Aufstieg der radikal Rechten

17. Januar 2026  Gesellschaft
Geschrieben von Kreisverband

2.300 Angehörige der Nationalgarde werden auf Befehl von US-Präsident Donald Trump im August und September 2025 in Washington D.C. eingesetzt. (The National Guard, CC BY 4.0)

Angst vor sozialem Abstieg in einer sich wandelnden Gesellschaft – das löst bei vielen Wut und Aggression aus. Carolin Amlinger erklärte in Jacobin Talks, wie es zum Aufstieg der radikalen Rechten kommt.

Kluft zwischen Arm und Reich

„Viele Menschen in den demokratischen Gesellschaften haben das Gefühl, dass heute der beste Tag einer sich permanent verschlechternden Zukunft ist“, beschrieb Carolin Amlinger das vorherrschende Lebensgefühl. Das zentrale Versprechen der Moderne nach einer besseren Zukunft habe sich mit Blick auf die Lebensrealität der Menschen als falsch erwiesen. Sichtbar werde dies unter anderem in der immer größer werdenden Vermögensungleichheit in Deutschland. „Die Menschen haben Angst vor dem sozialen Abstieg und somit einem Verlust ihrer Lebenschancen“, erklärte die Soziologin.

Kampf um Ressourcen

Deshalb solle das, was in einer liberalen Demokratie vulnerable Leben schütze oder Minderheiten in die Gesellschaft integriere, zerstört werden. „So entsteht eine homogene Gemeinschaft“, sprach sei die Folgen an. Denn in diesem Denken sei der Fortschritt nicht mehr universell für alle möglich, da die nötigen Ressourcen schrumpfen. Es herrsche der Leitspruch vor: „Das, was der andere bekommt, geht mir verloren.“ Vorhandene Güter sollten stattdessen nur unter den Mitgliedern der eigenen Gruppe aufgeteilt werden. Jede zusätzliche soziale Gruppierung würde somit als Konkurrenz wahrgenommen. „Es geht nicht um ein ,Mehr oder weniger`, sondern um das pure Überleben“, sprach Amlinger die Endzeit-Vorstellungen rechten Denkens an.

Statusverlust und Zerstörungswut

Aktuell werde beispielsweise das Verbrenner-Auto als bisheriges anzustrebende Ziel infrage gestellt – ökonomisch durch immer höhere Benzinpreise sowie aus ökologischer Hinsicht als moralisch umstrittenes Verkehrsmittel. Der gefühlte Statusverlust und eine starke Dominanzorientierung führten zu einem „Bedürfnis nach Chaos“. Aussagen wie „Ich möchte, dass diese Gesellschaft in Schutt und Asche gelegt wird“, stießen häufig auf Zustimmung – auch in der bürgerlichen Mitte. Gesellschaftliche Institutionen werden mehr und mehr unterminiert.

Die Demokratie demontieren

„Der weltweite Aufstieg der radikalen Rechten ist in sich widersprüchlich“, erläuterte die PostDoc-Assistentin. So sei Faschismus ein Prozess, der in Demokratien entstehe – diese aber schließlich selbst negiere. US-Präsident Donald Trump sei etwa demokratisch gewählt worden, nutze jedoch nun die Mechanismen der Demokratie, um das System von innen heraus zu entliberalisieren. „Wir haben 2.600 Menschen befragt – sie haben sich aber nicht als ,rechts’, sondern als ,demokratisch’ gesehen“, sprach sie das aktuelle Forschungsprojekt mit AfD-Wähler*Innen und Personen mit destruktiven Einstellungen an. Das zeige, dass rechtes Demokratie-Verständnis mit autoritären Mitteln kombiniert werden könne.

„Vernichtung des Heterogenen“

Im Sinne von Carl Schmitt liege hier der Fokus auf der Identität von Herrschern und Beherrschten. „Die dazu nötige homogene Nation kann nur durch die ,Vernichtung des Heterogenen’ geschaffen werden“, buchstabierte sie die Konsequenzen der Ideen des einstigen NS-Juristen aus. In den Vereinigten Staaten hatte der Milliardär Elon Musk versucht, Inklusions- und Diversitätsprogramme „abzusägen“ – mit Hilfe einer vom argentinischen ultralibertären Präsidenten Javier Milei feierlich überreichten Kettensäge. Grausamkeit werde somit instrumentell zur Schau gestellt – um die eigenen Anhänger*innen emotional an die Bewegung zu binden sowie die politischen Gegner*innen einzuschüchtern.

Gesellschaft für alle

„In den USA ist das der Einsatz der Nationalgarde im Inneren sowie die massive Verfolgung von Migrant*innen durch die Abschiebebehörde ICE“, nannte Amlinger ein aktuelles Beispiel. Gleichzeitig werde auch die antifaschistische Bewegung massiv kriminalisiert. „Zohran Mamdani, demokratischer Sozialist und Bürgermeister von New York steht für ein Alternativkonzept“, sagte sie. Denn er wolle für eine kostenlose Daseinsvorsorge für alle sorgen, so dass niemand wegen Armut aus der Gesellschaft ausgegrenzt werde. „Jede*r hat das Recht auf ein würdevolles Leben“, setzte sie den rechten Ausschluss-Fantasien ein solidarisches Modell entgegen.

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