
Wie wirken sich unbezahlte Care-Arbeit und ein Leben mit Teilzeit-Jobs auf die Rente aus – und wie stützt die Ausbeutung von Frauen den Kapitalismus? Mit diesen Fragen beschäftigte sich „Armutszeugnis“, der Wirtschaftspodcast der Rosa-Luxemburg-Stiftung.
Unbezahlte Care-Arbeit
Kapitalismus beruht darauf, dass Menschen und ihre Arbeitskraft ausgebeutet werden. „Dazu braucht es Menschen die geboren und erzogen werden, aber auch genug zu essen haben, um am nächsten Tag wieder arbeiten zu können – das ist die Reproduktionssphäre“, erklärte Friederike Beier. Diese sei hochgradig feminisiert. Zuhause erledigten Frauen diese Arbeit unbezahlt, während sie im Beruflichen nur sehr gering entlohnt und häufig von Migrant*innen erledigt werde. „Frauen verdienen im Durchschnitt 16 Prozent weniger als Männer“, sprach sie die daraus resultierende Gender-Pay-Gap an.
Frauen in Altersarmut
Gleichzeitig erledigten sie 43,4 Prozent mehr unbezahlte Haus- und Sorgearbeit im Vergleich zur Arbeitszeit der Männer. „Pro Woche sind das 8 Stunden und 52 Minuten zusätzliche unbezahlte Arbeit“, brachte es die Wissenschaftlerin auf den Punkt. Dies sei auch der Grund, warum Frauen so häufig in Teilzeit – anstatt in Vollzeit – arbeiteten. Die Folgen der Gender-Care-Gap: Frauen haben weniger Einkommen und auch weniger Karrierechancen als in einem 40-Stunden-Job. Das größte Armutsrisiko sei aber, schwanger zu werden. Denn der Ausfall wegen der Kindererziehung zeige sich auch bei der Rente. „Bei Frauen im Alter spricht man auch von der Gender-Pension-Gap, da sie bis zu 60 Prozent weniger Rente erhalten“, sagte Beier. Fast 60 Prozent der Grundsicherungs-Empfänger*innen sind Frauen, deren Rente nicht ausreicht, sie zu ernähren.
Arbeit und Kind?
Die Politikwissenschaftlerin wünschte Bundeskanzler Friedrich Merz und all seinen Kollegen, dass sie sich einen Monat um Kinder und pflegebedürftige Menschen kümmerten – und nebenbei in Vollzeit bei Aldi an der Kasse arbeiten. Denn dann merkten sie: Das funktioniert nicht. „Vollzeitarbeit und Sorge-Verantwortung sind nicht zusammen möglich“, stellte sie klar. So müsse sie jeden Tag ihr fünfjähriges Kind um 8:30 Uhr zur Kita bringen, um anschließend eine Stunde zur Arbeit zu fahren. Nach 8 Stunden Arbeit plus einer Pause stünde erneut die einstündige Rückfahrt an. „Mein Kind könnte ich somit frühestens um 19:30 Uhr aus der Kita abholen – die allerdings um 16.45 Uhr schließt“, stellte sie fest.
Teilzeit als „Lifestyle“?
Danach müsste sie allerdings noch einkaufen, Wäsche waschen, kochen, putzen und sich Zeit für ihr Kind nehmen, bevor am nächsten Morgen alles wieder von vorne losgehe. „Diese Rechnung ist absurd“, lautete ihr Fazit. Wenn Frauen hingegen in Teilzeit arbeiteten, erziehen sie neben der Lohnarbeit immer noch ein Kind – „das ist kein Lifestyle“, kritisierte sie die Aussage des Bundeskanzlers. Andererseits gäbe es viele Jobangebote schlichtweg nur im Teilzeitformat. Auch die Vorstellung des Mannes als Familienernährer, wie es sogenannte „Tradwives“, die im Haushalt ihre Erfüllung sehen, auf Tiktok inszenieren, sei unrealistisch. „Wenn ich in Berlin eine vierköpfige Familie ernähren will, brauche ich ein Einkommen von 4.500 bis 7.000 Euro im Monat“, hielt Beier fest. Das könnten sich nur die reichsten 5 Prozent leisten.
Das Jugendamt kommt
Mütter verdienen 10 Jahre nach der Geburt durchschnittlich 61 Prozent weniger als im ersten Jahr vor der Geburt. Die Langzeitfolgen davon spüren sie bei der Rente. Eigentlich sollten sie dem Arbeitsmarkt schon nach dem ersten Lebensjahr des Kindes wieder zur Verfügung stehen – doch das ist bei der Anzahl der Kita-Plätze und deren Öffnungszeiten utopisch. Von den Grundsicherungs-Sanktionen der Bundesregierung sind auch die in den Familien lebenden Kinder betroffen – vor allem aber auch Kinder Alleinerziehender. Wenn diese sich nicht regelmäßig beim Jobcenter meldeten, werde mittlerweile auch automatisch das Jugendamt eingeschaltet.
Armut ist weiblich
2025 galten 13,3 Millionen Menschen als armutsgefährdet – also 16,1 Prozent der Bevölkerung. Im Jahr zuvor waren es „nur“ 15,5 Prozent. Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des Median-Einkommens verdient. Bei Alleinstehenden sind das 1.446 Euro netto im Monat, bei einer vierköpfigen Familie 3.036 Euro. 2024 waren 16,2 Prozent aller Frauen und 14,7 Prozent der Männer von Armut bedroht. Die Nationale Armutskonferenz stellte diesbezüglich fest: „Armut ist weiblich.“ Frauen sind – in Kombination durch ihre Klassenzugehörigkeit, Herkunft oder eine mögliche Behinderung – intersektional häufiger von Armut betroffen.
Weiterführende Links:
- RLS (13.3.2026): Ungleichheit: Hat Armut ein Geschlecht? – https://www.youtube.com/watch?v=202C7PuYEO4
- Die Linke SC-RH (16.12.2025): Armutszeugnis. Attacke auf den Sozialstaat – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/politik/armutszeugnis-attacke-auf-den-sozialstaat/
- Die Linke SC-RH (8.11.2025): Was arm sein bedeutet – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/gesellschaft/was-arm-sein-bedeutet/














