Madagaskar: Dürre und Revolte

09. August 2026  International
Geschrieben von Kreisverband

Solche Bilder sieht man in Madagaskar selten. Denn wegen des ausbleibenden Regens müssen viele Kleinbäuer*innen wahrscheinlich ihre Kühe verkaufen, um Geld für Nahrungsmittel zu bekommen (Wikimedia: Hazara, CC BY-SA 4.0)

Massive Dürren und Wasserknappheit führten zu Jugendprotesten und dem Sturz der alten Regierung. Doch die Folgen des Klimawandels sind auch unter der aktuellen Militärregierung spürbar. Deutschlandfunk Kultur blickte auf die Situation in Madagaskar.

Trockenheit und Hunger

Madagaskar ist eines der Länder, die am stärksten von der Klimakrise betroffen sind. Eine Kleinbäuerin erklärt, dass der Fluss bei ihrem Dorf fast völlig ausgetrocknet ist – er führt nur noch zwei Monate im Jahr Wasser. Denn seit Jahren hat es kaum noch Niederschläge gegeben. „Ich kann meine Familie kaum noch mit der Ernte ernähren“, beschreibt sie die Folgen des ausbleibenden Regens. Auf dem Wochenmarkt gibt es Maniok, Reis, Erdnüsse, Kaktusfeigen und Zitronen – noch. Ist die Erntezeit jedoch vorbei, kommt es oftmals zu Hungerphasen mit chronischer Mangelernährung.

UN-Hilfe schwindet

Aufgrund der Dürre sind auch die Angoraziegen, die wertvolle Wolle liefern, in der gesamten Region gestorben. Die Wollproduktion, die zuvor zahlreichen Familien ein Einkommen ermöglicht hat, ist praktisch komplett zerstört. Kommen noch weitere Dürren, werden die Menschen aller Voraussicht nach ihre Schafe und Rinder verkaufen müssen, um sich dafür Lebensmittel kaufen zu können. Mittlerweile ist die Bevölkerung in der Gegend von Lebensmittellieferungen der Welternährungsorganisation abhängig. Über eine Million Menschen leben in „Ernährungsunsicherheit“ – doch die internationalen Hilfsleistungen werden immer weiter zurückgefahren.

Proteste der Jugend

Seit Oktober 2025 ist eine vom Militär gestützte Regierung im Amt, der vorherige Präsident war nach wochenlangen Straßenprotesten der Generation Z ins Exil geflohen. Der staatliche Wasser- und Elektrizitätskonzern ist für seine Korruptionsskandale bekannt – in der Hauptstadt Antananarivo gibt es in den Vierteln der Armen mitunter tagelang kein Wasser. Die Proteste, die Wasserknappheit, mangelnde Stromversorgung und Arbeitslosigkeit anprangerten, gingen von der Universität aus. Nachdem Sicherheitskräfte mit massiver Gewalt reagiert hatten, stellte sich die militärische Elite-Einheit Capsat auf die Seite der Protestbewegung.

Marode Infrastruktur

Das Verfassungsgericht vereidigte den Capsat-Kommandeur als Übergangspräsident, Wahlen sind für Herbst 2027 vorgesehen. Allerdings sind mittlerweile zahlreiche alte Minister wieder im Amt und Aktivist*innen, die einen genauen Wahltermin forderten, wurden festgenommen. Im gesamten Land haben weniger als 40 Prozent der Bevölkerung Zugang zu sauberem Trinkwasser, nur 20 Prozent haben eine Toilette im Haus. 2025 wurde die Insel von drei Zyklonen, gewaltigen Tropenstürmen, getroffen. Zahlreiche Menschen starben unter den einstürzenden Gebäuden. Die maroden Wasserleitungen und -pumpen müssen grundlegend erneuert werden. Ebenfalls ist es notwendig, die Wartung und die Filteranlagen zu verbessern.

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