Sudan: Krieg ohne Ende

26. August 2026  International
Geschrieben von Kreisverband

Der seit 2023 andauernde Krieg zwischen der sudanesischen Armee und den Rapid Support Forces führt zur weltweit größten humanitären Katastrophe – hier ein Flüchtlingslager im Tschad. (Henry Wilkins/VOA, gemeinfrei)

Der Krieg im Sudan dauert schon 3 Jahre an, da westliche Verbündete den Konfliktparteien bereitwillig modernste Waffen liefern. Mehr als 150.000 Menschen sind bis jetzt gestorben, ein Ende nicht in Sicht, stellte Deutschlandfunk Kultur fest.

Zivilist*innen im Kreuzfeuer

Die 16-jährige Nuun wird von ihrem Vater im Rollstuhl durch die staubigen Straßen geschoben. Jeden Morgen muss die Jugendliche, die Verletzungen an Hüfte, Bein und Hand hat, von ihren Eltern aus dem Bett ins Bad getragen werden. „Wir liefen die Straße entlang“, erinnert sie sich an den Tag vor 2 Jahren. Sie sagte zu ihrer Schwester, sie sollten für ihre Besorgungen lieber nicht die Hauptstraße nehmen – sie sei zu gefährlich. „Dann fielen Schüsse. Ich fiel und wurde ohnmächtig.“ Die beiden Mädchen waren ins Kreuzfeuer der sudanesischen Armee und der Rapid Support Forces (RSF) geraten, die sich heftige Straßenkämpfe lieferten.

Über 150.000 Tote

Während Nuuns Schwester starb, überlebte sie selbst – musste allerdings 6 Wochen lang im Krankenhaus gepflegt werden. Fast jede Familie im Sudan hat Angehörige verloren oder muss sich um Verletzte kümmern, seit es 2023 zum Kampf zwischen Armeechef Abdel Fattah Burhan und Mohammed Hamdan Daglo, dem Anführer der RSF, gekommen ist. Die beiden Generäle führen dabei sowohl einen Krieg gegen die jeweils gegnerische Militäreinheit – wie auch gegen die Zivilbevölkerung. Die Vereinten Nationen gehen mittlerweile von mehr als 150.000 Toten aus.

Massaker an Bevölkerung

Flüchtlingslager werden beschossen, in Dörfern und Städten kommt es zu Vergewaltigungen und Massakern an den Einwohner*innen. „Kriegsverbrechen sind an der Tagesordnung“, zieht Roman Deckert, der sich seit 1997 mit dem Land auseinandersetzt, eine bittere Bilanz. Denn beide Seiten veröffentlichen ihre Taten auf Instagram und Tiktok. Allerdings begehe nur die RSF einen Völkermord. Sie kesselte Al-Faschir, die Hauptstadt des Bundesstaates Nord-Dafur, mehr als ein Jahr lang ein, um die Bevölkerung auszuhungern. Im Oktober 2025 marschierten ihre Truppen dann ein und massakrierten tausende Menschen, zehntausende werden bis heute noch vermisst. Beobachter*innen gehen von 60.000 Toten aus.

Kampf ohne Kompromisse

In der sudanesischen Hauptstadt Khartum sind an den Häuserfassaden überall Einschusslöcher und an den Straßenrändern ausgebrannte Panzer zu sehen. Nachdem die Armee die Region im Frühjahr 2025 zurückeroberte, ist dort wieder so etwas wie Alltag möglich. Schulen haben geöffnet. Auch in Kulturzentren ist Leben, erklingt Musik, es wird für ein Theaterstück geprobt. Allerdings gehören auch hier Drohnenangriffe der RSF zur „Normalität“. RSF-Chef Daglo erklärte, er werde auch noch weitere 21 Jahre gegen die Armee kämpfen – so lange, bis sich die Kräfteverhältnisse zu seinen Gunsten verändern. Armeechef Burhan erwiderte, ein Umgang mit den RSF-Angehörigen sei „unmöglich“.

Verbündete des Westens

Beide Parteien erhalten kontinuierlich Waffenlieferungen von ihren regionalen Partnern. Die Armee wird von Saudi-Arabien, Ägypten und der Türkei unterstützt, die RSF von den Vereinigten Arabischen Emiraten. „Bei den westlichen Staaten fehlt der politische Wille, Druck auf die Verbündeten auszuüben“, kritisierte Deckert. Schließlich könne ein umfassendes Waffen-Embargo bessere Bedingungen für die Zukunft schaffen. „Die RSF war im Jemen-Krieg aufseiten der Koalition von Saudi-Arabien und den Emiraten gegen die Huthi-Rebellen eingesetzt“, rief der Friedensforscher Gerrit Kurtz von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Erinnerung.

Emirate gegen Saud-Arabien

Als 2023 der Krieg im Sudan ausbrach, unterstützten die Emirate die RSF, um gegen die sudanesischen Muslimbrüder vorzugehen. Unter dem früheren Diktator Umar al-Baschir war sie eine ideologische Stütze des islamistischen Regimes. Über die militärische Hilfe zur RSF wollen die Emirate ihren Einfluss im Sudan gegenüber dem Konkurrenten Saudi-Arabien, der die sudanesische Armee unterstützt, ausbauen. So kaufen die Emirate chinesische Drohnen und liefern sie an die RSF, während die Armee mit Modellen aus der Türkei ausgestattet wird. Damit findet der Krieg auch weit hinter der Frontlinie im eigentlich „sicheren“ Hinterland statt.

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