
Der autoritäre Kapitalismus setzt auf massive Aufrüstung, lässt aber Probleme innerhalb der Gesellschaft unbearbeitet. Frank Deppe erläuterte die sich daraus ergebenden Krisen bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung Baden-Württemberg.
Die Profite sinken
„Nach der Finanzkrise 2008 schrieb der ,Economist’: ,Der Finanzkapitalismus steht am Rande des Abgrundes’“, erinnerte sich Frank Deppe. Doch markierte dies zugleich eine neue Entwicklungsphase des internationalen Kapitalismus. Bei sinkenden Akkumulationsraten, aber zunehmenden Konflikten und weltweiten Problemen, die immer neue Krisen erzeugen, komme es zur sogenannten „Polykrise“. Dabei müsse man wissen, dass die bürgerlich-kapitalistische Gesellschaft verschiedene Phasen durchlaufe.
Exportmotor schwächelt
Zeiten von Expansion und relativer Stabilität wechselten mit Phasen der Stagnation und innerer Instabilität. Dabei komme es auch zu Auseinandersetzungen und Klassenkonflikten. „Seit der Finanzkrise befinden sich die westlichen Industriestaaten in solch einer stagnierenden Phase“, erläuterte der Politikwissenschaftler. In der Regierungszeit von Bundeskanzlerin Angela Merkel war die soziale Entwicklung aufgrund der starken Exportposition der Wirtschaft noch relativ stabil verlaufen. Das änderte sich mit 2020 mit der Coronakrise. „Jetzt ist es zu einem Einbruch der deutschen Autos auf dem Weltmarkt gekommen, gleichzeitig sorgt der Irankrieg für enorm hohe Benzinpreise“, stellte Deppe die aktuellen Probleme dar.
Ökonomische Macht erhalten
In der Französischen Revolution von 1848 setzten sich die Liberalen gegen die Monarchie durch und erreichten eine Verfassung, Parlamentarismus und allgemeine Wahlen. Später startete Louis Bonaparte (Napoleon III.) jedoch seinen Staatsstreich, um die Bourgeoisie zu entmachten. „Wenn die bürgerliche Gesellschaft eine proletarische Revolution von links befürchtet, verzichtet sie auf ihre politische Macht, um ihre ökonomische Macht – in einer Diktatur – zu erhalten“, sprach er Karl Marx’ zentrale These des „18. Brumaire des Louis Bonaparte“ an. Solch eine Personaldiktatur bedeute auch die Verselbstständigung der Exekutivgewalt – eines der Merkmale faschistischer Regime.
Medien, Macht und Monopole
Diese Analyse im Kopf hatte Wolfgang Abendroth mit Blick auf die Weimarer Republik geschrieben: „Gesellschaftliche Machtgruppen haben eine fast monopolistische Verfügung über die Meinungsbildungsapparate der modernen Gesellschaft, die Demokratie aushöhlt und sie dann gewaltsam sprengt, wenn in Zeiten wirtschaftlicher oder politischer Krisen den Massen die Sinnwidrigkeit des traditionellen Systems der wirtschaftlichen Machtverteilung allzu deutlich vor Augen geführt wird.“ Auch gegenwärtig befinde sich die Weltordnung im Umbruch.
Imperiales Chaos
Nach der bipolaren Ordnung des Kalten Kriegs kam es mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 zu einem unipolaren Führungsanspruch der USA – besonders unter George W. Bush. Seit etwa 20 Jahren herrsche eine Multipolarität, die vor allem durch den Aufstieg Chinas und veränderte Machtverhältnisse auf dem Weltmarkt gekennzeichnet sei. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte es folgendermaßen charakterisiert: „Die Welt erscheint jeden Tag ein Stück gefährlicher, brutaler, mindestens irrationaler.“ Nach der herrschenden Meinung bestehe die Weltordnung aus imperialistischen Großmächten – was regionale Einflusszonen und militärisches Engagement beinhalte.
Aufrüstung und Überwachung
In den USA hat die Hightech-Milliardärsgruppierung mit Elon Musk eine Säuberung im Staat durchgeführt. Die enorme Konzentration von Macht an der Spitze in Form von militärischer Aufrüstung ist dabei an die Macht der digitalen Tech-Medien als Überwachungssysteme gekoppelt. Das stelle die zentrale Entwicklungstendenz innerhalb des autoritären Kapitalismus dar, erklärte Deppe. „Die Reaktion auf den Niedergang heißt Militarisierung“, hielt er fest. Denn mit der Aufrüstung wolle man im ökonomischen Bereich aus der Akkumulationsschwäche kommen. Das kollidiere jedoch mit den sozialstaatlichen Verpflichtungen gegenüber den Bürger*innen und vertiefe die Reproduktionskrisen in der Gesellschaft – sei es im Gesundheitswesen, bei der Bildung oder der Infrastruktur. „So wird die innere Krise verstärkt“, warnte der Wissenschaftler.
Weiterführende Links:
- RLS Baden-Württemberg (4.5.2026): Autoritärer Kapitalismus – https://www.youtube.com/watch?v=mFesula-bxs
- Die Linke SC-RH (18.6.2025): Armutszeugnis. Staat und Rüstungskonzerne – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/politik/armutszeugnis-staat-und-ruestungskonzerne/
- Die Linke SC-RH (18.5.2025): Panzer statt Klimaschutz – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/politik/panzer-statt-klimaschutz/














