Junge Frauen wählen links

28. September 2026  Gesellschaft
Geschrieben von Kreisverband

Vor allem junge Frauen fühlen sich von den Themen der Linken angesprochen – hier werden auch die zwischenmenschlichen Folgen der aktuellen Krisen benannt (Bild: Die Linke)

Warum es eine „politische Kluft“ zwischen jungen Frauen und Männern gibt, erklärt der Deutschlandfunk in seinen „Systemfragen“. Linke Themen sind dabei vor allem ein selbstbestimmtes Leben sowie ein gutes Gesundheitssystem und genügend Kita-Plätze.

Frauen: 37 Prozent für die Linke

Bei der Europawahl 2024 wählten junge Männer häufiger rechte Parteien als Frauen. Bei der vergangenen Bundestagswahl haben Frauen vermehrt Grüne, Linke und SPD gewählt, Männer hingegen CDU, FDP und AfD. Bei den Wähler*innen unter 24 Jahren wurde diese Diskrepanz besonders deutlich. 37 Prozent der Frauen wählten etwa die Linke, bei den Männern waren es nur 16 Prozent. Die AfD wurde von 25 Prozent der jungen Männern unterstützt, aber nur von 17 Prozent der Frauen. Bezieht man allerdings die überalterte Bevölkerung Deutschlands mit ein, machen junge Männer bis 24 Jahren nur 4 Prozent der AfD-Wähler*innen aus. Das Groß sind die mittelalten und älteren Männer.

Eine politische Kluft

Das Euro-Barometer der EU fragte, wo sich Frauen und Männer selbst einordnen. Dabei wurden 32 Mitgliedsstaaten untersucht – und in 18 davon gab es eine politische Kluft. Die Frauen zwischen 20 und 29 Jahren positionieren sich weiter links als Männer. In einigen Ländern haben sich die Männer auch nach rechts bewegt – etwa in Frankreich und Schweden. In Italien oder Irland hingegen ähneln sich die politischen Ansichten der jungen Menschen. In Deutschland ist der politische Gender-Gap seit den 1990er Jahren gleichgeblieben. Die Frauen sind also relativ konstant ein Stück weiter links als die Männer.

Wichtige Gender-Themen

Laut den Forscher*innen ist die Differenz in den Ländern größer, in denen es mehr Geschlechtergerechtigkeit gibt – also wo Frauen stark auf dem Arbeitsmarkt vertreten sind und viele Sitze in den Parlamenten innehaben. Gemäß dem Tocqueville-Paradox reagiert eine Gesellschaft umso empfindlicher auf bestehende Missstände, wenn schon viele Ungerechtigkeiten abgebaut worden sind. Das treibt Frauen wohl nach links, wo Gender-Themen einen größeren Stellenwert einnehmen und Männer nach rechts.

Pessimistische Zukunft

Eine weitere Studie sagt aus, dass jungen Männern zufolge die Diskriminierung von Frauen gar kein gesellschaftliches Problem mehr darstellt. Dieser Ansicht stimmen junge Frauen hingegen weniger zu. Politische Unterschiede sind da am größten, wo es um die Einstellung zu Feminismus geht. Die junge Generation ist durch Krisen geprägt. Sie sieht pessimistisch auf die politische Zukunft der Gesellschaft, in der eigenen Zukunft werden jedoch ein bisschen mehr Gestaltungsspielräume erkannt.

Wohnen, Arbeit, Klima

Bestimmende Themen sind ökonomische Unsicherheit, die Chancen auf dem Arbeitsmarkt, Rente und bezahlbarer Wohnraum. Soziale Ungleichheiten und der gesellschaftliche Zusammenhalt bewegen die junge Menschen ebenfalls. Sie wünschen sich in politischen Debatten eine stärkere Sachorientierung anstelle von polarisierender Selbstinszenierung. Das gilt besonders für wirtschaftliche Fragen und das Klima. Dabei geht die Haltung der Geschlechter gar nicht so weit auseinander.

Gesundheit und Kita

Was sie stark unterscheidet, ist die Art und Weise, wie darüber gesprochen wird. Männer thematisieren die allgemeine Arbeitsmarktentwicklung oder die politische Gesamtlage. Frauen blicken eher auf die zwischenmenschlichen Auswirkungen und ihre erlebten Alltagserfahrungen. Das äußert sich in konkreten Defizitbeschreibungen im Gesundheitssystem oder bei der Kinderbetreuung. Da Frauen die höheren Bildungsabschlüsse erlangen und ganz klar auf dem Arbeitsmarkt vertreten sind, geraten bisherige Männlichkeitsbilder ins Wanken. Die Männer haben Angst vor Statusverlust.

Selbstbestimmtes Leben

Extreme Rechte greifen die Orientierungslosigkeit junger Männer auf und geben sexistische Familienmodelle als „neuen“ Orientierungsrahmen. Die Frauen haben den klaren Anspruch, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten. Sie wollen selbst über Partner*innenschaft, Familienplanung und Karriere entscheiden. Gleichstellung spielt dabei eine wichtige Rolle. Das spiegelt sich auch im politischen Selbstverständnis und dem Wahlverhalten wieder.

Weiterführende Links:

« zurück