Armutszeugnis: Kapitalismus im Weltraum?

31. Dezember 2025  Global
Geschrieben von Kreisverband

Sabine Nuss (links) und Eva Völpel (Grafik: Rosa-Luxemburg-Stiftung)

Uran auf dem Mond sowie Kobalt und Gold auf Asteroiden – der Wirtschaftspodcast der Rosa-Luxemburg-Stiftung beschäftigte sich mit der Verquickung staatlicher Raumfahrtprogramme mit privaten Unternehmen.

Investitionen in den Himmel

Mit Neil Armstrong betrat 1969 der erste Mensch den Mond, ihm folgten bis 1972 noch elf weitere Astronauten. Der Mond – wie alle anderen Himmelskörper – gilt als gemeinsames Erbe der Menschheit und unterliegt dem auch im Weltraum geltenden Völkerrecht. Mittlerweile findet ein erneuter Wettlauf der Mächte auf den Mond statt. Konkurrierten im Kalten Krieg die USA und die Sowjetunion im All miteinander, hat sich die Zahl der Staaten – und privater Akteur*innen – vermehrt. Besaßen 2010 rund 50 Staaten ernstzunehmende Weltraumprogramme, sind es momentan etwa 100 – mit Gesamtausgaben in Höhe von 469 Milliarden Dollar.

Kobalt und Gold

Doch warum das alles? Auf dem Mond befindet sich Wasser – was unverzichtbar zur Herstellung von Raketentreibstoff ist, den man zum Weiterflug auf den Mars benötigt. Ebenso gibt es dort Uran und Helium 3 – 25 Tonnen davon könnten den Energiebedarf der gesamten US-Bevölkerung für ein Jahr decken. Im Asteroiden-Gürtel zwischen Mars und Jupiter sind etwa 600.000 Asteroiden, die Kohlenstoff, Kieselsäure, Nickel, Eisen, Kobalt oder Gold enthalten können. „Laut dem Weltraumvertrag von 1966, den bisher 117 Staaten unterzeichnet haben, unterliegen weder Weltraum noch Mond und andere Himmelskörper einer nationalen oder privaten Aneignung“, erklärte Isabel Feichtner.

Privatunternehmen profitieren

Der Mondvertrag sehe die Entnahme von extraterrestrischen Rohstoffen für wissenschaftliche Proben vor, der Bau nationaler Installationen hingegen sei unzulässig, erläuterte die Professorin an der Universität Würzburg. Deshalb könne es privates Grundeigentum auf dem Mond also nicht geben – das Ausbeuten von Rohstoffen solle laut den USA hingegen legitim sein. 2015 erließen die Vereinigten Staaten ein Gesetz, das die Kommerzialisierung erlaubte. Es folgten ähnliche Initiativen von Japan, den Vereinigten Arabischen Emiraten und anderer Länder. Das Artemis-Programm – die geplanten Mondmissionen der NASA – wurde von 56 anderen Staaten unterzeichnet. Dabei wird der private Sektor von der Pflicht, wissenschaftliche Ergebnisse öffentlich zugänglich zu machen, ausgenommen.

Space X und Blue Origin

Um selbst tätig zu werden, benötigen Privatunternehmen die Erlaubnis ihrer jeweiligen Staaten für Aktivitäten im Weltraum. 2020 brachte das Raumfahrtprogramm Space X des Milliardärs Elon Musk zum ersten Mal US-Astronauten auf die internationale Raumstation ISS. Die seit dem Jahr 2000 bemannte Station soll mittelfristig durch ein privates Modell ersetzt werden. Der Amazon-Chef Jeff Bezos, dem das Raumfahrtunternehmen Blue Origin gehört, will Millionen Menschen auf Raumschiffen im All unterbringen. Aktuell kostet ein zehnminütiger Flug ins All rund 150.000 Euro.

Mond und Mars

Das Starlink-System von Musk umfasst momentan 10.000 Satelliten in der erdnahen Umlaufbahn – das Ziel sind 40.000. Die Nummer 2 ist Bezos, erst danach folgen die USA und China mit einigen hundert Satelliten. Musk, der wiederverwendbare Raketen an Staaten vermietet, will eine sich selbst versorgende Stadt auf dem Mars errichten. In seiner Antrittsrede als US-Präsident hatte Donald Trump im Januar 2025 die Kolonisierung von Mond und Mars in einer Linie mit der Eroberung des amerikanischen Kontinents durch die weißen Europäer*innen gesehen.

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