Notaufnahme: Hitze trifft die Ärmsten

12. Dezember 2025  Global
Geschrieben von Kreisverband

Nahe der südsudanesischen Stadt Bentiu liegt das gleichnamige Flüchtlingslager, in dem rund 100.000 Menschen bei großer Hitze ohne fließendes Wasser oder Strom leben müssen. (VOA News, Public Domain)

Die tödlichen Folgen von Hitzewellen auf die ärmsten der Bevölkerung war Thema bei „Notaufnahme“, dem Podcast von Ärzte ohne Grenzen. Dort berichteten Betroffene von der Situation im Südsudan, in Griechenland und auf den Philippinen.

Tote durch Hitzewelle

Im Südsudan mussten wegen heftiger Überschwemmungen rund 2 Millionen Menschen ihre Heimatregion verlassen, viele kamen im Camp Bentiu unter, das mittlerweile etwa 100.000 Bewohner*innen hat. Eine Ärztin vor Ort erklärte, dass es tagsüber bis zu 45° C heiß sei. „Das Krankenhaus hat keine Klimaanlage, sondern nur Ventilatoren“, beschrieb sie ihre Arbeitsumgebung. Bei der großen Hitze fielen Geräte, etwa zum Blutzucker-Messen, jedoch häufig aus. „Im Camp gibt es weder fließend Wasser noch Strom für Kühlgeräte“, kam sie auf die Lebenssituation der Flüchtlinge zu sprechen. Dort gäbe es kaum schattenspendende Bäume, erklärte der 21-Jährige Niadoa. „Vor allem Kinder und Alte litten unter der letzten Hitzeperiode – einige sind daran gestorben“, blickte er zurück.

Drastische Folgen für Menschen

„Gab es früher im Sommer 30 Tage mit 25° C, sind, es mittlerweile 60 – darunter auch viele über 30° C, also Hitzetage“, erläuterte Karsten Haustein die Situation in Europa. In Äquatornähe liege die „normale“ Tagestemperatur um die 35° C. Werde es dort noch heißer, werde das drastische Folgen für die dort lebenden Menschen haben, warnte der Mitarbeiter des meteorologischen Instituts der Universität Leipzig. Denn durch den Klimawandel käme es sowohl zu vermehrten Niederschlägen und somit großflächigen Überschwemmungen, als auch extreme Dürrephasen, blickte er besorgt in die Zukunft.

Land und Meer erhitzen sich

2024 war laut dem Klimawandel-Dienst Copernicus das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen von 1850. Die Durchschnittslufttemperatur lag bei 15,10° C und somit um 1,6° C höher als zur vorindustriellen Zeit. Die Meeresoberfläche erwärmte sich um 0,51° C auf 20,87° C – ebenfalls ein neues Rekordhoch. Klima-Modelle sagen viel mehr heiße Tage und längere Hitzeperioden am Stück voraus.

Wasserverlust und Organversagen

Doch was passiert bei Hitze überhaupt mit dem Körper? Dieser versucht, bei hohen Temperaturen für Abkühlung zu sorgen – denn ab 42° C Körpertemperatur werden Proteine und Enzyme zerstört, so dass es zu Organversagen kommt. Durch schwitzen und die anschließende Verdunstung kann sich der Körper abkühlen. Wird der Wasserverlust jedoch nicht ausgeglichen, sind Muskelkrämpfe, Kreislaufschwäche und Herzrhythmusstörungen die Folge. Auch weiten sich die Blutgefäße, um die hohe Temperatur über die Haut an die Außenwelt abzugeben. Bei zu großer Hitze kommt es zu geschwollenen Beinen, Schwindel und Ohnmacht. Ein Hitzeschlag erfolgt ab einer Körpertemperatur von 40° C.

Wasser oder Essen?

Auf den Philippinen unterstützen Ärzte ohne Grenzen Projekte gegen Tuberkulose. Durchschnittlich sterben in dem pazifischen Inselstaat jede Stunde drei Menschen an der Infektionskrankheit. In den Armenvierteln der Hauptstadt Manila haben die Bewohner*innen mit Hitzewellen um die 40° C zu kämpfen. Eine Krankenpflegerin erklärte, dass Tuberkulose-Medikamente neben Schwindelgefühl auch starken Juckreiz auslösen können – sie ihren Patienten also, auch als Hilfe gegen die Hitze, ein kaltes Bad zur Linderung empfehlen. „Ein Mann sagte, er kann sich das Wasser nicht kaufen, weil er das Geld für Lebensmittel braucht“, schilderte sie die Situation der Ärmsten, die ohne fließend Wasser auf teure Kanister auf dem Markt angewiesen sind.

Wassermangel im Lager

Auf der griechischen Insel Samos sind die Helfer*innen in Flüchtlingscamps unterwegs. „Mitunter hat es 48° C im Schatten“, beschrieb eine Ärztin die Situation. Auch käme es durch die langen Trockenperioden zu zahlreichen Waldbränden. Das Lager liege auf einer Hügelkuppe. Ein Container, in dem die Flüchtlinge lebten, reihte sich an den anderen, außen herum ein dreifacher Stacheldrahtzaun. Doch gäbe es weit und breit keinen Baum, der Schatten spenden könnte. „Pro Tag wird den Menschen 1,5 Liter Wasser zugeteilt“, erklärte sie. Die Folge seien Kopfschmerzen, Zitter- und Schwächeanfälle aufgrund der einsetzenden Dehydrierung. Ärzte ohne Grenzen können mit 25 Euro 1.500 Menschen für eine Woche mit sauberem Trinkwasser versorgen – einschließlich Wassertank, Chlor und Pumpe.

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