Ernst Bloch: Erbschaft dieser Zeit

16. August 2026  Geschichte
Geschrieben von Kreisverband

Grafik: Rosa-Luxemburg-Stiftung

Breite antifaschistische Allianzen und entschlossenes Handeln sind wichtig – vor allem, wenn sich Rechte linker Symbolik bedienen. Diese „Handreichung gegen den Faschismus“ formulierte Ernst Bloch in seinem Buch „Erbschaft dieser Zeit“.

Intellektueller Marxist

Ernst Block wurde 1885 in Ludwigshafen in eine jüdische Familie hineingeboren und etablierte sich als eine der maßgeblichen Figuren des westlichen Marxismus. So war er im gleichen Alter wie Georg Lukács und etwas älter als Siegfried Kracauer. Die nach ihm folgende Generation intellektueller Marxisten waren Max Horkheimer, Herbert Marcuse und Theodor W. Adorno. Der Vater war Eisenbahnbeamter, Bloch promovierte 1908 in München und ging dann nach Berlin, wo er Lukács kennenlernte.

Antifaschistische Einheitsfront

Als „kriegsuntauglich“ attestiert zog er in die Schweiz, wo er während des Ersten Weltkriegs Studien über den Pazifismus verfasste. Nach der Kapitulation des Kaiserreichs kehrte er nach Berlin zurück und war als Journalist tätig. Die Sorge, seine intellektuelle Selbstständigkeit zu verlieren, hielten ihn davon ab, in die stalinistisch geprägte KPD einzutreten. Seiner Ansicht nach ergab sich die Stärke der NSDAP auch aus der stalinistischen „Sozialfaschismus-These“, die in der Sozialdemokratie die größere Gefahr als im Nationalsozialismus sah. Bloch plädierte stattdessen für eine antifaschistische Einheitsfront.

„Das Prinzip Hoffnung“

Dies hinderte ihn jedoch nicht daran, während der stalinistischen Säuberungen die Moskauer Schauprozesse 1937 zu verteidigen und Stalin selbst als den „Führer ins Glück“ zu bezeichnen. Nach dem Reichstagsbrand im Februar 1933 floh er zuerst nach Zürich, um über Österreich und die Tschechoslowakei 1939 schließlich in die USA zu gelangen. Dort schrieb er „Das Prinzip Hoffnung“ und „Subjekt-Objekt“. 1949 erhielt er in Leipzig eine Professur für Philosophie und galt als „Staatsphilosoph“ der DDR.

Mauerbau und Westen

1957 wurde er wegen seiner Kritik an der gewaltsamen Niederschlagung des Ungarn-Aufstands emeritiert. Als 1961 während eines Aufenthalts in der Bundesrepublik die Mauer gebaut wurde, blieb er im Westen. Bloch erhielt eine Gastprofessur in Tübingen, wurde mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels ausgezeichnet und starb 1977 in der baden-württembergischen Universitätsstadt. Das Buch „Erbschaft dieser Zeit“ umfasst eine Sammlung von Artikeln, die er zwischen 1924 und 1935 schrieb. Veröffentlicht wurde das Buch im Schweizer Exil.

Entschlossene Faschisten

In einem der Aufsätze bezeichnet er seinen Geburtsort Ludwigshafen, der geprägt durch das BASF-Werk ist, als eine trostlose Stadt voller Mietlöcher, in denen die Arbeiter*innen des Chemie-Konzerns hausten. Weit entfernt von den giftigen Ausdünstungen wohnten hingegen diejenigen Herren mit ihrem von anderen Menschen verdienten Geld. Das Buch soll seiner Meinung nach zum Verständnis des Faschismus beitragen und auch die hohen Zustimmungswerte, die die nationalsozialistische Ideologie in der Bevölkerung hatte, herausarbeiten. Denn im Gegensatz zur Nazi-Partei verhielten sich KPD, SPD und Gewerkschaften viel zu unentschlossen.

Linke Symbolik

Die Nationalsozialisten bedienten sich linker Elemente. So fand sich die Rote Fahne der Revolution beispielsweise in der Hakenkreuz-Flagge wieder und auch die Gesänge der Marschkolonnen waren Blochs Analyse nach aus der Handwerkstradition entlehnt. Für ihn war die kapitalistische Gesellschaft von großen Widersprüchen und Ungleichzeitigkeiten gekennzeichnet. Ein gleichzeitiger Widerspruch sei etwa der zwischen Lohnarbeit und Kapital. Das führe bei den Menschen zu angestauter Wut und Verbitterung aufgrund der herrschenden sozialen Verhältnisse.

Faschistische „Ordnung“

Die Ungleichzeitigkeit zeige sich hingegen in der großen Bedeutung, die dem Adel in der Industriegesellschaft der Weimarer Republik zukomme. Das Proletariat müsse Allianzen mit den Bäuer*innen und der verarmten Mittelklasse bilden – denn alleine sei eine gesellschaftliche Veränderung nicht möglich. Bloch zufolge müsse auch die Linke ein Gespür für solche Ungleichzeitigkeiten entwickeln. Das bürgerliche Ordnungssystem im Spätkapitalismus ist zerbrochen. Der Faschismus greift in diesem Moment viele kulturelle Fragmente dessen auf und fügt sie zu einer „neuen“ Ordnung zusammen.

Linker Klassendiskurs

Doch kann man Blochs Analyse des erstarkenden Faschismus – und möglicher linker Gegenstrategien – auf unsere heutige Zeit übertragen? Nach der Wiedervereinigung sei die Linke als „Kümmerer-Partei“ aufgetreten, die die Sorgen der kleinen Leute ernst nehme und deren Unzufriedenheit artikuliere, erklärt der Sozialwissenschaftler Jan Rehmann. Diese Kompetenz sei ihr jedoch verloren gegangen. „Jetzt versuchen sie durch einen verschärften Klassendiskurs, durch empörte Wutreden, emotionales Terrain zurückzugewinnen“, blickt er auf aktuelle Bundestagsreden und TikTok-Videos. Wenn man Begriffe der Rechten hingegen bloß übernehme – wie es die Union oder Sahra Wagenknecht täten – rutsche man auf ihrer ideologischen Schleimspur aus, warnte er.

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