
Clara Zetkin spricht sich für die Vergesellschaftung der Produktionsmittel und der Sorge-Arbeit aus. Dazu braucht es gemeinsame Kämpfe. Der Theorie-Podcast der Rosa-Luxemburg-Stiftung beschäftigte sich mit ihrer Rede „Arbeiterinnen und Frauenfrage“.
Von SPD zu KPD
Clara wurde 1857 geboren, ihre Familie zog nach Gründung des Kaiserreichs nach Leipzig, wo sie eine Ausbildung zur Fremdsprachen-Lehrerin machte. 1878 trat sie der SPD bei, in deren Vorstand sie von 1900 bis 1917 saß. Seither gehörte sie der Spartakusgruppe an, wechselte wegen ihrer Kritik am Kriegskurs der SPD in die USPD und gründete 1919 mit ihrer Freundin Rosa Luxemburg die KPD. Während der „Sozialistengesetze“ (1878-1890) lebte sie mit ihrem Lebensgefährten im französischen Exil und hielt 1889 in Paris bei der Gründung der Zweiten Internationalen die Rede „Arbeiterinnen und Frauenfrage“.
„Generalstab der Weltrevolution“
Zurück in Deutschland engagierte Zetkin sich für Frauenpolitik. Sie war Chefredakteurin der SPD-Frauenzeitschrift „Die Gleichheit“, gründete 1907 die Sozialistische Frauen-Internationale und setzte sich für den Internationalen Frauentag (8. Mai) ein. In der Weimarer Republik war sie von 1920 bis 1933 Reichstagsabgeordnete der KPD sowie im Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationalen – quasi dem „Generalstab der Weltrevolution“. 1923 kritisierte sie mit ihrer Faschismus-Analyse sowohl die KPD wie auch die Komintern und die Bolschewiki in der Sowjetunion. Andererseits sprach sie sich jedoch auch für den Parteiausschluss von Stalins Kontrahenten Leo Trotzki aus und plädierte als Anklägerin in Schauprozessen gegen russische Sozialrevolutionäre die Todesstrafe.
Schritt zu Selbstständigkeit
In „Arbeiterinnen und Frauenfrage“ sieht sie den Beginn der kapitalistischen Produktionsweise auch als Anfang eines neuen Geschlechterverhältnisses. Denn bisher hätten Frauen seit Jahrtausenden in patriarchalen Verhältnissen wie Sklavinnen im Haushalt gelebt. In diesem Kontext sei die Arbeit in der Fabrik als ein Schritt der Emanzipation zu sehen. Denn schließlich sei wirtschaftliche Unabhängigkeit die Voraussetzung für eine eigenständige Lebensplanung. Gleichwohl wurde – statt wie bisher der Ehemann zu Hause– nun der Unternehmer im Betrieb der neue Sklavinnen-Halter.
Andere Produktionsverhältnisse
Um dem etwas entgegenzusetzen, müssen Männer und Frauen gemeinsam gegen die Kapitalverhältnisse kämpfen. Allerdings werteten die Arbeiter die Frauen in den Fabriken als „Schmutzkonkurrenz“ ab, weil diese zum Lohndumping beitragen würden. Das kontert Zetkin, indem sie darauf hinweist, dass im Kapitalismus das männliche Allein-Ernährer-Modell aufgrund des herrschenden Preisdrucks schon längst überholt sei. Im kapitalistischen Wirtschaftssystem ist ihrer Einschätzung nach die Vereinbarkeit von Familie und Beruf schlichtweg nicht möglich. Stattdessen fordert sie grundlegend andere Produktionsverhältnisse.
Sorge-Arbeit vergesellschaften
Zetkin setzt sich für das volle Wahlrecht für Frauen ein, damit diese sich auch politisch betätigen können. Der bürgerlichen Frauenbewegung wirft sie vor, nur an kulturelle Teilhabe zu denken – die Ausbeutung der proletarischen Frauen jedoch zu ignorieren. Für diese brauche es Engagement und Schulung in einer sozialistischen Organisation. Sie verlangt Mutterschutz sowie die Übernahme der Sorge-Arbeit durch die Gesellschaft – also beruflich ausgebildete Erzieher*innen.
Weiterführende Links:
- RLS (20.4.2026): Clara Zetkin. Arbeiterinnen und Frauenfrage – https://www.youtube.com/watch?v=brO4TkmgLQQ
- Die Linke SC-RH (13.1.2023): Clara Zetkin. Für Frauenrechte und Sozialismus – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/geschichte/clara-zetkin-fuer-frauenrechte-und-sozialismus/
- Die Linke SC-RH (9.6.2024): Die Kommunistin Alexandra Kollontai – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/geschichte/die-kommunistin-alexandra-kollontai/














