.zdfheute.de/politik/ausland/spanien-migration-legalisierung-wirtschaft-arbeit-genehmigung-100.html














