
Eine soziale Klimapolitik, zu der auch Superreiche und fossile Konzerne ihren Anteil beitragen, ist für Carla Reemtsma von Fridays for Future der einzige Weg zur Bewältigung dieser Menschheitsherausforderung. Darüber sprach sie im Podcast „Wenn ich mir was wünschen dürfte“ mit Jan van Aken.
Gas wird zur Kostenfalle
„Die Wirtschaftsministerin Katharina Reiche von der CDU ist eine knallharte Gas-Lobbyistin und will Gasbohrungen in Deutschland und langfristige Lieferverträge durchsetzen“, kritisierte Carla Reemtsma. Doch dadurch mache sie die Bürger*innen abhängig von den fossilen Energien und führe sie somit in die Kostenfalle. Denn wenn 2027 der europäische Emissionshandel auf die Bereiche Wohnen und Verkehr ausgeweitet wird, werde automatisch das Heizen und Tanken teurer. „Je mehr Menschen zu diesen Zeitpunkt schon von fossiler Energie unabhängig sind, desto weniger sind von den erhöhten CO2-Preisen betroffen“, erklärte die Klimaaktivistin.
Klimakrise bedeutet Ungleichheit
Deshalb wünsche sie sich, dass die Politik eine Klimapolitik der Vielen betreiben würde, anstatt diese große Herausforderung einfach aus irgendwelchen Gründen ständig hinten anzustellen. „Wir müssen die Menschen, die von der Klimakrise betroffen sind, in den Mittelpunkt stellen“, forderte sie. So seien die Menschen im globalen Süden, obwohl sie am wenigsten zur Erderwärmung beigetragen hätten, schon jetzt am stärksten von deren Auswirkungen betroffen. Auch generationenmäßig stellte die Mitorganisatorin von Fridays for Future fest: „Junge Leute werden viel länger und stärker vom Klimawandel betroffen sein als die jetzigen älteren Menschen“.
Klimakrise ist Klassenfrage
„Klimapolitik ist automatisch auch immer Sozialpolitik“, erklärte sie. So litten Bauarbeiter*innen oder Erntehelfer*innen in der Landwirtschaft ebenso unter den Hitzewellen wie Geringverdienende in schlecht isolierten Dachgeschoss-Wohnungen. „Der DAX-Chef in seinem Büro schaltet einfach die Klimaanlage an“, machte sie den Klassencharakter der Klimakrise deutlich. Allerdings müsse auch eine sozial ausgestaltete Klimapolitik von einer ambitionierten Sozialpolitik begleitet sein, um die soziale Ungerechtigkeit in unserer Gesellschaft zu beenden.
Mieter*innenschutz bei Sanierung
Durch den europäischen CO2-Preis komme Geld in den den Klimasozialfonds, mit dem die Staaten soziale Härten des CO2-Preises abfedern könnten. Das könne z. B. durch eine kommunale Wärmeplanung, Kredite für Wärmepumpen, den Ausbau von E-Ladesäulen oder das Klimageld geschehen. „Bei der Senkung der Emissionen für Mobilität und Wärme braucht es massive staatliche Unterstützung“, machte Reemtsma klar. Denn unterfinanzierte Kommunen könnten schließlich kein Fernwärmenetz bauen. Gleichzeitig müssten Mieter*innen vor Preiserhöhungen durch energetische Sanierungen geschützt werden.
ÖPNV statt Individualverkehr
Auch sollte das Deutschland-Ticket für eine echte Mobilitätswende billiger statt teurer und der ÖPNV auf dem Land ausgebaut werden. Und falls Menschen in abgelegenen Regionen nicht auf ein Auto verzichten könnten, müsse der Staat kostengünstige Leasing-Modelle für E-Autos zur Verfügung stellen. „Künftig werden auf Deutschlands Straßen keine 48 Millionen Autos mehr fahren“, prognostizierte Reemtsma. Stattdessen brauche es einen massiven Ausbau des ÖPNVs.
Fossile Konzerne müssen zahlen
„Die Linke hat es mit den Themen Mieten und hohe Preise geschafft, viele junge Menschen anzusprechen“, blickte sie auf den Bundestagswahlkampf zurück. Jetzt müsse die Partei den Klimaschutz in seiner sozialen Dimension in den Vordergrund stellen. Zwar kosten die Maßnahmen für eine lebenswerte Zukunft Geld – „aber da müssen wir die Superreichen zur Verantwortung ziehen“, positionierte sie sich. Schließlich lebten Menschen mit geringen Einkommen automatisch klimafreundlicher, da sie eben kein großes Auto oder gar einen Privatflieger besäßen. Durch den Klimawandel stiegen etwa auch die Versicherungen für landwirtschaftliche Betriebe in enorme Höhen. „Verursacher dieser Zustände sind die fossilen Konzerne, die immer noch daran verdienen“, mahnte Reemtsma. Diese müssten nun auch für einen finanziellen Ausgleich sorgen.
Weiterführende Links:
- Die Linke (20.8.2025): Carla Reemtsma (FFF) über Klimaschutz vs. soziale Gerechtigkeit – https://www.youtube.com/watch?v=ay9T-P7kQEg
- Die Linke SC-RH (23.7.2025): Mit Gas gegen Klimaschutz – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/politik/mit-gas-gegen-klimaschutz/
- Die Linke SC-RH (15.7.2025): Milliarden-Lobby für Öl und Gas – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/politik/milliarden-lobby-fuer-oel-und-gas/
- Die Linke SC-RH (12.9.2022): Die Klimakrise als Klassenfrage – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/politik/die-klimakrise-als-klassenfrage/














