
Welche Einstellungen ein rechtsextremes Weltbild umfasst und was für Forderung solche Menschen an die Politik haben erklärte Beate Küpper bei der Vorstellung der Mitte-Studie „Die angespannte Mitte“. Der Vortrag fand bei der Stiftung-Demokratie Saarland statt.
Erschöpfte Demokrat*innen
„80 Prozent der – auch in der Corona-Pandemie – radikalisierten neuen Rechten halten sich selbst für demokratisch und die wahren Repräsentant*innen des Volkes“, erklärte Beate Küpper. Dabei hingen 43 Prozent von ihnen gefestigten rechtsextremen Einstellungen an. Und 78 Prozent der Menschen mit rechtsextremen Einstellungen sprächen von sich als der „Mitte der Gesellschaft“.
Anders habe es Anfang des Jahres 2024 ausgesehen, nachdem das „Geheimtreffen von Potsdam“ bekannt geworden war und die größte Protestwelle in der Geschichte der Bundesrepublik auslöste. Doch von den Menschen, die damals für Demokratie und Menschenrechte auf die Straße gegangen waren, fühlen sich jetzt viele erschöpft und bedroht. So sei die Unterstützung für das Eintreten für Demokratie nur unzureichend gegeben.
Politik ohne Kompromisse
Die aktuelle „Mitte-Studie“ untersucht gesellschaftliche Konfliktfelder wie Migration, Feminismus, Klima und Energiewende, aber auch den Wohlfahrtsstaat, Markt und Freiheit sowie Bildung. 52 Prozent der Befragten sagen, dass die Demokratie in Deutschland gut funktioniere (2022: 57 Prozent, 2018: 64 Prozent), 23 Prozent sehen sie hingegen als dysfunktional an. Vertrauen in demokratische Wahlen haben nur noch 73 Prozent (2020: 86 Prozent), 18 Prozent glauben nicht mehr daran. „Beim Demokratieverständnis fordern 52 Prozent, dass Politiker*innen kompromisslos den Willen ihrer Wähler*innen durchsetzen sollen“, erläuterte die Professorin für Soziale Arbeit. 34 Prozent sagten, im nationalen Interesse könnten nicht für alle die gleichen Rechte gewährt werden.
Führer und Weltgeltung
Politischer Rechtsextremismus beinhaltet die Befürwortung einer Diktatur, die Höherwertigkeit der eigenen Nation sowie die Verharmlosung des Nationalsozialismus. Die völkisch-rassistische Dimension umfasst Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Sozialdarwinismus. „27 Prozent bescheinigen der Bundesrepublik eine gefährliche Überfremdung durch Ausländer“, nannte Küpper eine Antwortmöglichkeit. 23 Prozent sähen die Aufgabe der deutschen Politik darin, dem Land wieder Weltgeltung zu verschaffen. 15 Prozent forderten einen Führer, der Deutschland mit harter Hand regieren solle. „20 Prozent der Befragten stimmen den Aussagen mehrheitlich – wenn auch nicht komplett – zu“, erläuterte sie. Lediglich 6,6 Prozent widersprechen allen rechtsextremen Forderungen.
Mit Lebensqualität zufrieden
11 Prozent der Menschen mit rechtsextremen Einstellungen – also absolute Befürworter in den politischen und völkisch-rassistischen Dimensionen – gaben an, die AfD zu wählen. 7 Prozent sprachen sich für die FDP aus und je vier Prozent für BSW und SPD. Die Linke hingegen würde keine*r wählen. Der Studie zufolge haben 6,8 Prozent der jungen Menschen zwischen 18 und 34 Jahren ein geschlossen rechtsextremes Weltbild – bei den Leuten zwischen 35 und 64 Jahren sind es nur 2,6 Prozent. 80 Prozent der Befragten bewerteten die Lebensqualität in ihrer Region als gut. Besonders zufrieden waren Wähler*innen der Grünen (88 Prozent), gefolgt von der SPD (83 Prozent), FDP (77 Prozent) und CDU/CSU (73 Prozent).
Schule und politische Bildung
Geringer war die Zustimmung bei den Linken (63 Prozent), BSW (56 Prozent) und AfD (47 Prozent). Die größte Unzufriedenheit herrschte bei den Nichtwähler*innen (43 Prozent). Allerdings hält sich der Anteil derer, die eine gesellschaftliche und ökologische Veränderung fordern bzw. ablehnen, fast in der Waage. 25 Prozent gehen die nötigen Maßnahmen zu langsam, 27 Prozent sagen, der Transformationsprozess sei zu schnell. 84 Prozent der Menschen fordern, dass die Schulen Diskriminierung abbauen müssten, 61 Prozent wünschen sich mehr politische Bildung.
Weiterführende Links:
- Stiftung Demokratie Saarland (8.12.2025): Die angespannte Mitte – https://www.youtube.com/watch?v=RjOqRthmLe4
- Die Linke SC-RH (24.3.2025): Rechts, wo die Mitte ist – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/gesellschaft/rechts-wo-die-mitte-ist/
- Die Linke SC-RH (4.2.2022): Faschismus und der „Extremismus der Mitte“ – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/geschichte/rosalux-history-faschismus-und-der-extremismus-der-mitte/














