Mietenkämpfe weltweit

18. November 2025  International
Geschrieben von Kreisverband

„Erhöhe die Mieten“, fordern die „Milliardär*innen gegen Mamdani. Die Gruppe parodiert diejenigen Kräfte, die sich gegen den Mietendeckel des demokratischen Sozialisten stellten. (Wikimedia: Joe Mabel, CC BY-SA 4.0)

Sind Kämpfe um bezahlbaren Wohnraum ein globales Phänomen und was kann man voneinander lernen? Die Rosa-Luxemburg-Stiftung sprach mit Aktivist*innen aus den USA, Spanien, Schottland und Frankreich.

Sozialistischer Bürgermeister

„Es ist die aufregendste Bürgermeisterwahl meines Lebens“, sagte Oksana Miranova mit Blick auf die sozialistische Kampagne von Zohran Mamdani. Zeitgleich habe man es jedoch mit einer offen faschistischen Bundesregierung unter Donald Trump zu tun, „Städte, die von der demokratischen Partei regiert werden, werden bedroht“, blickte die New Yorkerin, die sich auf Wohnpolitik für einkommensschwache Stadtbewohner*innen spezialisiert hat, zurück.

New York: Mieten unbezahlbar

65 Prozent der 8,8 Millionen der in New York lebenden Menschen wohnen zur Miete – für US-Verhältnisse eine sehr hohe Quote. „Die Mietpreisbindung wurde in den neoliberalen 1990er Jahren stark geschwächt“, erinnerte Miranova. Doch 2014 kam es unter den Mieter*innen-Organisationen zu einer massiven Basisarbeit, 2016 wurden viele Mieter*innen-freundliche Kandidaten in das Unterhaus des Bundesstaates New York gewählt. „Heute können sich viele Menschen ihre Wohnung nicht mehr leisten“, erklärte sie. So wurde Miete das zentrale Wahlkampf-Thema und Mamdani mit 50,4 Prozent der abgegebenen Stimmen neuer Bürgermeister von New York City.

Spanien: Ziviler Ungehorsam

„In Madrid explodieren die Mietpreise“, erklärte Miriam Bùe. Die Mieten in der spanischen Hauptstadt seien in den vergangenen fünf Jahren so stark gestiegen wie sonst nirgends auf der Welt. „Platz zwei ist Dubai, Nummer drei Tokio“, sagte die Aktivistin lakonisch. Deshalb habe man Formen des zivilen Ungehorsam entwickelt. „Wenn eine Mieterhöhung kommt, ermutigen wir die Menschen, einfach weiter die ursprüngliche Miete zu zahlen“, nannte sie ein Beispiel. Das Ziel: Auf diese Weise die Vermieter*innen an den Verhandlungstisch zu bringen.

Große Mieter*innen-Streiks

Als ganze Häuserblocks von Heuschrecken-Fonds übernommen worden waren, habe man in Tür-zu-Tür-Gesprächen große Mieter*innen-Streiks organisiert – etwa in Madrid und Katalonien. Ein großes Problem stelle der Tourismus dar, der zu einer Verschiebung von Langzeitmieten für Einwohner*innen hin zu Kurzzeitmieten für Tourist*innen führe. „Mittlerweile weigern sich viele Kommunen, Lizenzen für Airbnb-Vermietungen auszustellen“, nannte Bùe einen Erfolg.

Regierung und Immobilienmarkt

Die Madrider Regierung sei jedoch stark neoliberal geprägt und arbeite eng mit dem Immobilienmarkt zusammen. Trotzdem übe man Druck auf staatliche Institutionen aus, etwa, wenn die Mietpreisbremse illegalerweise abgeschafft worden ist. „Wir haben es geschafft, die Mieter*innenvereinigung zu einer Massengewerkschaft auszubauen“, erklärte sie stolz. Aktueller Streitpunkt sei beispielsweise, dass beim verabschiedeten Wohnungsgesetz die Kurzzeit- und Zimmervermietung ausgenommen sei.

Gewerkschaft Living Rent

„In Edinburgh und Glasgow haben sich die Mieten innerhalb von 10 Jahren verdoppelt“, stellte Emma Saunders fest. Sie ist bei Living Rent, der schottischen Mieter*innengewerkschaft, aktiv. So koste eine Zwei-Zimmer-Wohnung in Edinburgh 1.500 Euro pro Monat, in Glasgow seien es 1.300 Euro. „Das heißt, ein Großteil des Lohns muss für die Miete ausgegeben werden“, mahnte sie. Von den 5,5 Millionen Schott*innen wohnten 15 Prozent zur privaten Miete, 23 Prozent lebten in Sozialwohnungen – der Rest besäße ein Eigenheim.

Schottland: Direkte Aktion

„Mieter*innen wohnen im Durchschnitt drei Jahre in einer Wohnung, dann erhalten sie meist die Kündigung“, beschrieb Saunders die schwierige Situation. Das Organizing-Modell ziele darauf ab, Hilfe gegen drohende Kündigungen, steigende Mieten und kaputte Warmwasser-Boiler zu bieten. „Es gibt einen gemeinsamen Kampf für diese individuellen Fälle mit direkten Aktionen“, erklärte sie. Notwendig seien dafür starke Netzwerke in der Nachbarschaft. Auch setze man sich für Rekommunalisierung des ÖPNV, Mietpreiskontrolle und eine Tourismus-Steuer ein.

Frankreich: Wohnen ist unbezahlbar

„In Paris, Bordeaux, Lyon und Marseille steigen die Preise immer mehr“, zeichnete Samir Amziane ein ähnliches Bild von Frankreich. Um in Paris eine Wohnung zu kaufen, brauche man mittlerweile 10.000 Euro – pro Quadratmeter, führte das Mitglied der Kommunistischen Partei aus. Damit sei die französische Hauptstadt doppelt so teuer wie Berlin. Aber auch die Mieten seien für normale Menschen unbezahlbar. „Das führt mitunter dazu, dass Wohnungen leerstehen, weil sie sich niemand leisten kann“, sagte er. Die Wartelisten für eine Sozialwohnung betrage mehrere Jahre – Folgen einer drastischen neoliberalen Austeritätspolitik.

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