
Deepfake-Pornografie ist Ausdruck struktureller patriarchaler Machtverhältnisse. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung fragte deshalb: „Wie lassen sich digitale und physische Gewalt sowie patriarchale Alltagsverhältnisse zusammendenken?“
Langer Anlauf
Collien Fernandes habe es mit der Anzeige wegen des Erstellens KI-generierter Nackt-Bilder gegen ihren Ex-Mann geschafft, dass sich Tagesschau und Tagesthemen, aber auch die großen Zeitungen mit digitaler Gewalt beschäftigen, stellte Chris Köver fest. „Die gesellschaftliche Debatte hat sich dadurch stark verändert“, bilanzierte die Redakteurin von netzpolitik.org. Das Gesetz gegen digitale Gewalt hingegen sei schon unter der Ampel-Regierung angekündigt worden. Unter anderem sollte der Privatklageweg für Betroffene von Online-Beleidigungen erleichtert werden. Nach dem Bruch der rot-grün-gelben Koalition kündigte die aktuelle schwarz-rote Bundesregierung das Vorhaben erneut an.
97 Prozent Dunkelziffer
Nun solle auch das Strafrecht erweitert werden. „Neben dem unerlaubten Weiterverbreiten von Bildern kann auch die Nutzung von Tracking-Apps unter Strafe stehen“, nannte sie ein Beispiel aus dem Referenten-Entwurf des Justizministeriums. Der Deutsche Jurist*innen-Bund habe schon seit Jahren auf die bestehenden Lücken im Strafrecht hingewiesen. Allerdings werde der Großteil der digitalen sexualisierten Gewalt gar nicht erst angezeigt. „Das Bundeskriminalamt spricht etwa von lediglich 2,4 Prozent der Fälle, die überhaupt aktenkundig werden“, verdeutlichte Köver die enorme Dunkelziffer. Man solle eher über die 97 Prozent sprechen, die unerkannt bleiben.
Männlicher Machtanspruch
Aus ihrer Sicht seien massive Investitionen in Prävention nötig – damit es gar nicht erst zu solchen Taten komme. Denn digitale Gewalt verursache ebenso Panikattacken oder könne zu sozialer Isolation führen, wie es bei körperlichen Angriffen der Fall ist. Im bisherigen Entwurf werde das Erstellen und das Verbreiten von Deepfakes – also mit Künstlicher Intelligenz erzeugte, manipulierte Videos und Fotos – unter Strafe gestellt. In den Kommentarspalten der Berichterstattung hätten zahlreiche Männer ihre Meinung geäußert, einen regelrechten Anspruch auf die Erstellung von pornografischem Deepfake-Material zu haben. „Die Verletzung sexueller Selbstbestimmung wurde mit keinem Wort erwähnt“, gab Köver Einblicke in die egozentrierte patriarchale Sichtweise.
Facetten der Gewalt
Der Digital Services Act der EU macht Plattformen dafür verantwortlich, wenn sie Risiken – etwa geschlechtsspezifische Gewalt – nicht reduzieren. „Das muss durchgesetzt werden, auch gegen US-Tech-Konzerne“, forderte sie. In einem Fall kam es schon zur Umsetzung einer dieser hohen Geldstrafen. Die Strafzahlung wurde gegen X von Elon Musk verhängt. Wie viele Facetten digitale Gewalt haben kann, erläuterte Anne-Mieke Bremer. „Über Smart-Home-Systeme steuern die Ex-Männer mitunter die Lichter, Musikanlage oder Heizung in der Wohnung der einstigen Partnerin“, beschrieb sie das übergriffige Verhalten. Andere platzierten zur Kontrolle GPS-Tracker in den Fahrzeugen der früheren Lebensgefährtinnen. Doch sei man dabei, Kfz-Werkstätten dafür zu sensibilisieren, bei Arbeiten am Wagen nicht nur nach Schäden am Auto, sondern auch solchen illegalen Peilsendern zu suchen, beschrieb die Bundestagsabgeordnete der Linken eine Gegenstrategie.
Weiterführende Links:
- RLS (16.4.2026): Wie lassen sich digitale und physische Gewalt sowie patriarchale Alltagsverhältnisse zusammendenken? – https://www.youtube.com/watch?v=PWN9IIMDVAw
- Anna nackt – https://annanackt.com/uber-uns
- Die Linke SC-RH (22.12.2025): Christina Clemm. Gegen Frauenhass – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/gesellschaft/christina-clemm-gegen-frauenhass/
- Die Linke SC-RH (27.11.2025): Systemfragen. Häusliche Gewalt – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/gesellschaft/systemfragen-haeusliche-gewalt/














