
Das Eintreten für die Republik und die Volkssouveränität machte Thomas Paine zum Akteur in zwei Revolutionen. Sowohl in Nordamerika wie auch in Frankreich sprach er sich entschieden gegen die Königsherrschaft aus. Der Theorie-Podcast der Rosa-Luxemburg-Stiftung widmete sich seiner Schrift „Die Rechte des Menschen“ von 1791.
London und Philadelphia
Thomas Paine wurde 1737 in Wedford/Großbritannien geboren und gilt als einer der beeindruckendsten Revolutionäre des 18. Jahrhunderts. In seinen Schriften setzte er sich kritisch mit politischen Institutionen und der Rolle der politischen Ökonomie auseinander. Zuerst verdiente er sich, der nur fünf Jahre Schulbildung genossen hatte und sich viele philosophische Standpunkte autodidaktisch aneignete, sein Geld als Zollbeamter. Später wurde er Gewerbetreibender und knüpfte enge Kontakte zur Arbeiter*innen-Bewegung in London sowie zu Benjamin Franklin, der ihm riet, in die amerikanische Kolonie Pennsylvania nach Philadelphia zu gehen.
Gegen die Monarchie
Dort traf er 1774 ein und geriet sogleich in den Konflikt der ansässigen Siedler*innen mit der britischen Krone. Denn um die Staatsschulden des Siebenjährigen Kriegs (1756-1763) zu tilgen, wurden in den nordamerikanischen Kolonien die Steuern erhöht – was zu starken Protesten führte. Im Januar 1776 veröffentlichte Paine die Schrift „Common Sense“, mit der er sich entschieden gegen die Monarchie und für eine Republik aussprach. Innerhalb kürzester Zeit wurden eine halbe Million Exemplare verkauft – bei gerade einmal 3 Millionen weißen Einwohner*innen in den Kolonien.
England und Frankreich
Am 14. Juli erfolgte die Unabhängigkeitserklärung, die in den 13 Kolonien aufgestellte „Kontinentalarmee“ kämpfte gegen britische Truppen. Nach mehreren schweren Niederlagen gegen die gut ausgebildeten Soldaten plädierte Paine in „American Crisis“ für eine Fortführung des Krieges. 1783 kam es zu einem Waffenstillstand, 1787 kehrte er nach England zurück und reiste von dort regelmäßig nach Frankreich, wo er Kontakt zu französischen Revolutionär*innen knüpfte. So war er etwa mit dem Präsidenten der Nationalversammlung, Marquis de La Fayette, gut befreundet.
Flucht nach Paris
Im Februar 1791 veröffentlichte er „Die Rechte des Menschen“, die in den letzten 9 Jahren des Jahrhunderts 500.000 mal gedruckt wurden. In Großbritannien kam es daraufhin ihm gegenüber zu symbolischen Hinrichtungen, so dass er – um einer Verhaftung zu entgehen – 1792 schließlich endgültig nach Frankreich floh. Als radikaldemokratischer Reformer wollte er die intellektuellen Debatten mit der Selbstorganisation der Arbeiter*innen verknüpfen. Dabei betonte er, dass es in der Politik keine Erbfolge geben dürfe, da die Regierungsmacht vom Volk kontrolliert werden müsse.
Parlament statt König
Eine verfassungsgebende Versammlung habe die Rahmenbedingungen für alles Weitere zu schaffen – also Wahlen, Parlament und Besteuerung. Die indirekten Verbrauchssteuern lehnte er ab, da diese vor allem die Bevölkerungsschichten mit niedrigen Einkommen belasteten – und nicht die Reichen. Das Parlament bilde die verschiedenen Aspekte von Entscheidungen ab und komme so zu besseren Ergebnissen für die Gesellschaft als ein einzelner Herrscher. In Paris angekommen, wurde Paine sofort in die Nationalversammlung aufgenommen und vertrat dort die Bürger*innen von Calais.
Dem Terror entkommen
Gemeinsam mit Georges Danton, ehemals Justizminister und Mitglied im Wohlfahrtsausschuss, arbeitete Paine an einer Verfassung. Doch da er sich gegen die Hinrichtung von König Ludwig XVI. aussprach, befand er sich im Konflikt mit Maximilien de Robespierre und dessen Jakobinern. Andererseits trat er – im Gegensatz zu den Girondisten – entschieden für ein allgemeines Wahlrecht ein – ohne es an eine bestimmte Einkommensgrenze zu koppeln. 1793 wurde er auf Befehl von Robespierre verhaftet und saß monatelang im Gefängnis. Der Hinrichtung durch die Guillotine
entging er nur deshalb, weil sich der US-Botschafter in Paris – der spätere US-Präsident James Monroe – für seine Freilassung einsetzte. Später kehrte Paine in die USA zurück und trat vehement gegen die Sklaverei und für die politischen Rechte der Frauen ein.
Weiterführende Links:
- RLS (15.1.2025): Thomas Paine. Die Rechte des Menschen – https://www.youtube.com/watch?v=DgvFKrXG5Bk
- Die Linke SC-RH (14.11.2024): USA. Land der Freiheit? – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/geschichte/usa-land-der-freiheit/
- Die Linke SC-RH (6.8.2024): Die Französische Revolution – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/geschichte/die-franzoesische-revolution/














