Grenzen der Globalisierung

14. März 2026  Global
Geschrieben von Kreisverband

Grafik: Rosa-Luxemburg-Stiftung

Die Konkurrenz um bestmögliche „Standortbedingungen“ für internationale Konzerne – zulasten der Beschäftigten – und schwindelerregende Rendite an den Finanzmärkten, die von unzähligen Menschen erarbeitet werden müssen sind Auswirkungen der Globalisierung. Der Theorie-Podcast beschäftigte sich mit den „Grenzen der Globalisierung“ von Elmar Altvater und Birgit Mahnkopf.

Sozialist an der FAU

Elmar Altvater wurde 1938 als Sohn eines Bergmanns in Kamen/Nordrhein-Westfalen geboren. 1963 begann er ein Studium der Wirtschaftswissenschaften in München und promovierte zu sozialistischer Planung. Bis 1970 war er als Assistent an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und gab Materialien zur politischen Ökonomie im Bildungsbereich heraus. In Berlin wurde Altvater schließlich Professor für politische Ökonomie und war Mitglied der sozialistischen Assistenten-Zelle. Auch schrieb er für die marxistische Fachzeitschrift „Prokla“, die sich mit Soziologie und Politikwissenschaft auseinandersetzte.

Eintritt in Die Linke

Er war – als Reaktion auf die Berufsverbote – sowohl Gründungsmitglied des Bunds demokratischer Wissenschaftler*innen wie auch der Grünen und saß im Aufsichtsrat der taz-Verlagsgenossenschaft und bei Attac. Die Unterstützung des Kosovokriegs durch die Grünen entfremdete ihn jedoch von der Partei, so dass er 2007 den Linken beitrat. Altvater vertrat die Hoffnung, die weltweite Umstellung auf eine erneuerbare, dezentrale und vergesellschaftete Energiegewinnung würde automatisch zum Ende des fossilen Kapitalismus führen. Er starb 2018.

Buch ohne Hartz IV

Gemeinsam mit Birgit Mahnkopf veröffentlichte er Mitte der 1990er das Buch „Grenzen der Globalisierung“. In ihrem Werk konnten sie sich somit weder mit dem Anschlag auf das World Trade Center 2001 und den damit einsetzenden „Krieg gegen den Terror“, den Hartz-IV-Reformen unter der rot-grünen Bundesregierung oder die Finanzkrise von 2007 thematisieren. Doch auch ohne diese einschneidenden Ereignisse beschrieben sie die Globalisierung, also die Ausdehnung von Kapitalverhältnissen, als einen Vorgang mit zeitlichen Unterschieden.

Konkurrenz und Lohn-Dumping

Im 19. Jahrhundert entstand so etwas wie ein Weltmarkt, der jedoch stark von den großen Nationalstaaten geprägt war. Heutzutage ist der Nationalstaat jedoch vielmehr Einsatzpunkt des global operierenden Kapitals, durch das die Staaten in gegenseitigen Wettbewerb gesetzt werden. Somit entsteht eine Konkurrenz um Kapitalinvestitionen, Unternehmensansiedlungen und der Schaffung von Arbeitsplätzen. Die Folge: Niedrigere Löhne und längere Arbeitszeiten um „Standortvorteile“ für internationale Konzerne zu bieten, Privatisierungen und der Abbau staatlicher Sozialversicherungssysteme.

Rendite an Kapitalmärkten

Die weltweiten Lieferketten und die Just-in-time-Produktion sind nur aufgrund des fossilen Energieträgers Öl möglich. Auf den Finanzmärkten kommt es zu einer gigantischen Vermögenspolarisierung, da sich die dortigen Zinsen längst vom realen Wachstum der Volkswirtschaften abgekoppelt haben. Durch diese Gewinnmaximierung wird gleichzeitig die Grundlage vieler Menschen zerstört, da die Renditen der Finanzanlagen von eben diesen Menschen erarbeitet werden müssen. Dass dieses einseitige Gewinnstreben schließlich seinen Ausdruck in Kryptowährung und Plattform-Ökonomie finden wird, konnten die Autor*innen nicht vorhersehen.

Der Aufstieg Chinas

„Die Finanzoligarchie ist stärker denn je und vollkommen abgekapselt von staatlicher Kontrolle“, beschrieb Birgit Mahnkopf das System Elon Musk, Jeff Bezos oder Marc Zuckerberg. Zwar sei die Sowjetunion 1991 untergegangen, in China folgte jedoch ein erfolgreicher 5-Jahres-Plan auf den nächsten. „Die Kommunistische Partei öffnete sich zwar transnationalen Konzernen, führte aber keine Liberalisierung der Finanzmärkte ein“, erklärte sie. Und mittlerweile befinde sich die Volksrepublik auf dem besten Weg, der erste elektrische Staat der Welt zu werden. Von erneuerbaren Energien über Digitalisierung bis hin zu Bio-Chemie sei der chinesische Staat zum weltweiten Norm-Geber geworden – und könne in diesen Bereichen auch die Preise diktieren. Als Reaktion darauf streben die USA und EU eine Entflechtung der wirtschaftlichen Beziehungen mit China an.

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