
Ein geheimes Programm, um die Bevölkerung von Grönland einzudämmen – der „Spiralen-Skandal“ belastet das Verhältnis von Grönland zur früheren Kolonialmacht Dänemark. Die medizinischen Eingriffe waren Thema in der Reihe „Weltzeit“ von Deutschlandfunk Kultur.
Abhängig von Kopenhagen
Während Grönländer*innen sagen, Grönland gehöre ihnen, sehen Dän*innen die größte Insel der Welt als Teil des dänischen Königreichs, da eine Reichsgemeinschaft mit Dänemark besteht. Rechtlich ist Grönland ein selbstverwalteter Teil Dänemarks. Für eine reale Unabhängigkeit fehlen Grönland jedoch die nötigen Einnahmen – kommt doch die Hälfte des Haushaltes als Zahlungen aus Kopenhagen. Sechsmal so groß wie die Bundesrepublik Deutschland leben dort jedoch nur 56.000 Menschen, 80 Prozent der Fläche sind von Eis bedeckt. Der Verkehr erfolgt entweder mit Hundeschlitten, per Boot oder Helikopter.
Kolonialmacht Dänemark
Die Grönländer*innen waren noch nie an einem Krieg beteiligt, die Verteidigung der Insel, die zur NATO-Nordflanke gehört, wird durch das dänische Militär gewährleistet. Bei einer Umfrage im Januar 2025 sprachen sich 85 Prozent der Einwohner*innen gegen einen Anschluss an die Vereinigten Staaten aus, nur 6 Prozent wollten zu den USA gehören. Das, was die Mehrheit befürwortet, ist eine größere Autonomie von Dänemark – und keine Okkupation durch die USA. Dänemark war bis 1953 die Kolonialmacht, bis es zur schrittweisen Ausweitung der Autonomie kam.
Kinder verhindern
Rund die Hälfte der gebärfähigen Grönländerinnen – etwa 4.000 Personen – wurde in den 1960er und 70er Jahren ohne ihr Wissen einem staatlichen Verhütungsprogramm unterzogen. Man setzte den Mädchen und Frauen Spiralen ein, um das Bevölkerungswachstum einzudämmen – hatte man in Kopenhagen Sorgen vor immer weiter ansteigenden Kosten im Gesundheitssystem der Insel. Erst vor drei Jahren wurde der „Spiralen-Skandal“ durch die Recherche-Arbeit von Journalist*innen öffentlich gemacht – mit massiven psychischen Folgen für die Betroffenen.
Ein kollektives Trauma
Auch eine 60-jährige Frau aus Nuuk, der größten Stadt in Grönland, berichtete, dass sie selbst Opfer der medizinischen Eingriffe geworden war. Sie habe lange Probleme gehabt, schwanger zu werden und als sie schließlich ihr Kind bekam, kam es mit einer Behinderung auf die Welt. Zuvor hatte sie sich jedoch die Spirale selbst entfernt – ohne mit jemanden darüber zu sprechen, 50 Jahre lang. Erst durch einen aktuellen Bericht im Radio sei ihr bewusst geworden, was ihr als junges Mädchen angetan worden war. Für die gesamte grönländische Bevölkerung stellt der Spiralen-Skandal ein kollektives Trauma dar. Nachdem ein Untersuchungsausschuss die Ausmaße der medizinischen Eingriffe offenbart hatte, entschuldigte sich die dänische Ministerpräsidentin in Grönland. Um Klagen von Betroffenen zu verhindern, wird es wohl zu außergerichtlichen Einigungen kommen.
Weiterführende Links:
- Deutschlandfunk Kultur (28.10.2025): Grönland und Dänemark. Koloniale Vergangenheit belastet das Verhältnis – https://www.deutschlandfunkkultur.de/groenland-und-daenemark-eine-schwierige-beziehung-100.html
- Die Linke SC-RH (14.12.2024): Antikolonialismus in der Westsahara – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/international/antikolonialismus-in-der-westsahara/
- Die Linke SC-RH (14.6.2022): Europas Kolonien. Gewinnsucht und Ausbeutung – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/geschichte/europas-kolonien-gewinnsucht-und-ausbeutung/














