Ernst Grube: Ein antifaschistisches Leben

03. August 2025  Geschichte
Geschrieben von Kreisverband

Ernst Grube bei der Gedenkfeier zum 74. Jahrestag der Befreiung am SS-Schießplatz Hebertshausen, 2019 (Wikimedia: Wzwz, CC0)

Von den Nazis ins Ghetto Theresienstadt deportiert und von der Polizei der jungen Bundesrepublik verprügelt und ein Jahr ins Gefängnis gesteckt – der Gewerkschafter, Kommunist und VVN-BdA-Funktionär Ernst Grube erzählte über sein Leben für den Antifaschismus.

Reichspogromnacht und Ghetto

Der 1932 geborene Ernst Grube lebte mit seinen Eltern – einem kommunistischen Vater und einer jüdischen Mutter – sowie seinen Geschwistern nahe der Münchener Synagoge in einem Haus der jüdischen Gemeinde. Nach der Zerstörung der Synagoge 1938 wurden auch die Wohnungen „arisiert“, so dass der Fünfjährige in ein jüdisches Kinderheim kam. „Viele der Kinder wurden 1941 in den Osten deportiert“, erinnerte er sich. Seine Geschwister und ihn schützte nur der Umstand, dass sie aus einer sogenannten „Mischehe“ stammten. Als das Heim jedoch aufgelöst wurde, kamen sie zuerst in ein Ghetto in der Landeshauptstadt und im Februar 1945 – gemeinsam mit der Mutter – mit einem Deportationszug ins Ghetto Theresienstadt.

Täter in Freiheit

„Niemand wollte mit mir über meine Erfahrungen mit der Vergangenheit reden“, fasste er seine Zeit als Heranwachsender zusammen, als die Mutter mit den Kindern nach der Befreiung des Ghettos durch die Rote Armee nach München zurückkam. Hatte Grubes Kernfamilie die Shoah überlebt, waren andere Angehörige im Ghetto Izbica (Polen) und Riga (Litauen) ermordet worden. Durch den Kontakt zu Überlebenden der Hartwimmer-Olschewski-Gruppe, einer kommunistischen Widerstandsgruppe, kam er zur Freien Deutschen Jugend (FDJ). Wegen einer Amnestie kamen 1950, nach nur wenigen Jahren Haft in der Festung Landsberg, zahlreiche verurteilte NS-Täter frei, was auf große Kritik überlebender KZ-Insassen stieß, der er sich anschloss.

Gewerkschaft und Polizeigewalt

Bei seinem Vater machte Grube eine Malerlehre und trat in die Gewerkschaft Bau-Steine-Erden ein. „Hier erfuhr ich echte Solidarität“, erklärte er. So nahm er 1953 an Demonstrationen gegen verlängerte Ladenöffnungszeiten teil, die vorsahen, dass die Beschäftigten des Schuhherstellers Salamander auch samstags bis 18 Uhr im Laden stehen müssen. Die Polizei reagierte auf die bis zu 10.000 Teilnehmer*innen mit Wasserwerfern und Reiterstaffeln. „Bei einer Kundgebung wurde ich von ihnen mit Gummiknüppeln verprügelt und im Anschluss zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt“, beschrieb er das damalige Klima. Seine Haft saß er in Stadelheim in den gleichen Zellen ab, in denen wenige Jahre zuvor die Nazis kommunistische Gegner inhaftiert und hingerichtet hatten.

Schüsse auf Demonstrierende

Mitte der 50er Jahre sollte mit Hilfe früherer Wehrmachtsgeneräle ein neues deutsches Militär aufgebaut werden. Das führte wiederum zu großen Kundgebungen gegen die Wiederbewaffnung. „Wir wollten Traktoren für die Landwirtschaft und keine Panzer für einen neuen Krieg bauen“, gab Grube die Haltung der Gewerkschaftsjugend wieder. 1952 wurde der Münchener Philipp Müller, ein 21-jähriger Arbeiter, bei einer Demonstration gegen die Wiederbewaffnung in Essen von der Polizei erschossen. Ein Gewerkschafter und ein junger Sozialdemokrat wurden im Kugelhagel der Polizei schwer verletzt, elf mitdemonstrierende Jugendliche zu mitunter mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Erinnerungsarbeit Dachau

Als 1956 während der Adenauer-Regierung die KPD verboten wurde, führte Grube die illegale Parteiarbeit im Untergrund weiter. Bei einer geplanten Flugblatt-Aktion gegen die Verjährung von NS-Verbrechen wurde er jedoch festgenommen und zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. „Danach war ich auch in der Erinnerungsarbeit der späteren KZ-Gedenkstätte Dachau aktiv“, nannte er ein weiteres Betätigungsfeld. Allerdings verhinderte die CDU Dachau im Stadtrat den Bau einer Jugendbegegnungsstätte. „Wir haben es mit einem großen Netzwerk geschafft, eine internationale Jugendarbeit zu initiieren“, erklärte Grube. Das ging dann sogar bis ins bayerische Kultusministerium, woraufhin auf dem Gelände doch noch ein Jugendhaus mit dem Namen „Max Mannheimer“ errichtet wurde. Dieser hatte sowohl die Lager Dachau wie auch Auschwitz überlebt.

Verfassungsschutz und Berufsverbot

Ebenso war Grube im Landesvorstand des VVN-BdA aktiv, was dazu führte, dass er vom bayerischen Verfassungsschutz beobachtet wurde, der das antifaschistische Bündnis als „linksextremistische Organisation“ ansah. Auch drohte ihm als Mitglied der DKP wegen seiner Arbeit als Berufsschullehrer ein Berufsverbot. „Das konnte nur dadurch abgewendet werden, indem ich den Beamten meinen ,Judenstern‘ auf den Tisch legte“, verband er seine Verfolgung im Dritten Reich mit der in der Bundesrepublik.

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