
China ist führend in grünen Zukunftstechnologien wie Solarpaneele oder der E-Mobilität. Wie die USA damit umgehen thematisierte eine aktuelle Folge von „Weltunordnung“, dem internationalen Podcast der Rosa-Luxemburg-Stiftung.
Protektionismus statt Freihandel
Mittlerweile ist klar: Die USA spielen nicht mehr die unangefochtene Hegemonie-Rolle in der Weltwirtschaft, in vielen Punkten ist die Volksrepublik China nahe an sie herangerückt. Nun wollen die Vereinigten Staaten aus der konsumierenden und sich verschuldenden Position heraus, weshalb in „Verhandlungen“ Zölle verhängt und Käufe von US-Produkten vereinbart werden. „Die MAGA-Bewegung steht dem weltweiten Freihandel skeptisch gegenüber und spricht sich auch gegen die Verlagerung von Industriejobs aus“, erläuterte Stefan Schmalz. So seien auch viele politische Akteure der Regierung eher protektionistisch eingestellt.
Staat und Privatsektor
Das chinesische Entwicklungsmodell ist mit Blick auf produktionsintensive Arbeiten lange Zeit stark exportgetrieben gewesen – heutzutage werden vor allem hochtechnologische Güter wie E-Autos verkauft. Dabei handele es sich um ein Zusammenspiel von staatlichem Interventionismus und Bottom-up-Entwicklung, in der der Privatsektor in Märkten entsteht und wächst. „Im IT-Bereich sind mehrere private Firmen nach Start-up-Logik entstanden, gleichzeitig gibt es in verschiedenen Kommando-Ebenen der Ökonomie Staatseigentum, beispielsweise in der Energieinfrastruktur“, beschrieb der Professor am Institut für Soziologie an der Universität Jena das System.
Reichtum und Kapitalakkumulation
Außerdem existiere in dem Parteistaat keine unabhängige Bourgeoisie, Arbeitnehmer*innen oder Gewerkschaften. Alles werde über den Staat gedeckelt, die Wirtschaft sei automatisch politisch. „Viele reiche Menschen sitzen als Abgeordnete im Volkskongress, die meisten erfolgreichen Unternehmer*innen unterhalten enge Beziehungen zur Partei“, kam er auf die Verbindung von Wirtschafts- und Parteifunktionär*innen zu sprechen. So gäbe es Reichtum, Kapitalakkumulation sowie eine abhängige Klassenbildung – Eigentum könne durch den Staat jedoch jederzeit entzogen werden. „Unter Staatspräsident Xi Jinping wurde die zentrale Rolle des Parteistaats gefestigt“, erklärte er.
Amerikanische Einigkeit
Zugleich gab es eine enge Verflechtung mit den USA, die zahlreiche Produkte kauften und sich dadurch verschuldeten. Darüber hinaus investierten viele chinesische Anleger*innen in Amerika. „In der China-Politik gibt es zwischen den Republikaner*innen und den Demokrat*innen einen parteiübergreifenden Konsens“, bilanzierte Schmalz. Stand unter George W. Bush (2001-2009, Republikaner) noch der Nahe Osten im Mittelpunkt, begann unter Barack Obama (2009-2017, Demokrat) eine Strategieausarbeitung gegen China. Mit den Transpacific Partnership Agreement sollte durch starke Handelsbeziehungen ein Ring um das Land geschaffen und China so isoliert werden. Auch wurde die US-Militärpräsenz in Ostasien verstärkt.
Große Kontinuitäten
In seiner ersten Amtszeit setzte Donald Trump (2017-2021, Republikaner) auf Zölle, Sanktionen und schwarze Listen gegen chinesische Unternehmen. „Als Reaktion darauf forcierte China die Wertschöpfung im eigenen Land und machte sich autonomer“, beschrieb der Professor die Konsequenzen. Joe Biden (2017-2025, Demokrat) setzte Trumps Maßnahmen fast vollständig fort. Die wirtschaftliche und militärische Kooperation mit Australien, Japan und Indien wurde ausgebaut. Seit 2025 setzt die Regierung Trump II mit Zöllen China, aber auch die EU und viele weitere Länder unter Druck, stößt jedoch in Bezug auf den Lieferstopp Seltener Erden aus China an seine Grenzen.
Der digitale Kapitalismus
In beiden Staaten gäbe es unterschiedliche Varianten des digitalen Kapitalismus, postulierte Schmalz. In den USA herrsche eine global diffundierende Empire-Logik, in der globale Märkte mit großen Unternehmen wie Microsoft und Meta bestimmend seien. China hingegen nutze seinen Binnenmarkt – der von massiver Zensur geprägt ist –, um eine komplett eigene Unternehmensstruktur zu entwickeln. Statt Apple gebe es Huawei, statt Google die chinesische Suchmaschine Baidu. Das einzige, was noch kein Gegenstück gefunden habe, seien Betriebssysteme wie Microsoft. „Jetzt beginnt dieses ursprünglich national fokussierte Modell, auch global zu expandieren – siehe Tiktok“, erläuterte er.
Überreiche und der Staat
In Myanmar oder Pakistan würden bereits bestimmte Online-Regualationsmechanismen aus China fest übernommen. Huawei sei weltweit führend bei der 5G-Technologie gewesen – bis es zu ökonomischen und sicherheitsrelevanten Bedenken seitens der Empfänger-Länder kam. Würde der US-Staat aktuell von den Überreichen der Tech-Industrie gekapert werden, hielt in China der Staat ebendiese milliardenschweren Akteur*innen klein. Dort habe man grüne Technologien schon seit Jahren gefördert. „Das führte zu Wertschöpfungen in allen wichtigen Bereichen – also Solar- und Windindustrie, E-Autos und Batterietechnologie“, sagte Schmalz.
Braun-grüne Energie
80 Prozent der weltweiten Solarpaneele werden in China hergestellt, es gibt relativ preiswerte E-Autos und eine umfassende Lade-Infrastruktur. „Chinesische Auto-Hersteller*innen dominieren mit 60 Prozent die globale E-Mobilität“, stellte der Wissenschaftler klar. Darunter litten sowohl europäische als auch US-amerikanische Firmen. Deutsche Konzerne haben Angst, bei der Umstellung auf die E-Mobilität nicht mitzukommen und wollten das Verbrenner-Aus in der EU deshalb kippen. Die grüne Technologie Chinas fuße jedoch auf brauner Energie, also dem Neubau zahlreicher Kohlekraftwerke, weil sowohl die Produktion von E-Autos & Co wie auch Rechenzentren für Künstliche Intelligenz einen hohen Energiebedarf benötigten. Für 2035 sollen die chinesischen CO2-Emissionen jedoch um 10 Prozent sinken, gab Schmalz die Pläne aus Peking wieder.
Weiterführende Links:
- RLS (4.12.2025): Ist die US-Hegemonie am Ende, Stefan Schmalz? – https://www.youtube.com/watch?v=tvE0_0IHkKw
- Die Linke SC-RH (19.3.2023): Chinas Weg zur Marktwirtschaft – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/international/chinas-weg-zur-marktwirtschaft/
- Die Linke SC-RH (14.11.2024): USA. Land der Freiheit? – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/geschichte/usa-land-der-freiheit/














