Linksbündig: „Die kleine Faschistin“

07. Juni 2026  Gesellschaft
Geschrieben von Kreisverband

Bild: Rosa-Luxemburg-Stiftung

Jérôme Leroy beschreibt in seinem Roman „Die kleine Faschistin“ ein Frankreich, in dem die extreme Rechte immer mehr Macht erlangt und der Untergang der fünften Republik kurz bevorsteht. Das Buch, das Parallelen zur aktuellen politischen Entwicklung zieht, wurde bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung vorgestellt.

Mord am Strand

Francesca wächst an der französisch-belgischen Grenze in einer Familie mit rechtsintellektuellen Klassikern auf und wird liebevoll „kleine Faschistin genannt. Sie ist in einer Beziehung mit Jugurtha, dem Sohn eines kabylischen Kommunisten. Diese Liebe ist ihrem Bruder Nils jedoch ein Dorn im Auge. Als sich beide am Strand verabreden, passt er den „Ausländer“ ab, erwürgt ihn und verscharrt den Leichnam im Sand. Erst nach einer Woche wird der Körper gefunden und – unter anderem auch – Nils befragt. Die Medien spekulieren über eine Abrechnung im „Banden-Milieu“, der mit der Befragung beauftragte Polizist, der der Identitären Bewegung nahesteht, lässt verlauten: „Diese Leute haben einfach einen Hang zur Gewalt.“

Rassismus in Frankreich

„Der Roman noir will eine Bestandsaufnahme über die Gesellschaft liefern“, erklärte der Autor Leroy. Für Frankreich bedeute das ein hohes Maß an Rassismus und gemäß der „Neuen Rechten“ die Forderung nach einem Ethnopluralismus, der die Trennung unterschiedlicher Kulturen und Rassen einschließt. Die Identitäre Bewegung knüpfe an einen starken Regionalismus, der sich gegen den Pariser Zentralstaat richtet, an. Beispiele finden sich in rechten Regionalbestrebungen wie im Elsass oder Flandern. Die Hafenstadt, in der Francesca lebt, ist schon seit Jahrzehnten von einer wirtschaftlichen Krise und Arbeitslosigkeit betroffen.

Gezielte Gewalt

„Bei der Extremen Rechten ist Gewalt ein fester Bestandteil der Politik“, hielt er fest. Und das, was sich in Frankreich ereigne, sei überall sonst auf der Welt zu beobachten. In einer Buchszene rüstet sich Francesca, die Mitglied der rechtsextremen „Löwen von Flandern“ ist, mit Ellenbogen- und Beinschonern, Helm, Pfefferspray und Teleskop-Schlagstock aus, um in eine Auseinandersetzung nach einem Fußballspiel einzugreifen. Ein Fan-Bus der gegnerischen Mannschaft steht in Flammen. Das Nasenbein und das Handgelenk eines gegnerischen Hooligans brechen unter ihren Schlägen.

Ein aktivistisches Leben

Der französische Präsident ist der europäische Staatschef, der am meisten Macht und die längste Amtszeit innehat. So kann er etwa die Nationalversammlung auflösen lassen. „Die Polizei verhält sich heute in den Banlieues der Großstädte genauso wie während der Kolonialzeit in Algerien“, bilanzierte Leroy. Seine Bücher seien als die Geschichte seines Lebens als Aktivist zu sehen, erklärte er – und bezog sich dabei auf Titel wie „Der Block“ oder „Die letzten Tage der Raubtiere“. An seiner ersten Demonstration habe er als 19-Jähriger 1984 aus Protest gegen den Front National von Jean-Marie Le Pen teilgenommen, erinnerte er sich.

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