Frauenleben in Afghanistan und Gaza

13. April 2026  International
Geschrieben von Kreisverband

Afghanische Frauen dürfen das Haus nur noch an der Seite eines männlichen Familienangehörigen verlassen und müssen sich in Gegenwart von Männern, mit denen sie nicht verwandt sind, vollständig verschleiern. (Afghanistan Matters, CC BY 2.0)

In Afghanistan herrscht nach der Machtübernahme der Taliban eine „Gender-Apartheid“. In „Notaufnahme“, dem Podcast von „Ärzte ohne Grenzen“ berichtet die Gynäkologin Katharina Thies von ihren Erfahrungen. Aber auch die Hebamme Anja Bezold erzählt von der Situation von Schwangeren in Gaza.

„Alles verboten“

Die Sprachnachricht der afghanischen Gynäkologin ist eindringlich: „Das Leben ist für Frauen sehr schwierig geworden. Wir werden aus allen Bereichen der Gesellschaft ausgeschlossen und gezwungen, wie lebenslange Gefangene ohne Rechte zu Hause zu bleiben. Für uns ist alles verboten: der Besuch von weiterführenden Schulen, Universitäten, der Gang zum Basar oder ins Fitnessstudio. Ich werde mit meiner Arbeit weitermachen. Für die junge Generation – insbesondere die Mädchen – will ich dabei ein Vorbild sein. Ich will sie motivieren, nicht aufzugeben und für ihre Träume zu kämpfen. Ich hoffe, dass wir einmal in einem freien Afghanistan leben werden“.

Keine neuen Ärztinnen

„Ich war bis Juni 2022 in Afghanistan, im Dezember wurde den Frauen der Zugang zu höherer Bildung komplett verwehrt“, beschrieb Katharina Thies die Situation. Die Frauen, die ihr Medizin-Studium beendet hatten, wurden nicht mehr zur Prüfung zugelassen. „In Zukunft wird es also keine Ärztinnen mehr geben“, erklärte sie. Das Problem: Den männlichen Kollegen ist es untersagt, Patientinnen zu behandeln. Sie selbst hatte im Geburtskrankenhaus von Chost gearbeitet, wo das Personal pro Tag 60 Geburten begleitete, berichtete die Gynäkologin. Rund die Hälfte aller Geburten der Provinz fanden in dieser Klinik statt.

Keine Bewegungsfreiheit

„Meine afghanischen Kolleginnen dürfen jetzt nicht mehr alleine im Park spazieren – und die Situation verschlechtert sich immer mehr“, skizzierte sie das Leben unter den fundamentalistischen Taliban. Das bedeute auch, dass Frauen der Zugang zu Entbindungen im Krankenhaus deutlich erschwert werde. Sie dürften sich nämlich nicht mehr alleine außerhalb ihres Hauses bewegen. „Ein männlicher Familienangehöriger muss sie im Auto zu uns bringen“, erläuterte Thies die Folgen. Und das sei erst geschehen, nachdem eine Frau 24 Stunden mit Krampfanfällen – vermutlich aufgrund einer Schwangerschaftsvergiftung – im Haus gelegen habe. „Sie hatte eine schwere Hirnblutung und ist gestorben“, erläuterte die Medizinerin das Geschehen.

Kaum Medikamente

„Die Lage in Rafah ist katastrophal – dort sind 1,5 Millionen Menschen auf 64 Quadratkilometer, darunter 50.000 Schwangere“, erläuterte Anja Bezold das Leben im Gaza-Streifen. Das Emirati-Krankenhaus sei die einzige noch funktionsfähige Geburtsklinik in der Region, täglich habe es 180 Geburten gegeben. „In meiner Zeit waren es vier Geburten pro Stunde – wir hatten aber nur fünf Kreisbetten“, machte sie auf die fehlende Ausrüstung aufmerksam. Es habe weder Platz für die Frauen noch ausreichend Medikamente gegeben. Nach einem Kaiserschnitt mussten die Mütter das Krankenhaus mitunter nach sechs Stunden verlassen und zurück in ihre provisorischen Zeltunterkünfte gehen.

Angriffe der israelischen Armee

Die Schwangeren wurden vor ihrer Geburt bis zu dreimal vertrieben, hatten viele Angehörige verloren und waren deshalb schwer traumatisiert. „Ärzte ohne Grenzen“ errichtete eine Wochenstation mit 26 Betten, damit die Frauen nach der Geburt einen Ort zum Erholen hatten. Neben der medizinischen Versorgung gab es so auch jemanden, der für sie da war, ihnen zuhörte und ihre Sorgen teilte. „Sie wollten die Klinik aber schnell verlassen, da ihnen bewusst war: Das ist kein sicherer Ort“, sprach die Hebamme die Bombardierung von Gesundheitseinrichtungen durch die israelische Armee IDF an.

Zwang zu Sex

25 Prozent der Frauen weltweit haben nicht das Recht, „nein“ zu Sex zu sagen, wenn der Partner es fordere, kam Bezold auf einen UN-Bericht von April 2024 zu sprechen. 10 Prozent der Frauen hätten keinen Zugang zu Verhütungsmitteln. „So ist die Wahrscheinlichkeit einer ungewollten Schwangerschaft hoch“, wies sie auf die Folgen hin. Mit medizinisch fachgerechten Schwangerschaftsabbrüchen könne man Frauen – wenigstens teilweise – das Recht über den eigenen Körper zurückgeben. Jedes Jahr sterben rund 30.000 Mädchen und Frauen aufgrund unsicherer Schwangerschaftsabbrüche. Medizinisches Personal könne dies zu großen Teilen verhindern.

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