
Welche Folgen können die Annexionswünsche Donald Trumps für Grönland haben und wie ändert diese Geopolitik das Verhältnis zur einstigen Kolonialmacht Dänemark? Damit beschäftigte sich „Weltunordnung“, der internationale Podcast der Rosa-Luxemburg-Stiftung.
Alle umwerben Grönland
Die Arktis ist kein fest umrissenes Gebiet, sondern wird meist als alles, was sich nördlich des Nordpolarkreises befindet, verstanden. Damit umfasst sie Territorien von acht Staaten: Dänemark (und damit Grönland), Finnland, Island, Norwegen, Schweden, Kanada, die USA und Russland. „Bisher wurden Grönländer*innen als Almosen-Empfänger*innen von Dänemark gesehen“, beschrieb Ebbe Volquardsen die Situation. Nach den Annexionsforderungen von US-Präsident Donald Trump stünden sie nun jedoch als „die Starken“ da, die von der ganzen Welt umworben würden. „So hat die Insel an Verhandlungsmacht gewonnen und Dänemark hat verstanden, wie wichtig Grönland ist“, erläuterte der Skandinavist die Konsequenzen.
Rassismus in Dänemark
Dadurch konnte Grönland Mitsprache in der Außenpolitik und eine Aufarbeitung der kolonialen Übergriffe erreichen. Allerdings genießen Grönländer*innen, die nach Dänemark ziehen, selbst heutzutage keine Rechtssicherheit und müssen systematischen Rassismus befürchten. „Für sie ist es viel wahrscheinlicher, dass ihnen ihre Kinder von staatlichen Institutionen weggenommen werden – aufgrund von kulturellen Vorurteilen“, gab der Professor für Kulturgeschichte in Nuuk/Grönland zu bedenken. In den 1960er Jahren galt Grönland offiziell nicht mehr als Kolonie Dänemarks, sondern wurde als gleichberechtigte Provinz des Königreichs geführt.
Kinderverschleppung und Spiralenskandal
Die dort lebende Gesellschaft halbnomadischer Robbenfänger*innen musste sich dadurch an den dänischen Wohlfahrtsstaat assimilieren. Dänemark schickte 10.000 Handwerker, die alles – Schulen, Krankenhäuser, Hafenanlagen – nach den Vorgaben aus Kopenhagen errichteten. Für die Menschen vor Ort führte die Assimilation jedoch nicht zur Gleichberechtigung. „Die Kinder wurden aufs Festland verschleppt, um sie nach dänischem Vorbild zu erziehen“, nannte Volquardsen ein Beispiel. Jeder zweiten gebärfähigen jungen Frau auf Grönland wurde ohne ihr Wissen eine Spirale eingesetzt, um das Bevölkerungswachstum zu minimieren – der „Spiralenskandal“.
Neues kulturelles Bewusstsein
Doch durch die voranschreitende Digitalisierung habe sich in den vergangenen Jahren viel geändert. Kaum jemand sehe noch das dänische Fernsehen – vielmehr würden fast ausschließlich Videos von Native Americans und Kanadier*innen gestreamt. „Das schafft ein ganz anderes kulturelles Gefühl“, betonte er das neu gewonnene Selbstbewusstsein. Es könnte auch sein, dass man langsam auf dem Weg zu einer Föderation zwischen den unabhängigen Völkern Grönlands, der Färöer-Inseln und Dänemarks sei, gab der Politikwissenschaftler einen hoffnungsvollen Ausblick.
USA ziehen Truppen ab
Für die US-amerikanischen Frühwarnsysteme zur Raketenabwehr ist Grönland unverzichtbar. Deshalb besteht diesbezüglich seit 1951 ein sehr enges Verteidigungsabkommen zwischen den Vereinigten Staaten und Dänemark. So waren währen des Kalten Krieges beispielsweise 10.000 US-Soldaten auf der Thule-Airbase stationiert. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde die Zahl seitens Washingtons auf 300 reduziert. Im Zuge dessen wurden auch viele US-Militärbasen einfach geschlossen. „Es gibt kaum Straßen. Transporte sind meist nur per Schiff an der Küste entlang oder per Inlandsflug über die Insel hinweg möglich“, kam der Wissenschaftler auf die mangelnde Infrastruktur zu sprechen. Um die seltenen Erden auszubeuten, müssten also erst einmal Verkehrswege geschaffen und dann noch die benötigten Arbeitskräfte ins Land geholt werden. Und das sei mit unglaublich hohen Investitionskosten verbunden.
Arktischer Rat ist zerbrochen
Den Begründungen Trumps für eine US-Annexion hielt Volquardsen entgegen, dass es in der Arktis um Grönland herum keine chinesischen Schiffe gäbe. Zwar hätte eine chinesische Firma den Zuschlag für den Tower des Flughafens von Nuuk, der Hauptstadt Grönlands, erhalten – nach US-amerikanischem Druck machte Dänemark die Vergabe jedoch wieder rückgängig. Die Zukunft sah er sehr konfliktbeladen. „Ich glaube nicht, dass der ,Arktische Rat’ – also die acht Anrainerstaaten sowie die indigenen Völker der Inuit und der Samen – jemals wieder zum gemeinsamen Gesprächsort wird“, zeigte er sich pessimistisch.
Weiterführende Links:
- RLS (26.2.2026): Wem gehört die Arktis, Ebbe Volquardsen? – https://www.youtube.com/watch?v=eAn-i3lxmtE
- Die Linke SC-RH (21.1.2026): Grönland und die Kolonialmacht Dänemark – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/international/groenland-und-die-kolonialmacht-daenemark/
- Die Linke SC-RH (14.6.2022): Europas Kolonien. Gewinnsucht und Ausbeutung – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/geschichte/europas-kolonien-gewinnsucht-und-ausbeutung/














