
Bei den Landtagswahlen am 6. September in Sachsen-Anhalt und am 20. September in Mecklenburg-Vorpommern sind hohe Zustimmungswerte für die AfD zu erwarten. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung fragte, wie man antifaschistische Bewegungen vor Ort unterstützen und stärken könne.
Meck-Pomm: Rechte Zivilgesellschaft
„Mittlerweile ist die extrem rechte Jugendkultur omnipräsent“, beschrieb Alexander Maschke die Situation in Mecklenburg-Vorpommern. Bei Fußballspielen sei es quasi unmöglich, eine An- oder Abreise ohne körperliche Übergriffe hinter sich zu bringen. „Die AfD ist in jedem Klassenzimmer präsent – der III. Weg und die Jungen Nationalisten der ‚Heimat’ mobilisieren auf der Straße“ skizzierte der Mitarbeiter in einem gewerkschaftsnahen Projekt die Lage. Die AfD zeige in der Fläche des nordöstlichen Bundeslandes Präsenz, in vielen Orten und Kleinstädten hätte sich eine rechte Zivilgesellschaft entwickelt. „Das macht es für die anderen demokratischen Parteien sehr schwer“, bilanzierte er.
„Zusammen bewegen“
Die rechte Stimmung sei aber auch in den Betrieben spürbar. Das sorge besonders bei den aktiven Gewerkschaftern für Angst. „Der Raum für politische Positionierung ist nicht mehr vorhanden“, lautete Maschke bitteres Fazit. An großen Städten mit antifaschistischer Tradition gäbe es lediglich Rostock, Greifswald und Neubrandenburg – und der ÖPNV zwischen ihnen sei katastrophal. „Eine flächendeckende Vernetzung progressiver Akteur*innen ist so sehr schwierig“, bilanziert er. Deshalb versuche das dezentral organisierte Bündnis „Zusammen bewegen“, dass sich Engagierte mit Gleichgesinnten direkt in ihrer Region träfen. „Das kann die Mitglieder des Kulturvereins im Dorf mit der lokalen Antifa-Gruppe verbinden“, lautete die Hoffnung.
Patenschaften übernehmen
Allerdings sei es wichtig, die bestehenden kulturellen Gräben zwischen neu zugezogenen Westdeutschen und den ortseingesessenen Vorpommer*innen zu überwinden, gab er zu bedenken. Und warnte, dass es bei progressiven Projekten – nach der Landtagswahl am 20. September – keine staatlichen Fördergelder mehr geben könnte. „Es braucht Patenschaften – in einem kleinen Dorf sind 150 Euro für eine Musikanlage bei einer Demo sehr viel wert“, appellierte Maschke. Aber es brauche auch aktive Menschen. „Wer sich bis September im Hinterland von Mecklenburg-Vorpommern einsetzen will, kann sich bei ,Zusammen bewegen’ melden“, machte er klar.
Rechtes Denken ist „normal“
Lena Lehmann von „Halle gegen Rechts“ war in den vergangenen Monaten in ganz Sachsen-Anhalt an Schulen im ländlichen Raum mit der Rechtsextremismus-Ausstellung der Friedrich-Ebert-Stiftung unterwegs gewesen. „Nicht nur bei den Schüler*innen – auch bei manchen Sozialarbeiter*innen – hat sich rechtes Denken normalisiert“, berichtete sie von ihren Erfahrungen vor Ort. So wurde etwa die Meinung rechtsextremer Mehrheiten unter den Jugendlichen als Kritik an der Ausstellung formuliert. Das sei das Ergebnis einer jahrelangen Sparpolitik, die durch massive Kürzungen zur Delegitimierung der Zivilgesellschaft geführt habe. „Die Ehrenamtlichen, die immer noch Angebote schaffen, sind unglaublich erschöpft“, hielt sie fest. Die Mehrheit der Menschen in den strukturell abgehängten Bundesländern sei ausgelaugt, eingeschüchtert und still.
„Sachsen-Anhalt weltoffen“
Das Bündnis „Sachsen-Anhalt weltoffen“ will Menschen zusammenführen, die für ein pluralistisches und solidarisches Miteinander einstehen. Allerdings fehle es in vielen Initiativen vor Ort durch den stetigen Wegzug an engagierten jungen Menschen, die die Projekte auch langfristig am Laufen halten. „Antifaschistische Arbeit muss sich im Gemeinwesen, aber auch in der Sozialen Arbeit aufstellen“, lautete Lehmanns Analyse. Die soziale Frage müsse mit Blick auf die Lebensrealität der Menschen im Mittelpunkt stehen – und davon ausgehend mit dem Engagement gegen rechts verknüpft werden. Und das für alle Generationen – beispielsweise in Mehrgenerationen-Räumen, in denen es neben Kinderbetreuung auch eine Suppenküche und eine Mieter*innen-Beratung gibt.
Bündnisse müssen durchhalten
„Die AfD ist hochmotiviert, die Landtagsfraktionen autoritär durchstrukturiert und machen keinerlei konstruktive Parlamentsarbeit“, beschrieb Madeleine Henfling von Campact die Lage in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Auch käme in den beiden Bundesländern nun der demografische Wandel voll zum Tragen, zahlreiche Kitas müssten schließen. In solch einer Situation sei es wichtig, die zivilgesellschaftlichen Bündnisse auch nach den Landtagswahlen im September aufrechtzuerhalten. Die Herausforderung sei, das unter den politischen Realitäten auch die nächsten Jahre durchzuhalten.
Sozialer Antifaschismus
„Dazu braucht es auch Verantwortungsübernahme von jüngeren Menschen, um die bestehenden Strukturen weiterzutragen“, kam sie auf den dringend nötigen Generationenwechsel zu sprechen. Die Älteren, die noch die Baseball-Schläger-Jahre der 1990er erlebt hatten, könnten hingegen ihre Erfahrungen in Sachen Schutzkonzepte für linke Räume einbringen. „Wer soll den sozialen Antifaschismus tragen – Bundesfinanzminister Lars Klingbeil von der SPD?“, blickte Henfling zweifelnd auf die spar- und reformwillige Politik. Die Menschen in den beiden Bundesländern hätten alleine jedoch nicht die notwendigen Ressourcen, das Problem des gesellschaftlichen Rechtsextremismus zu lösen. „Da müssen auch westdeutsch geprägte Parteien und Organisationen mithelfen“, forderte die gebürtige Thüringerin. Der Westen könne hingegen von den aktiven antifaschistischen Strukturen des Ostens lernen.
Weiterführende Links:
- RLS (26.3.2026): Von antifaschistischen Allianzen und progressiven Leuchttürmen – https://www.youtube.com/watch?v=4DAqKnBQHew
- Die Linke SC-RH (6.3.2026): Sachsen-Anhalt, September und die AfD – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/politik/sachsen-anhalt-september-und-die-afd/
- Zusammen bewegen: https://zusammenbewegen.org/
- Sachsen-Anhalt weltoffen: https://sachsenanhalt-weltoffen.de/














