Elif Eralp: Migration hilft allen weiter

22. Mai 2026  Gesellschaft
Geschrieben von Kreisverband

Grafik: Rosa-Luxemburg-Stiftung

Migrantische Motivation und Initiative bereichert die Gesellschaft und ist ein nicht unwesentlicher Teil der deutschen Wirtschaft. Elif Eralp, die linke Bürgermeister-Kandidatin für Berlin, plädierte im migrationspolitischen Podcast der Rosa-Luxemburg-Stiftung dafür, migrantische Erfolgsgeschichten mehr in den Vordergrund zu stellen.

Migration als Klassenfrage

„Vor allem im Niedriglohn-Sektor arbeiten Menschen mit Migrationsgeschichte und Rassismus-Erfahrungen“, erläuterte Elif Eralp. Das zeige: Migration ist auch mit der Klassenfrage verknüpft. Das Deutsche Institut für Integrations- und Migrationsgeschichte hatte nachgewiesen, dass besonders Menschen mit Migrationsgeschichte von Wohnungsarmut betroffen sind – sie also von ihrem Lohn so viel für Miete zahlen müssen, dass zum Leben nicht mehr viel übrig bleibt. „Ich kenne eine alleinerziehende Mutter, die mit ihren 4 Kindern in einer Zwei-Zimmer-Wohnung lebt, weil sie seit Jahren keine größere Wohnung findet, die sie bezahlen kann“, sprach die Bürgermeister-Kandidatin der Linken für Berlin das Beispiel einer türkischen Frau an.

Sündenböcke der Politik

Migration avanciere jedoch zum Sündenbock-Thema für alle Probleme, sei es die herrschende Wohnungsnot, das unterfinanzierte Gesundheitssystem oder hohe Baukosten. „Eine gute Sozialpolitik kann dem ,Nach-unten-Treten’ auf Geringverdienende, Grundsicherungs-Empfänger*innen und Geflüchtete den Boden entziehen“, war sich Eralp sicher. Doch blicke man auf die letzten Bundesregierungen, würden mehr und mehr Forderungen der AfD umgesetzt – sei es unter Merz mit der Rückkehr fast aller Syrer*innen oder dem Gemeinsamen Europäischen Asylsystem GEAS der Ampel-Regierung.

Ungerechtigkeit betrifft alle

Statt Kritik an der kapitalistischen Produktionsweise und ihren Profiteur*innen werde ein Innen-Außen-Konflikt inszeniert. „Jedes vierte Kind in Berlin lebt in Armut, gleichzeitig haben sich die Einkommens-Millionär*innen in den vergangenen zehn Jahren verdreifacht“, lenkte sie den Fokus auf die Spaltung zwischen unten und oben. Schließlich hätten alle Menschen – unabhängig von ihrer Herkunft – Probleme mit hohen Mieten, Bildungsungerechtigkeit und wohnungspolitischer Verdrängung, kam sie auf den Klassenaspekt zurück. „Als meine aus der Türkei kommenden Eltern in München in einer Ein-Zimmer-Wohnung mit Schimmel an der Decke wohnten, hätten sie sich nie vorstellen können, dass ich Bürgermeister-Kandidatin für die Hauptstadt der Bundesrepublik werde“, sprach Eralp ihre eigene Geschichte an.

Erfolgsgeschichten erzählen

Denn das Land sei vor allem durch die Gastarbeiter*innen-Generation wieder aufgebaut worden – und das müsse gesehen und anerkannt werden. „Die Entwicklung Deutschlands wäre ohne sie nicht möglich gewesen“, hielt die Juristin fest. Diese Geschichte solle auch in Dokumentationszentren sichtbar gemacht werden. „Wir brauchen ein neues Wir-Gefühl“, betonte Eralp ein Gesellschaftsbild, das nicht nach Herkunft unterscheide. Vor allem der Mut, sich mit kleinen Geschäften – sei es ein Gemüseladen oder ein Späti – selbstständig zu machen, sei etwas, was häufig in der migrantischen Community anzutreffen sei. „Das ist Teil unserer Wirtschaft“, hob sie den Gewinn für alle hervor. Solche Erfolgsgeschichten lägen „auf der Straße“ und müssten erzählt werden, forderte sie.

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