Schwule Männer unter dem NS-Regime

26. September 2026  Geschichte
Geschrieben von Kreisverband

Die Gedenktafel für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus im KZ Mauthausen. Hier starb der aus der Pfalz stammende Friedrich Baumgärtner. (Wikimedia: Dedd, gemeinfrei)

Wie die Verfolgung Homosexueller in der Pfalz aussah und welche tödlichen Folgen sie hatte, erläuterte Burkhard Jellonek in einem Vortrag der Stiftung Demokratie Saarland.

Homosexuelle als Staatsfeinde

„Für die NS-Machthaber, die sich als eine Männerbewegung verstanden, war das schwule Leben gleichbedeutend mit ‚Staatsfeinden’“, hielt Burkhard Jellonek fest. Je nachdem, in welcher Region des Deutschen Reiches man lebte, konnte man eine unterschiedliche Art des schwulen Lebens führen – sei es in der Metropolregion Duisburg-Essen-Düsseldorf mit seiner schwulen Szene, einer 100.000 Einwohner*innen-Stadt wie Würzburg oder auf dem Land wie in der Pfalz. Und somit setzte die Verfolgung Homosexueller auch dort ein, wo in 554 Gemeinden rund 2.000 Menschen lebten.

Keine echte „Szene“

Im Landesarchiv in Speyer befinden sich 186 Ermittlungsakten der Gestapo zur Verfolgung homosexueller Männer. So reiste zum Beispiel ein Student aus Ludwigshafen regelmäßig nach Mannheim, um dort nach einem Partner zu suchen. Schließlich gab es in der Stadt auch eine Zweigstelle des Bunds für Menschenrechte, der seit 1920 als Organisation für homo-, bisexuelle sowie trans Frauen und Männer bestand. Im März 1936 wurden nach dem Geständnis eines homosexuellen Schriftsetzers zehn weitere Männer verhaftet. Die Beteiligten bildeten jedoch keine feste Gruppe, sondern waren laut Polizeiakten als Einzelgänger anzusehen. Denn es gab schlichtweg keine schwule Szene mit eigenen Bars oder Cafés als Treffpunkten – sondern nur sporadisch-individuelle Begegnungen.

„Verschärfte Vernehmungen“

Im 4.000 Einwohner*innen zählenden Eisenberg wurde in der Presse über einen Maschinenbau-Ingenieur – dem man kein homosexuelles Verhalten nachweisen konnte – berichtet, „dass dieser Schweinehund schon längst unschädlich gemacht hätte werden sollen.“ Homosexuelle wurden als „Volksschänder“ gebrandmarkt, wobei die Bevölkerung kaum Position für die marginalisierten Menschen bezog. Die Polizeiprotokolle vermerken dazu immer wieder „verschärfte Vernehmungen“ – also Folter.

„Freiwillige Selbstentmannung“

So erklärte etwa Emil Hab, Buchhändler aus Neustadt, dass er wochenlang immer um Mitternacht auf die Gestapo-Dienststelle geladen und dort bis morgens um 8 Uhr verhört wurde. Die stundenlangen Verhöre fanden im Stehen – im Angesicht einer grellen Schreibtischlampe – statt. Er wurde gezwungen, Kniebeugen zu machen, die Beamten beschimpften ihn als „Hund“ oder „Landesverräter“. Ab den 1940er Jahren wurden Homosexuelle überhaupt nicht mehr aus den Konzentrationslagern entlassen – es sei denn, sie stimmten der „freiwilligen Selbstentmannung“ zu.

Tod im Konzentrationslager

Der 46-jährige Tagelöhner Friedrich Baumgärtner wurde 1937 in einer Kleinstadt mit anderen Homosexuellen verhaftet und von der Strafkammer Zweibrücken zu einer fünfmonatigen Gefängnisstrafe nach Paragraf 175 verurteilt. Nach deren Verbüßung wurde er 1938 ins KZ Dachau überstellt. Am 7. Januar 1940 starb er im KZ Mauthausen an „Herz- und Kreislaufschwäche“.

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