
Über welchen realen Rückhalt verfügt US-Präsident Donald Trump in der amerikanischen Bevölkerung und wer hat bisher mehr „Illegale“ abgeschoben – Republikaner*innen oder Demokrat*innen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich ein Beitrag von „Weltunordnung“, dem internationalen Podcast der Rosa-Luxemburg-Stiftung.
Überreiche gegen Klimaschutz
„Ich glaube nicht, dass es im Weißen Haus eine langfristige Vision gibt, was nach dem Iran-Krieg im Nahen Osten passieren soll“, erklärte Loren Balhorn. Im Gegensatz dazu habe es bei der Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro wenigstens den Anschein eines Plans für das „Danach“ gegeben. In der ersten Amtszeit Donald Trumps als US-Präsident ab 2016 gab es Steuererleichterungen für Überreiche und den Ausstieg aus dem Pariser Klima-Abkommen. Seine finanziellen Unterstützer*innen kommen aus der extraktivistischen Öl- und Gas-Industrie. Aus Sicht von Unternehmen sorgt er für einen geschützten Binnenmarkt, geht aber gleichzeitig gegen Gewerkschaften vor.
Trump ohne Mehrheit
Laut Umfragen sind nur 20 bis 25 Prozent seiner Wähler*innen glühende Trump-Fans. „Sein Wahlsieg 2024 basierte auf der relativen Verschiebung in einigen Bundesstaaten, in denen einige hunderttausend Stimmen den Ausschlag gaben – bei einer Bevölkerung von 350 Millionen Menschen“, ordnete der ehemaliger Mitarbeiter der Rosa-Luxemburg-Stiftung ein. Trump verfüge also somit über keine gesellschaftliche Hegemonie. Und je mehr er sich von seinen Versprechen verabschiede, keine Kriege im Ausland anzuzetteln, desto desillusionierter werden seine Anhänger*innen. „Er weiß jetzt: Die Zwischenwahlen im November werden nicht gut für ihn laufen“, bilanzierte Balhorn.
Hass auf die Eliten
Dennoch ist die stark personalisierte Herrschaft, die er ausübt, präzedenzlos in der neueren amerikanischen Geschichte. Er kanalisiert die Wut der Menschen gegen „das System“, hat aber selbst keine Massenbasis, die er mobilisieren könnte. „Er hasst die liberalen Eliten, weil sie ihn nicht als einen der ihren akzeptieren“, erläuterte der Chefredakteur der deutschsprachigen Ausgabe von Jacobin. Seine Wähler*innen hingegen hassten die Eliten, weil sie nach der Finanzkrise 2007 aus ihrem Haus geworfen wurden und auf der Straße lebten oder für eine Knieoperation 20.000 Dollar Schulden aufnehmen mussten. „Trump ist gleichzeitig Produkt der Elite und des Zerfalls der amerikanischen Gesellschaft“, umriss es Balhorn. Denn in einem besser regulierten Wohfahrtsstaat-Kapitalismus wäre er gar nicht zu seinem Reichtum gekommen.
Demokraten legen vor
Mit dem Einsatz der Nationalgarde in Städten und Großrazzien der Einwanderungsbehörde ICE wolle Trump ein Spektakel veranstalten, um seine Anhänger*innen zufriedenzustellen, so der Experte. Denn schließlich hatte selbst die Demokratin Hillary Clinton festgestellt, dass ihr Ehemann, Präsident Bill Clinton, und Barack Obama mehr „Illegale“ ins Ausland deportiert hätten als es der Republikaner Trump jemals gemacht hat. Auch hatte Obama in seiner Amtszeit Militäreinsätze autorisiert – am US-Kongress vorbei. „Die beiden Parteien sind lediglich leere Hülsen, die nur noch von Geld zusammengehalten werden“, lautete Balhorns Fazit über die Demokratische und Republikanische Partei.
Sozialistischer Klassenkampf
Zoran Mamdani hatte die Wahl zum Bürgermeister von New York mit Wirtschaftspopulismus und Antiimperialismus gewonnen. „Es ging um steigende Mieten, stagnierende Löhne und das reichste Prozent, das von der bisherigen Politik profitiert“, fasste er es zusammen. Bernie Sanders setzte sich für einen höheren Mindestlohn, eine Gesundheitsversorgung für alle und kostenlose Bildung ein. „Aus deutscher Sicht ist das gewöhnliche Sozialdemokratie“, ordnete Balhorn es ein. Doch betteten Mamdani und Sanders es in eine Klassenkampf-Erzählung von den Vielen unten gegen die Wenigen oben ein. „Die ,Democratic Socialists of America’ können innerhalb und außerhalb der Demokratischen Partei viele Menschen erreichen“, blickte er hoffnungsvoll auf eine linke Opposition.
Weiterführende Links:
- RLS (12.3.2026): Wird Trumps Rechnung aufgehen, Loren Balhorn? – https://www.youtube.com/watch?v=ehytzTi-O08
- Die Linke SC-RH (17.1.2026): Aufstieg der radikal Rechten – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/gesellschaft/aufstieg-der-radikal-rechten/
- Die Linke SC-RH (11.12.2025): Demokratischer Sozialismus in New York – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/international/demokratischer-sozialismus-in-new-york/














