Die „Unterlegenen“ sind mächtig

06. Juli 2026  Gesellschaft
Geschrieben von Kreisverband

Bild: Rosa-Luxemburg-Stiftung

Welche Macht die eigentlich „Unterlegenen“ haben beschreibt der Philosoph Daniel Loick in seinem Buch „Die Überlegenheit der Unterlegenen“. Neben NSU- und ICE-Terror bezog er sich im Many-Pod, dem migrationspolitischen Podcast der Rosa-Luxemburg-Stiftung, auch auf die schwarze Bürger*innenrechtsbewegung in den USA.

Das fühlende Herz

„Viele schwarze, proletarische, feministische oder queere Bewegungen sehen sich trotz ihrer Marginalisierung im Vorteil“, erklärte Daniel Loick, der das Buch „Die Überlegenheit der Unterlegenen“ geschrieben hatte. Dabei bezog er sich auch explizit auf eine Rede des schwarzen US-Bürgerrechtlers W.E.B du Bois, die dieser 1926 in Chicago gehalten hatte: „Die, die wir in Amerika an den Rand gedrängt wurden, haben eine Vision davon, wie die Welt sein könnte, wenn sie wirklich eine schöne Welt wäre – wenn wir ein fühlendes Herz hätten.“

Herrschaft ist Armut

Denn die Welt der Herrschenden und Mächtigen sieht hässlich aus. „Donald Trump hat lauter Gold und Marmor im Weißen Haus, Elon Musk jede Menge teurer Autos und Friedrich Merz ein Flugzeug“, zählte Loick auf. Doch das sei es nicht, was Menschen wirklich begehrten. „Wenn man in der Position ist, andere zu beherrschen, muss man Strukturen dafür finden, um das überhaupt auszuhalten“, erläuterte der Philosoph. Diese dominanten Verhaltensweisen ließen einen als Mensch jedoch verarmen. „Auf der Wissensebene verliert man als Mann aus dem Blick, dass man von der unbezahlten Hausarbeit profitiert“, nannte er ein Beispiel. Daraus entstehe eine persönliche Härte.

Subkultureller Widerstand

Manche Faschismus-Theorien besagten, dass die faschistische Gewalt die Reaktion auf Verlusterfahrungen bisheriger Privilegien durch reale Gleichstellungserfolge gewesen sei. „Gemeinschaft kann dem in Form einer Subkultur, etwa einem Jazz-Club, aber auch kollektive Wohnformen, entgegenwirken, überlegte Loick. Dieses Subkulturelle bedeute jedoch die ständige Auseinandersetzung mit der Umwelt – die auch zur eigenen Veränderung führe.

AfD zerstört die Gesellschaft

In den europäischen Metropolen gäbe es schon ein alltägliches multikulturelles Zusammenleben – einen „Multikulturalismus von unten“. Dabei komme es zu ständigen Aushandlungsprozessen und somit der Fähigkeit, mit Konflikten umzugehen. Unterschiede würden dabei oftmals mit Humor bedacht. „Die Vorstellung der AfD von einem ‚normalen‘ Deutschland würde bedeuten, das gesamte [normale] Leben in den Städten zu beenden“, sprach er die politischen Konsequenzen von rechts an.

Gegen den Nationalstaat

In Minneapolis hatte sich der Widerstand nach der Erschießung mehrerer Menschen durch ICE-Beamte als Selbstverteidigung der Bürger*innen gegen die Abschiebebehörde organisiert. „Die massenhafte Repression der Polizei gegen Migrant*innen ist das Ergebnis der nationalstaatlichen ,Normalität’“, hielt er fest. Wer das multikulturelle Zusammenleben verteidigen wolle, müsse somit auch den Nationalstaat in Frage stellen.

Blinde Mehrheitsgesellschaft

Als 2006 Halit Yozgat vom rechtsterroristischen NSU in Kassel ermordet wurde, gab es aus migrantischen Communitys heraus sehr schnell eine Demonstration mit der Forderung „Kein zehntes Opfer“. Der deutsche Staat und die deutsche Gesellschaft sahen das erst sechs Jahre später – nach der Selbstenttarnung des NSU. „Hier gab es in der migrantischen Gemeinschaft mehr Wissen als in der Mehrheitsgesellschaft“, thematisierte Loick die Überlegenheit der Unterlegenen.

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