
Veronika Kracher spricht im Dissens-Podcast über ihr Buch „Bitch Hunt. Warum wir es lieben, Frauen zu hassen“ (CC BY-NC-SA).
Wer patriarchale Strukturen infrage stellt, hat mit massiver Hetze im Netz, aber auch tätlicher Gewalt – bis hin zum Femizid – zu rechnen. Veronika Kracher präsentierte im Dissens-Podcast ihr Buch „Bitch Hunt. Warum wir es lieben, Frauen zu hassen“.
Klare Rollenzuteilung
„Misogynie ist die korrektive Gewalt des Patriarchats, wenn sich Frauen den Vorstellungen von ,Weiblichkeit` widersetzen“, stellte Veronika Kracher fest. Demnach „müssten“ Frauen für Aufmerksamkeit, Anerkennung, Wärme, Fürsorge, Reproduktionsarbeit und Sex zur Verfügung stehen. „Sie sind 24 Stunden am Tag Mommy, Hausmädchen und Therapeutin“, fasste die Bildungsreferentin die gesellschaftlichen Anforderungen zusammen. Gleichzeitig sollten sie es tunlichst unterlassen, „männliche“ Güter wie politische Teilhabe, öffentliche Sichtbarkeit, Geld, Macht oder die Abwesenheit von Scham anzustreben.
Vorteile für Männer
„Männer, die mit vielen Frauen schlafen, gelten als ,echte Kerle`“pfl, zeigte sie die männlich dominierte Sicht auf Sexualität auf. Hätten Frauen mehrere Sexualpartner, würden sie hingegen schnell als „Schlampen“ beschimpft. Und widersetzten sie sich gar diesen männlichen Vorstellungen, stellten sie damit die gesamte patriarchale Vorherrschaft infrage. Denn aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit haben alle cis-Männer automatisch Vorteile in der Gesellschaft – sei es beim Zugang zu gesellschaftlichen Machtverhältnissen oder zu angeblich „weiblichen“ Gütern. Verweigerten Frauen den Männern jedoch diese Güter, nähmen sie ihnen etwas weg, was ihnen zustehe, so die Behauptung.
Massive häusliche Gewalt
„Misogynie soll verhindern, dass Frauen ihre eigene Rechte vertreten“, erläuterte Kracher. In diesem Sinne „sorge“ häusliche Gewalt gegen die Partnerin dafür, dass diese weiterhin das Essen auf den Tisch stelle und – wenn der Mann es wünschte – die Beine breit mache. Femizide hätten meist die Funktion, Frauen für eine erfolgreich vollzogene Trennung zu bestrafen. Antifeminismus sei diesbezüglich als kollektiver Zusammenschluss – oftmals im Rahmen einer organisierten politischen Kraft – zu sehen, bei dem es darum geht, Frauen für ihre feministischen Bestrebungen nach Unabhängigkeit zu sanktionieren.
Sparen statt schützen
Laut Bundeskriminalamt steigen die Zahlen zu geschlechtsbasierter Gewalt immer weiter an – wobei lediglich 10 Prozent der Straftaten überhaupt aktenkundig werden. Die rechtskräftige Verurteilung der Täter fällt noch viel geringer aus. Auch gibt es viel zu wenig Plätze in Frauenhäusern. „Projekte, die sich für Betroffene einsetzen, zum Beispiel Hate Aid, laufen in Gefahr, nicht mehr über das Bundesprogramm Demokratie leben finanziert zu werden“, blickte Kracher auf die zukünftige politische Entwicklung. Darüber hinaus brächten Frauenhass und rechter Kulturkampf digitalen Plattformen Klicks und Reichweite – also bares Geld.
Digitale Hexenjagd
„2020 wurde der Hollywood-Schauspieler Johnny Depp von einem britischen Gericht in 12 von 14 Fällen der häuslichen Gewalt gegen seine seit 2016 von ihm geschiedene Frau Amber Heard schuldig gesprochen“, rief die Autorin in Erinnerung. Zwei Jahre später verklagte er Heard in den USA wegen Verleumdung. Depps ehemaliger Anwalt arbeitete dabei mit antifeministischen Youtubern zusammen, die daraufhin auf der Video-Plattform Lügen über Heard verbreiteten. Dabei wurde der gut vernetzte Johnny Depp als der ältere und wohlhabendere Mann dargestellt, der Opfer einer Frau wurde. „In den sozialen Medien bestätigen sich Männer oftmals gegenseitig, dass bestimmte Frauen – seien es alleinerziehende Mütter oder nicht dem ‚Schönheitsideal‘ entsprechende Personen – ganz verkommene Menschen seien“, beschrieb sie die Dynamiken im digitalen Raum. Das signalisiere anderen Frauen: Du könntest die nächste sein!
Exempel am Verfassungsgericht
In Deutschland kam es 2025 zu einer rechten Kampagne gegen die Juristin Frauke Brosius-Gersdorf. Als sie auf Vorschlag der SPD eine der drei zu besetzenden Stellen am Bundesverfassungsgericht erhalten sollte, mobilisierten AfD, Nius und Apollo News dagegen. Der Grund: Brosius-Gersdorf setzte sich für das Recht auf Abtreibung ein. Daraufhin schwenkten zahlreiche Politiker*innen der Union auf diese rechte Medien-Orchestierung ein und erklärten, der Rechtsanwältin und Jura-Professorin, die Zustimmung zu verweigern. Als Konsequenz zog Brosius-Gersdorf ihre Kandidatur zurück.
Weiterführende Links:
- Dissens (6.5.2026): „Bitch Hunt“. Von digitalem Frauenhass und seinen Profiteuren – https://podcast.dissenspodcast.de/333-fem
- Die Linke SC-RH (22.12.2025): Christina Clemm. Gegen Frauenhass – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/gesellschaft/christina-clemm-gegen-frauenhass/
- Die Linke SC-RH (27.11.2025): Systemfragen. Häusliche Gewalt – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/gesellschaft/systemfragen-haeusliche-gewalt/














