
Was steckt hinter dem Frauenhass der Manosphere und welche Ansatzpunkte für eine feministische Gesellschaft gibt es? Darüber sprach Antje Schrupp, Autorin des Essays „Postpatriarchales Chaos“ im Dissens-Podcast.
Patriarchat und Chaos
„Das Patriarchat war gewissen Regeln unterworfen – etwa der Bibel oder dem Vaterland“, blickte Antje Schrupp zurück. Diese regelbasierte autoritäre Ordnung sei jetzt jedoch nicht mehr gegeben. Stattdessen wäre mit Donald Trump oder Elon Musk eine zügellose, chaotische Selbstbereicherung auf dem Vormarsch, die gegenüber anderen Menschen in Bezug auf Ausbeutung keinerlei Skrupel kenne, warnte sie. Im zeitgenössischen Feminismus gehöre es zum guten Ton, sich über Ungerechtigkeiten zu empören – doch das interessiere die postpatriarchalen Chaoten schlichtweg nicht, gab die Autorin zu bedenken.
Wirtschaftsfaktor „Frauenhass“
Die Versprechen des traditionellen Patriarchats gegenüber den Männern haben sich nicht erfüllt. „Die Manosphere bietet den enttäuschten und vom Kapitalismus ausgebeuteten Männern Frauenhass als eine Art Sündenbock für ihre Unzufriedenheit an“, erläuterte sie. Die Opfer der so entstehenden Zügellosigkeit seien Frauen, Queers, Migrant*innen und andere Gruppierungen. Doch läge das eigentliche Ziel darin, mit diesen Themen möglichst viele Klickzahlen und somit finanzielle Erlöse für die Männlichkeit performenden „Alphas“ zu generieren, analysierte Schrupp die wirtschaftlichen Interessen.
Digitale Unternehmerinnen
Tradwives hingegen vermarkten als Influencerinnen ihr Privatleben im Haushalt und als Mutter auf reichweitenstarken Accounts digital. In der traditionellen Rollenverteilung der 1950er Jahre stand der Mann beruflich in der Öffentlichkeit, während die Hausfrau „unsichtbar“ im Heim wirkte. „Mit 10 Millionen Follower*innen wird dieses Verhältnis jedoch umgekehrt“, sprach sie die Wirkmächtigkeit der digitalen Selbstvermarkterinnen an. Schließlich diene genau diese Sichtbarkeit und Reichweitenstärke als feste Einkommensquelle.
Wünsche ernst nehmen
Aus Schrupps Sicht sind die Grünen die Partei mit den weitestgehenden Quotenregelungen. „Das hat aber nicht dazu geführt, dass sich das Parteiprogramm oder die interne Logik substanziell geändert hätten“, kritisierte sie. Deshalb sei es nötig, vermehrt über feministische Einflussnahme jenseits parlamentarischer Strukturen nachzudenken. „Männer müssen den Frauen in ihrer direkten Umgebung zuhören und sie fragen, was sie wollen“, gab sie einen ersten konkreten Ratschlag. Denn wenn die Männer sich dann ernsthaft damit auseinandersetzten, käme man weiter als mit bloßer Gleichstellung. Dem postpatriarchalen Chaos müssten neue Ideen entgegengesetzt werden, um den gesellschaftlichen Diskurs zu verändern, wünschte sie sich. „Freiheit ist, wenn ich meine eigenen Wünsche ernst nehme, nach ihnen handele und andere dafür mobilisiere“, sagte sie. Das führe zu Beziehungen, in denen man sich gegenseitig stärken und so etwas bewirken könne.
Weiterführende Links:
- Dissens (15.4.2026) Von Manosphere und Tradwives. Feminismus in chaotisch-autoritären Zeiten – https://podcast.dissenspodcast.de/330-fem
- Die Linke SC-RH (18.5.2026): Ist der „starke Mann“ rechts? – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/gesellschaft/ist-der-starke-mann-rechts/
- Die Linke SC-RH (22.12.2025): Christina Clemm. Gegen Frauenhass – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/gesellschaft/christina-clemm-gegen-frauenhass/














