
Willi Münzenberg war der größte linke Medien-Unternehmer der Weimarer Republik. Was können Linke heute von ihm lernen? Dieser Frage ging die Rosa-Luxemburg-Stiftung nach.
Meta vergesellschaften
„Willi Münzenberg war ein Netzwerker, der viel mit Künstler*innen und Autor*innen zusammengearbeitet hat“, blickte Sina Reisch auf den schillernden Medien-Unternehmer. Dabei sei es ihm stets wichtig gewesen, auf die Gemeinsamkeiten der unterschiedlichen linken Akteur*innen zu schauen. Aktuell beziehen gut 30 Prozent der jungen Menschen ihre Nachrichten aus den sozialen Medien – die jedoch fast ausschließlich alle kapitalistisch strukturiert sind. „Dem stünden vergesellschaftete Plattformen gegenüber, die sich nicht auf eine möglichst lange Nutzungsdauer und dem Verkauf der Aufmerksamkeit an Werbetreibende fokussieren“, zeigte die Betreiberin des Podcasts „Geschichte der kommenden Welten“ Alternativen auf. Darüber hinaus müssten Facebook, Instagram und Co. aber natürlich enteignet und in die öffentliche Hand überführt werden.
Gegen Hitler und Stalin
„Er war ein Mann der Superlativen“, charakterisierte Bernhard Bayerlein den bekannten Reichstagsabgeordneten der KPD. Doch wurde Münzenberg sowohl Opfer des Nationalsozialismus – die Faschisten verübten mehrere Attentate auf ihn – wie auch seiner eigenen Bewegung, des zum Stalinismus gewordenen Kommunismus. Und nach seiner Flucht aus Nazi-Deutschland ins französische Exil geriet er ebenfalls unter die Räder der dortigen Politik. „Die KPD unter Stalin propagierte den sogenannten ,Sozialfaschismus’, demzufolge die Sozialdemokratie die größere Bedrohung als der Nationalsozialismus ist“, erklärte der Historiker.
Parteiübergreifender Antifaschismus
Das machte eine Zusammenarbeit der beiden marxistischen Arbeiter*innen-Parteien unmöglich und zerstörte auch Münzenbergs überparteilich ausgerichtete antifaschistischen Netzwerke. „Statt eines proletarischen Internationalismus beschritt die Sowjetunion unter Stalin den Weg hin zu einem großrussischen, chauvinistischen Regime“, kritisierte Bayerlein. Als Reaktion auf die Appeasementpolitik der westlichen Demokratien gegenüber Hitler gründete er 1938 im Pariser Exil die Zeitschrift „Die Zukunft“. Dort verpackte Münzenberg seine antifaschistische Konter-Propaganda gegen das 3. Reich in einem antifaschistischem Gesamtkonzept.
„Stalin, der Verräter!“
Die von Münzenberg praktizierte Vielfalt war in der Struktur der Zeitung zu sehen: Chefredakteur war ein linker Katholik aus Österreich, Herausgeber der – auf Betreiben von Walter Ulbricht und Wilhelm Pieck aus der KPD ausgeschlossene – Münzenberg, juristischer Eigentümer ein französischer Christdemokrat. Bis zum Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Paris schrieben 360 unterschiedliche Autor*innen für das wöchentlich erscheinende Blatt. „Nach dem Bekanntwerden des Hitler-Stalin-Pakts 1939 erklärte Münzenberg: ,Der Verräter, Stalin, bist du!“, rief Bayerlein in Erinnerung.
Die Linke auf Tiktok
„Wenn die AfD mit ihren geskripteten Reden im Bundestag auf Tiktok Abertausende Viewer*innen hat, dürfen wir uns als Linke nicht von diesen Plattformen zurückziehen“, betonte Bodo Ramelow. Schließlich sei der große Erfolg der Partei bei der Bundestagswahl 2025 auf die Brandmauer-Rede von Heidi Reichinnek zurückzuführen gewesen, erläuterte der Vizepräsident des Bundestags. Und blickte auf das Erstarken des Nationalsozialismus zurück. 1936 hatte der NS-Staat 48 Prozent des Staatshaushalts für die Rüstung ausgegeben. „Viele Kleinbauern, die von ihrer Landwirtschaft nicht mehr leben konnten, verdienten guten Geld in den Munitionsfabriken“, wies er auf die Existenzängste der Menschen hin. Dabei griff man auf Planungen zurück, die schon in den 1920ern in der Reichswehr zur Zeiten der Weimarer Republik entstanden waren.
Weiterführende Links:
- RLS (14.4.2026): Willi Münzenberg und „Die Zukunft“ – https://www.youtube.com/watch?v=5SqAowlXhiQ
- Die Linke SC-RH (21.3.2025): Propaganda als Waffe – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/theorie/propaganda-als-waffe/
- Die Linke SC-RH (15.5.2025): Die Linke im Social-Media-Trend – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/partei/die-linke-im-social-media-trend/














