
Die soziale Ungleichheit nimmt durch vermögende Reiche, die viel verdienen, zu. Die 315. Folge von „Wohlstand für Alle“ beschäftigte sich mit der „Homoplutia“.
Wohlhabende „Arbeiter*innen“
Der Ökonom Branko Milanović prägte den Begriff Homoplutia aus „Gleich“ und „Reichtum“. Damit bezeichnete er Menschen, die gleichzeitig zu den reichsten Kapitalist*innen und den bestbezahlten Arbeitnehmer*innen gehören. „Das können CEOs aus dem Finanzsektor, Ingenieur*innen, Ärzt*innen und Software-Entwickler*innen sein, die über ein hohes Finanzvermögen verfügen“, zählte Wolfgang M. Schmitt auf.
Reichtum wird vererbt
Diese Vermögen wurden entweder vererbt oder aus den hohen Gehältern angespart. Dass ersteres wahrscheinlicher ist, erläuterte der „Economist“. „Die Menschen in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften werden in diesem Jahr rund 6 Billionen US-Dollar erben“, hieß es in der britischen Wochenzeitschrift. Das entspricht in etwa 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – im 20. Jahrhundert lag der Wert allerdings noch bei 5 Prozent. In Frankreich haben sich die Erbschaften seit den 1960ern verdoppelt, in Deutschland seit 1970ern fast verdreifacht.
Kapital und Arbeit
Marco Ronaldi vom University College London wertete aus den vergangenen 25 Jahren Daten von 47 Volkswirtschaften mit einer Gesamtbevölkerung von 4,4 Milliarden Menschen aus. Dabei verglich er, wie das Kapital- und das Arbeitseinkommen verteilt ist. Während der Wert 1 bedeute, jeder bezöge entweder Arbeits- oder Kapitaleinkommen, sage 0 aus, dass jeder Mensch genauso viel Kapital- wie Arbeitseinkommen erhalte. „Die meisten reichen Länder liegen bei einem Wert zwischen 0,25 und 0,4“, erklärte Schmitt.
Ungleichheit nimmt zu
Durch Aktien-Optionen hatte Microsoft bis Anfang der 2000er Jahre zwischen 10.000 und 12.000 Millionär*innen geschaffen, bei Google und Facebook waren es ebenfalls einige tausende. „Im KI-Bereich bekommen einzelne Entwickler*innen bis zu eine halbe Milliarde US-Dollar“, kam er auf die hohen Gehälter zu sprechen. Milanović prognostiziere, dass die Ungleichheit aufgrund des Homoplutia-Phänomens noch weiter zunehme. „Die Kombination aus bereits großen Vermögen und hohen Einkommen verfestigt die Elitenbildung“, lautete Schmitts Schlussfolgerung.
Reiche Unternehmer*innen
„In den USA sind mittlerweile ein Drittel der kapitalreichsten 10 Prozent auch die einkommenreichsten“, hob Ole Nymoen die Relevanz von Milanovićs Analysen hervor. Doch statt Manager*innen oder Software-Entwickler*innen seien es in Deutschland fast ausschließlich Unternehmer*innen, die durch ihre eigene Karriere reich geworden waren. So hatte der Vermögensforscher Wolfgang Lauterbach festgestellt, dass die, die Karriere gemacht hätten und zugleich ein Vermögen von mindestens 50 Millionen Euro besäßen, zu 99,5 Prozent Unternehmer*innen seien.
Auto des „kleinen Mannes“?
Dass man sich trotz hohem Einkommen und Vermögen subjektiv noch der „working class“ zugehörig fühlen könne, machte Nymoen am Beispiel des Ex-Spice-Girls Victoria Beckham fest. Diese hatte erklärt, dass ihr Vater sie früher noch selbst mit dem Rolls Royce zur Arbeit gefahren hätte – und sie somit zur Arbeiter*innen-Klasse gehöre.
Weiterführende Links:
- Wohlstand für Alle (20.8.2025): Gehören Reiche jetzt auch zur Arbeiterklasse? Ep. 315 – https://www.youtube.com/watch?v=Tq88KDm5pMc
- Die Linke SC-RH (26.8.2025): Reichtum und Luxus besteuern – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/politik/reichtum-und-luxus-besteuern/
- Die Linke SC-RH (4.7.2025): Milliardär*innen leben gut – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/politik/milliardaerinnen-leben-gut/














