Weltunordnung: Nepal – Aufstand der Jugend

14. Januar 2026  International
Geschrieben von Kreisverband

Grafik: Rosa-Luxemburg-Stiftung

Wie linke Parteien nach einer Revolution korrumpiert und schließlich von einem Volksaufstand selbst hinweggefegt werden, schilderte Britta Petersen am Beispiel Nepals. In „Weltunordnung“, dem internationalen Podcast der Rosa-Luxemburg-Stiftung, sprach sie über die Jugendproteste in dem kleinen Himalaya-Land.

Korrupte Regierungsparteien

„In Nepal hat es eine große Unzufriedenheit in der Bevölkerung gegeben“, bilanzierte Britta Petersen. Von 1980 bis 2008 hatte das einst von einem König regierte Land einen maoistischen Aufstand, eine Revolution und verschiedene linke Regierungskoalitionen erlebt. Doch die regierenden Parteien setzten die Forderungen der Menschen nicht um – vielmehr häuften die kommunistischen Politiker*innen selbst ein großen Vermögen an, ihre Kinder stellten auf Social Media einen luxuriösen Lebensstil zur Schau. Für die normalen Bürger*innen hingegen gab es kaum Aufstiegsmöglichkeiten.

Elitäres Kasten-System

Die maoistischen oder leninistisch-marxistischen Machthaber behielten die gesellschaftlichen Kasten-Regeln bei, die die hierarchische Struktur zementierten. „In der Regierung sitzen fast ausschließlich Brahmanen, also Vertreter*innen der ehemaligen Priester- und Kriegerkaste“, erklärte die Leiterin des Rosa-Luxemburg-Büros in Indien. Frauen, die an der Revolution einen großen Anteil gehabt hatten, wurden kaum beachtet.

Indien und China

Nepal ist ein kleines Land zwischen Indien und China. Stark agrarisch geprägt und in der Himalaya-Region gelegen, existiert kein nennenswerter Industrie-Sektor, ein Großteil der Staatseinnahmen geht auf den Tourismus zurück. Die indischen Hindu-Nationalist*innen unter Premierminister Narendra Modi pflegen engen Kontakt zu den alten royalistischen Kräften in Nepal. Der indische Bundesstaat Bihar hat eine sehr lange Grenze zu dem Nachbarland, auf beiden Seiten spricht man den selben Dialekt. Auch gäbe es rege Handelsbeziehungen. Gleichzeitig betreiben auch viele Chines*innen Geschäfte in Nepal, die Volksrepublik investiere viel in das Land. „China hat in Pokhara, dem Ausgangspunkt für die Himalaya-Expeditionen, einen internationalen Flughafen gebaut“, nannte Petersen ein Beispiel.

Klassenarbeit statt Parlamentarismus

Nach den Jugendprotesten und dem Sturz der Regierung führt nun die Verfassungsrechtlerin Sushila Karki die Übergangsregierung an, für März 2026 sind Neuwahlen angesetzt. Dabei sei es entscheidend, ob es eine Kraft gebe, die die Unzufriedenheit der Menschen bündeln und in ein politisches Programm umsetzen könne – als Alternative zu den bisherigen etablierten linken Parteien, analysierte sie. Diese würden ausschließlich von alten Männern dominiert. „Eine charismatische Persönlichkeit, die die Jugend anspricht, sucht man vergebens“, beschrieb sie das Dilemma. Einen möglichen Lösungsansatz sah sie in klassenspezifischer Basisarbeit. „Eine Partner*innen-Organisation ermöglicht Dalit-Frauen – der untersten Kaste der „Unberührbaren“ – den Zugang zu Schulen“, erklärte Petersen. Dort könnten die Marginalisierten eine eigene Stimme entwickeln.

Jugendproteste überall

Doch die Proteste im September 2025 in Nepal sind kein Einzelfall. In Sri Lanka musste die autoritäre Regierung unter Mahinda Rajapaksa 2022 wegen Massenprotesten zurücktreten, im ebenfalls autoritär regierten Bangladesch wurde die Regierung 2024 durch langanhaltende Demonstrationen gestürzt. „Die wirtschaftliche Lage bietet keine Perspektiven, die Menschen habe die Nase voll von den Regierungen“, fasste Petersen die Stimmung der Bevölkerung zusammen. Denn in allen Ländern – wie auch in Indien – sei die Jugendarbeitslosigkeit riesengroß. „Der Kapitalismus ist nicht in der Lage, sein Versprechen einzulösen“, hielt sie fest. So profitierten nur wenige vom System.

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