„Die braune Pest“ von 1934

05. April 2026  Geschichte
Geschrieben von Kreisverband

1932 fragte die SPD in Hessen mit Blick auf die anstehenden Landtagswahlen und die NSDAP: „Soll es so weit kommen?“ Und heute? (Hessisches Landesarchiv, CC BY-SA 4.0)

Mit einer großangelegten Artikelserie kritisierte der Journalist Frank Arnau 1934 die an die Macht gekommene NSDAP. Die Stiftung Demokratie Saarland fragte nach, welche Parallelen es von damals zu heutigen rechtspopulistischen Parteien gibt.

84 mal gegen Nazis

Frank Arnau veröffentlichte zwischen 4. März und 19. Juni 1934 seinen in Teilen autobiografisch geprägten Roman „Die braune Pest“ als 84-teilige Artikelserie in der SPD-Zeitung des Saarlands, der „Volksstimme“. Darin beschreibt er, wie die Nationalsozialisten die Weimarer Republik aushebeln – mit Hilfe der Großindustrie. Am 29. März reagierte die NSDAP: Arnau wurde ausgebürgert und sein Vermögen konfisziert. Im Vorwort schreibt er: „Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler Reichskanzler. Bei einer Erholungsreise auf die Zugspitze erhielt ich zum ersten Mal Kenntnis von den gegen mich im Münchener Braunen Haus eingegangenen anonymen Anzeigen.“

Parteieintritt und Flucht

Am 27. Februar wurde ihm durch Hausdurchsuchungen bei politischen Regimegegnern bewusst, dass auch er in unmittelbarer Gefahr schwebte. Die nationalsozialistische Staatsmacht ließ nicht lange auf sich warten. „Am 2. März erschienen SA- und am 4. März SS-Männer in meiner Berliner Wohnung“, notiert Arnau. Was tun? Seine Idee ist ungewöhnlich und verwegen. „Am 13. März wurde ich gegen geringe geldliche Opfer Mitglied der NSDAP, vier Tage später auch der SA.“ Am Tag des Boykotts gegen jüdische Geschäfte, am Samstag, 1. April, fuhr er ein letztes Mal von Berlin nach Potsdam, wo er seit Wochen übernachtet hatte. Im Bett der eigenen Wohnung war er schon lange nicht mehr gewesen – fanden die Geheimaktionen gegen Gegner des neuen Systems schließlich immer nachts statt. „Nachts passierten wir die niederländische Grenze“, beschreibt er lapidar seine erfolgreiche Flucht.

Autoritäre im Aufschwung

„Es gibt ernstzunehmende Parallelen zwischen 1933 und heute“, erklärte Jakob von Weizsäcker. So gab es damals den Faschismus in Italien, unter Józef Piłsudski ein autoritäres System in Polen, in Deutschland kam es zu einer mörderischen Entwicklung. Heute gäbe es in allen offenen Demokratien weltweit rechtspopulistische Strömungen – sie alle profitierten von der tiefsitzenden Unzufriedenheit in der Bevölkerung. Viele haben das Gefühl, dass die etablierten Parteien keine Antwort auf die empfundene Krise haben“, erläuterte der saarländische Minister der Finanzen und für Wissenschaft.

AfD mit NSDAP-Strategie

„Die AfD macht es, wie Joseph Goebbels sagte: ,Wir nutzen die Demokratie aus – und wenn wir dran sind: Scheiß drauf!‘“, paraphrasierte der Schauspieler Hartmut Volle einen Textauszug des späteren Propagandaministers, den dieser am 30. April 1928 mit Blick auf die anstehenden Reichstagswahlen im „Völkischen Beobachter“ geschrieben hatte. „Wir gehen in den Reichstag hinein, um uns aus dem Waffenarsenal der Demokratie mit deren eigenen Waffen zu versorgen. Wenn die Demokratie so dumm ist, uns für diesen Bärendienst Freifahrkarten und Diäten zu geben, so ist das ihre eigene Sache“ hatte der wenige Wochen später für die NSDAP in den Reichstag gewählte Gauleiter von Berlin geschrieben.

Vertane Chancen

„Liest man einige Stellen mit dem historischen Kontext, merkt man, dass vieles unglückliche Zufälle gewesen sind“, sprach Burkhard Jellonnek über den Aufstieg der NSDAP zur einzigen Staatspartei. So hätte der sogenannte „Preußenschlag“ im Juli 1932 des konservativen Reichskanzlers Franz von Papen – die Entmachtung der sozialdemokratischen Landesregierung aufgrund eines gewaltsamen Zwischenfalls in Hamburg-Altona – am bewaffneten Widerstand der preußischen Schutzpolizei mit über 90.000 Beamten scheitern können, zeigte der Historiker solch ein kritisches Zeitfenster auf.

Berlin ist nicht Weimar

Doch dass die Situation von Weimar nicht mit Deutschland im Jahr 2026 identisch ist, betonte der Verleger des neu erschienen Romans, Adrian Jesinghaus. So gab es in den zwei Monaten des Reichstagswahlkampfs für den 31. Juli 1932 reichsweit 86 Tote – darunter 30 Anhänger*innen der KPD und 38 der NSDAP. „Diese gewaltvollen Straßenkämpfe haben wir heute nicht – auch verfügt keine Partei über bewaffnete paramilitärische Verbände“, betonte er.

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