
Wird der afrikanische Kontinent erneut unter fremden Mächten aufgeteilt und wie profitiert Deutschland davon? In „Weltunordnung“, dem internationalen Podcast der Rosa-Luxemburg-Stiftung, sprach Frauke Banse über Finanzanlagen, Rohstoffe und Militär-Missionen.
Macht und Rohstoffe
„Es gibt weltweit eine große Konkurrenz, wenn es um den afrikanischen Kontinent geht“, erklärte Frauke Banse. Player seien neben der Türkei, den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und Saudi-Arabien auch die europäischen Länder, welche in kooperativer Konkurrenz – vor allem Frankreich und Deutschland – um Einfluss und Rohstoffe ringen. Aber auch die BRICS-Staaten, also Brasilien, Russland, Südafrika oder die Volksrepublik China zeigten reges Interesse an Afrika.
Spekulation mit Schulden
Mittlerweile sei China der größte bilaterale Geldgeber zahlreicher afrikanischer Staaten, darunter auch Sambia oder Ghana. Die größte Gläubiger*innen-Gruppe solcher Länder stellten jedoch nicht andere Regierungen, sondern private Geldgeber*innen dar. „Sie halten Wertpapiere, Anleihen oder Schuldtitel, die auf den internationalen Finanzmärkten gehandelt werden“, erläuterte die Dozentin am Fachbereich Politikwissenschaft der Universität Kassel. Das Ziel: möglichst hohe Zinsen. Die multilateralen Geldgeber*innen seien meist die G7-Staaten – also häufig einstige Kolonialmächte.
Russland, Ukraine, Frankreich
Die militärische Präsenz Russlands sei vor allem in Niger, Mali und Burkina Faso, aber auch der Zentralafrikanischen Republik, sichtbar. „Dabei spielt auch der Rohstoffhandel – etwa Gold – eine wichtige Rolle“, sagte Banse. Die ukrainische Regierung unterstütze in Mali hingegen die Tuareg, um so ein militärisches Gegengewicht zur Russischen Föderation zu bilden. Die frühere Kolonialmacht Frankreich hätte ihre Truppen aus zahlreichen Ländern abgezogen – eben auch aus Niger, Mali und Burkina Faso, aber auch dem Senegal und der Elfenbeinküste.
Anlage für deutsches Geld
Daran sehe man, dass das postkoloniale Netz der „Grande Nation“, das neben Militärstützpunkten auch der Zugriff auf Rohstoffe wie Uran aus Niger beinhalte, am Zerfallen sei. „Stattdessen konzentriert sich Frankreich auf Pipeline-Projekte in Uganda und Tansania und kooperiert dabei mit chinesischen Unternehmen“, zeigte die Wissenschaftlerin neue Handlungsfelder auf. Deutschland seinerseits wolle ebenfalls an afrikanische Rohstoffe gelangen. „Die Kreditanstalt für Wiederaufbau sorgt für die Umgestaltung der dortigen Finanzmärkte, damit Kapitalmärkte aufgebaut und deutsche Investitionen erleichtert werden können“, sagte Banse.
Stellvertreterkriege in Afrika
Der seit 2023 andauernde sudanesische Bürgerkrieg stelle einen Stellvertreterkrieg zwischen Saudi-Arabien und den VAE dar. So lieferten die Emirate der Rapid Support Forces, einer Miliz, die gegen die regulären Streitkräfte kämpft, Waffen im Gegenzug zu Ackerland zum Nahrungsmittelanbau, Wasser oder Gold. „Da die Emirate gleichzeitig ein wichtiger Partner für Israel sind, gibt es seitens der EU keine Sanktionen“, stellte sie den Kontext dar. Darüber hinaus seien die Europäer*innen bei der Migrationsverhinderung schlichtweg auf autoritäre Staatschefs, etwa in Libyen oder Tunesien, angewiesen.
Gescheiterte Militär-Missionen
Die MINUSMA-Mission, bei der deutsche Soldat*innen von 2013 bis 2023 in Mali stationiert waren, war in der medialen Kommunikation stark moralisch aufgeladen gewesen, so Banse. Dabei erfolgte auch eine Kooperation mit der französischen Mission Barkhane – welche eine verheerende Menschenrechtsbilanz aufwies. So starben im Januar 2021 bei einem französischen Luftangriff auf eine Hochzeit im Dorf Bounti 22 Menschen. Laut einer Nichtregierungsorganisation tötete das malische Militär im Dorf Boulkessi zwischen 2018 und 2020 153 Zivilist*innen. Die UN bewertete die Mission, deren Ziel die Terrorbekämpfung war, als nicht erfolgreich.
Imperialistisches China
Dass der Kontinent nicht mehr zwischen Großbritannien und Frankreich oder „dem Westen“ und der Sowjetunion aufgeteilt ist, sondern der aktuellen Multipolarität unterliegt, kann Banse zufolge auch zu Spannungen führen. „So können Konflikte verschärft werden, die in den einzelnen Staaten wiederum zu Instabilität führen“, gab sie zu bedenken. Dabei verfolge die Volksrepublik China genauso imperialistische Ziele wie die anderen kapitalistischen Mächte. Hoffnung mache ihr jedoch die Jugend. Zwar sorge die herrschende Klasse dafür, dass es eine enorme soziale Ungleichheit gäbe – doch sei die Generation Z in Kenia gegen die hohe Verschuldung und immer höhere Verbrauchssteuern auf die Straße gegangen.
Weiterführende Links:
- RLS (9.10.2025): Was treibt Deutschland in Afrika, Frauke Banse? – https://www.youtube.com/watch?v=dm8Zh19_eG4
- Die Linke SC-RH (24.9.2024): Sudan. Zwischen Revolution und Militär – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/international/sudan-zwischen-revolution-und-militaer/
- Die Linke SC-RH (28.8.2024): Kolonialismus – bis heute? – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/international/kolonialismus-bis-heute/














