
Von CDU bis AfD – viele rechte Akteur*innen behaupten, Hitler sei „links“ gewesen. Der Deutschlandfunk geht in seinem Podcast „Der Rest ist Geschichte“ dieser Aussage nach und fragt, was sich die Rechte von dieser Geschichtsfälschung verspricht.
Strauß, Steinbach, Weidel
Der bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß (CSU) erklärte 1979: „Sowohl Hitler wie Goebbels waren im Grunde ihres Herzens Marxisten“. Die CDU-Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach schrieb 2012 auf Twitter: „Die NAZIS waren eine linke Partei. Vergessen? NationalSOZIALISTISCHE Deutsche ARBEITERPARTEI…“. Im August 2025 erklärte die AfD-Bundestagsabgeordnete Nicole Höchst: „Ja, die Hitlerjugend kämpfte gegen Rechts.“ Zuvor hatte ihre Partei-Chefin Alice Weidel im RTL-Interview gesagt: „Ich bin Ökonomin und für uns ist völlig klar, dass Adolf Hitler ein Linker war – mit den ganzen Methoden wie heute: mit Gleichschaltung der Medien, Einschränkung der Meinungsbildung und sonstigen Verboten.“
Einfach nur NS-Propaganda
„Die im NSDAP-Parteiprogramm von 1920 angesprochene Verstaatlichung wurde nie umgesetzt – lediglich jüdische Unternehmer verloren ihren Besitz“, ordnete Jakob Schergaut diese „Wirtschaftsargumente“ ein. Das angeblich „sozialistische“ Programm habe es schlichtweg nicht gegeben – es sei einfach nur NS-Propaganda. Steinbach, die mittlerweile von der CDU zur AfD gewechselt ist, habe zwar die Begriffe „sozialistisch“ und „Arbeiter“ betont, die Worte „national“ und „Deutsche“ aber komplett ignoriert. „Damit will sie den Nationalsozialismus der politischen Linken zuschreiben und die Rechte entkriminalisieren“, so der Sozialwissenschaftler.
Umdeutung der Geschichte
Im Sächsischen Landtag hatte ein AfD-Politiker eine Linie von den „braunen“ zu den „roten“ und den „grünen Faschisten“ gezogen, um so eine angebliche Kontinuität der Bevormundung zu konstruieren. „Die deutsche Vergangenheit soll entlastet werden und der Geschichtsrevisionismus durch ständiges Wiederholen ins Bewusstsein der Bevölkerung einsickern“, warnte er. Im vergangenen Jahrzehnt hätten rechtsextreme Parteien in ganz Europa enorm an Zustimmung gewonnen. Einhergehend mit der gesellschaftlichen Rechtsentwicklung komme es auch zu einer immer stärkeren Umdeutung von Geschichte – besonders auf Instagram und Tiktok. „Vor allem die 12- bis 22-Jährigen, die sich viel auf Social Media bewegen, sind davon betroffen“, warnte er. Hier gäbe es auch Überschneidungen zur Männlichkeit-dominierten Manosphere.
Gleichheit oder Rassismus?
Im März 1933 hielt Hitler eine Rede. „Der Marxismus geht aus von der Gleichheit. Diese Gleichheit der Menschen ist irrsinnig“, erklärte er im Berliner Sportpalast. Nach der Machtübernahme der NSDAP wurden 20.000 Kommunist*innen, Sozialist*innen und Anarchist*innen ermordet. „Der Sozialismus beruht auf dem Gedanken von Gleichheit und Gerechtigkeit“, sagte Stefanie Schüler-Springorum. Der sozialistische Bezug der NSDAP sei somit eine Lüge. Zwar habe es einen linken Flügel gegeben, doch verließ einer ihrer Vertreter – Otto Strasser – 1930 die Partei. Im Juni 1934 wurde die SA entmachtet und deren Chef, Ernst Röhm, sowie Ottos Bruder Gregor Strasser, ermordet.
Kapital und Faschismus
„Die NSDAP will sich vom Bürgertum, den geschlagenen Militärs des Ersten Weltkriegs und der Monarchie abgrenzen“, erläuterte die Historikerin den „sozialistischen“ Habitus. Gleichzeitig wolle man in die deutsche Arbeiter*innenschaft hineinwirken. „Die Eigentumsfrage von Schwerindustrie und Großagrariern wurde nicht im geringsten angetastet“, kam sie auf das durch und durch kapitalistische Wirtschaftsmodell der Partei zu sprechen. Denn schließlich sei sie von einer Allianz aus konservativem Großgrundbesitz, Schwerindustrie und Reichswehr ja erst an die Macht gehievt worden. Am 2. Mai 1933 zerschlagen die Nazis die organisierte Arbeiter*innen-Bewegung. Gewerkschaftsmitglieder verschwinden in Folterkellern und Konzentrationslagern, manche werden auch sofort getötet.
Republik oder Monarchie?
Doch woher kommt eigentlich die Unterscheidung in rechts und links? „In der Französischen Revolution wurde 1789 die Gleichheit aller Menschen festgeschrieben – also ohne Frauen, Jüd*innen und Schwarze“, erklärte Schüler-Springorum. Denn in der damals einberufenen Nationalversammlung saßen die Republikaner auf der linken, und die königstreuen Monarchisten auf der rechten Seite.
Weiterführende Links:
- Deutschlandfunk (18.9.2025): War Hitler links? – https://www.deutschlandfunk.de/geschichtsfaelschungen-hitler-war-nicht-links-102.html
- Die Linke SC-RH (6.11.2025): Toxische Männlichkeit bei Tiktok – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/gesellschaft/toxische-maennlichkeit-bei-tiktok/
- Die Linke SC-RH (13.6.2025): Frauen im Widerstand – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/geschichte/frauen-im-widerstand/














