
Wie umgehen mit toxischer Männlichkeit im Netz? Der Was-tun-Podcast beschäftigte sich mit der Frage „Was tun gegen TikToxische Männlichkeit?“ Dabei ging es viel darum, dass Jugendliche lernten, eigene Gefühle zuzulassen, anstatt als „einsame Sieger“ ein Leben mit Kontrolle – aber ohne Freunde – zu leben.
Radikalisierung und Kommerz
„Auf Online-Plattformen sind rechte, antifeministische Netzwerke aktiv, die zur Radikalisierung junger Männer beitragen“, erklärte Caspar Weimann. Dort würden emotionale Inhalte stark verkürzt dargestellt und der Radikalisierungsprozess auch gesteuert. „Damit kann jede Menge Geld verdient werden“, betonte das Mitglied von onlinetheater.live. Für reale Probleme würden kostenpflichtige – aber auch durchaus komische – Lösungen angeboten.
Antifeminismus und „Gleichschaltung“
„Dating-Coaches verkaufen Tipps an junge Männer, wie sie die Aufmerksamkeit von Frauen erhalten können“, nannte er ein Beispiel. Dabei sei der Sprung zu rechtsextremen Denken allerdings nicht weit. Oft seien sie monate- oder jahrelang in dieser Online-Umgebung unterwegs, bis sich viele kleine Impulse zu einer großen Ideologie zusammenfügten. „Dort wird behauptet, Frauen seien der Grund, warum es Männern schlecht gehe“, erläuterte Weimann. Ein anderes Narrativ besage, Depressionen seien nur ein „Werkzeug“ für eine umfassende Gleichschaltung.
Der einsame Sieger
Auf Tiktok werde oftmals im Stile eines „großen Bruders“ an die Jugendlichen appelliert, sie müssten am Ende stets die Gewinner sein, die finanziellen Erfolgt hätten. Das sei dadurch einfach möglich, da die Algorithmen der chinesischen Plattform und eine gut gewählte Bildästhetik es leicht machten, eine entsprechende Zielgruppe zu finden. Die Botschaft der Männlichkeits-Influencer: Die Heranwachsenden könnten alleine und selbstständig durchs Leben gehen.
Eigene Gefühle beachten
Die Schattenseite – Einsamkeit, Femizide, Suizide oder Attentate – solcher Weltbilder werde jedoch nicht erwähnt. „Wir haben in der Recherche Bell Hooks gelesen, um herauszufinden, welche Botschaften wichtig sind“, sagte Weimann. Dabei spiele die Konfrontation mit den eigenen Ängsten und das Auseinandersetzen mit Gefühlen eine große Rolle. Zu solch einer Auseinandersetzung kommt es mitunter bei Tobi Spiegelberg von Detox Identity, der an Schulen mit den Jugendlichen die Männlichkeits- und Weiblichkeitsbilder der Online-Szene analysiert.
Dominante Erzählung durchbrechen
Dabei geht es auch um den ökonomischen Kontext, da für die Produktion der Selbstdarstellung ein großer Mitarbeiter*innenstab benötigt wird. „Die Aufgabe der Schüler*innen ist es dann, selbst andere Erzählungen jenseits dieser Zur -Schau-Stellung zu generieren“, erläuterte er. Ebenfalls sollte versucht werden, aus dem eigenen Tiktok-Feed heraus Content zu erhalten, der andere Formen von Rollenbilder präsentiert.
Ideale sind irreal
„Bei den Beiträgen von queeren Personen kann man den Hass in den Kommentaren live im Klassenzimmer verfolgen“, beschrieb er die Situation. Aber auch Schüler*innen vor Ort äußerten sich mitunter diskriminierend gegenüber nicht-binären Rollenbildern. Das Projekt wolle die Unerreichbarkeit der dargestellten Tiktok-Ideale aufzeigen und die Heranwachsenden zum Nachdenken anregen. „Das Ziel vieler männlicher Jugendlichen ist ein körperliches und intellektuelles Kontrollgefühl“, sagte Spiegelberg. Doch da in diesem Souveränitätsdenken ein „Miteinander“ nicht vorkomme, führe das meist nur in die Einsamkeit.
Gegenseitig helfen
„Mit Alex New Mindset haben wir auf TikTok einen Coach aufgebaut, der bei atmosphärischer Musik eine ebenso klare Ansprache macht“, erklärte er. Doch statt individueller Selbstoptimierung gäbe er Tipps, wie man mit seinen Kumpels über Gefühle sprechen könne oder beschreibt, dass man durch den so erzeugten psychischen Druck auch zusammenbrechen kann. „Es ist auch ganz normal, den Gegenüber in solch einer Situation auch einmal in den Arm zu nehmen“, lautete eine der Botschaften.
Weiterführende Links:
- Was tun (12.10.2025): Was tun gegen TikToxische Männlichkeit? – https://podcast.dissenspodcast.de/b41-feminismus
- Die Linke (17.10.2022): bell hooks. „Die Bedeutung von Klasse“ – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/politik/bell-hooks-die-bedeutung-von-klasse/
- Detox Identity – https://www.detox-identity.de/team
- Alex New Mindset – https://www.tiktok.com/@alex.new.mindset/video/7415579413107969313














