
Wie ist das Regime aus Ajatollah und Revolutionsgarden, gegen das täglich unzählige Menschen im Iran auf die Straße gehen, aufgebaut – und welche Rolle spielen die Monarchist*innen um Kronprinz Reza Pahlavi? Diesen Fragen ging der internationale Podcast der Rosa-Luxemburg-Stiftung nach.
Der Führer
Mit der Revolution von 1978 wurde der Schah abgesetzt, 1979 kam Ruhollah Chomeini aus seinem französischen Exil in den Iran und fand verschiedene islamistische, aber auch nationalistische und linke Kräfte vor. „Jede Gruppe hatte andere Vorstellungen, was nach dem Ende der Pahlavi-Dynastie kommen soll“, veranschaulichte Tareq Sydiq die heterogene politische Situation. Chomeini setzte die Führerschaft der Rechtsgelehrten – also seine eigene – durch, die auch in die Verfassung aufgenommen wurde. „Er argumentierte, dass sowohl das Parlament wie auch der Präsident und der Klerus demokratisch gewählt werden“, erläuterte der Iran-Experte.
Ajatollah oder Präsident?
Doch mittelfristig kam es mehr und mehr zu einer Machtkonzentration auf die Person des Ajatollahs. Die Rolle des obersten Religionsführers wurde theokratisch legitimiert, der schiitische Klerus stellt die dominante Klasse dar, aus der sich alles andere ableitet. „Viele politischen und ökonomischen Stakeholder sind dem Ajatollah direkt rechenschaftspflichtig“, erklärte Sydiq. Denn neben den staatlichen Strukturen wie Präsident, Ministerien und Parlament operierten auch die Revolutionsgarden oder wirtschaftliche Stiftungen – die jedoch auf den Führer zugeschnitten seien.
Die Revolutionsgarden
Die Revolutionsgarden avancierten im Iran-Irak-Krieg zu Elite-Einheiten, die aber auch im Inneren gegen Oppositionelle vorgingen und ein Gegengewicht zur traditionellen Armee bildeten – und so der Gefahr eines möglichen Militärputsches vorbeugen sollten. „Seit den 2000er Jahren haben sie auch massiven Einfluss auf große Wirtschaftsbereiche und unterhalten enge Kontakte zu zahlreichen Milizen in der Region“, sagte der Wissenschaftler am Zentrum für Konfliktforschung der Universität Marburg. So stellten sie im benachbarten Iran einen eigenen Machtfaktor dar. Sie sind entkoppelt von der iranischen Gesellschaft – leben etwa in eigenen Stadtvierteln, haben eigene Schulen und Krankenhäuser und hängen einer auf den Religionsführer fixierten Ideologie an.
Frau, Leben, Freiheit
Wie die Revolutionsgarden profitierten auch viele weitere Menschen von dem gigantischen Staatsapparat, in den verschiedenen Wirtschaftsbereichen oder den militärischen Organisationen. Doch habe der massive Verfall des Wechselkurses Ende 2025 zu Protesten der Händler auf dem Basar geführt, dem sich zahlreiche Unzufriedene anschlossen. „Für die Frau-Leben-Freiheit-Proteste 2022 infolge der Tötung von Jina Mahsa Amini war der Widerstand gegen die staatliche Gewalt und der Kopftuchzwang zentral“, zeigte er Unterschiede zu den vorherigen Bewegungen auf. Damals hätte es vor allem in Regionen mit sunnitischen Minderheiten, etwa den Kurd*innen, Demonstrationen gegeben. In den Städten seien die Proteste von Feminist*innen vorangetrieben worden, denen sich Arbeiter*innen anschlossen, die ihre Betriebe bestreikten.
Geheimdienst foltert
In monarchistischen Kreisen gilt Kronprinz Reza Pahlavi als zentrale Figur und Projektionsfläche. Er selbst spricht von sich als einer Übergangsfigur, die die Macht wieder abgeben werde. Im US-amerikanischen Exil war er bisher in keinerlei Parteiarbeit eingebunden. Nach der Iranischen Revolution musste ein Großteil der Anhänger*innen des Ancien Regime das Land verlassen, so dass sie in der Diaspora bis heute mitunter eine tonangebende Gruppe bilden. „Die Herrschaft des Schahs wird als westlich-liberal verklärt, während die Gewalt des islamischen Regimes für alle sichtbar ist“, erläuterte der Protestforscher. Dabei folterte SAVAK, der Geheimdienst des Schahs, Oppositionelle und ließ sie verschwinden, es wurden ethnische Minderheiten unterdrückt und ein autokratisches Herrschaftssystem entwickelt.
Hilfe per Snowflake-Proxys
„Die Monarchist*innen sind eine nationalistische Bewegung, die auf Kritik von Journalist*innen oftmals mit Morddrohungen reagieren“, gab er zu Bedenken. Im Iran scheinen sie kaum Rückhalt in der Gesellschaft zu haben – im Gegensatz zu protestierenden Studierenden, Arbeiter*innen und auch der feministischen Bewegung. Allerdings könnten diese in Teheran nicht so frei agieren wie die Pahlavi-Anhänger*innen bei öffentlichen Kundgebungen in Frankfurt am Main. „Aktuell gibt es keine Absetzbewegungen innerhalb des Staates“, sprach Sydiq über die Stabilität des Regimes. Die Unterdrückung und die Gewalt werde fortgeführt. Er empfahl, als Unterstützung der Aktivist*innen in Iran, am heimischen Rechner einen Snowflake-Proxys zu installieren, damit so die Internet-Zensur in der Islamischen Republik umgangen werden könne.
Weiterführende Links:
- RLS (29.1.2026): Was braucht es, um das Mullah-Regime im Iran zu stürzen? – https://www.youtube.com/watch?v=8O5ODci2HSg
- RLS (18.7.2025): Iran. Frau, Leben, Freiheit – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/international/iran-frau-leben-freiheit/
- Tor-Project: Snowflake – https://support.torproject.org/de/anti-censorship/running-snowflake/














