
Seit dem 28. Februar 2026 bombardieren die USA und Israel den Iran. „Weltunordnung“, der internationale Podcast der Rosa-Luxemburg-Stiftung, ging der Frage nach, ob diese Eskalation die Region am Golf sicherer gemacht hat und wie es für die Zivilbevölkerung in der Islamischen Republik weitergehen könne.
Angereichertes Uran
Die USA führen einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen Iran. „Laut der New York Times ist Donald Trump durch Netanjahu von einem schnellen Krieg ausgegangen“, sprach Diba Mirzaei die Verbindungen zwischen dem US-Präsidenten und dem israelischen Premierminister an. Der Plan: Nach massiven Bombardierungen und der Tötung diverser Führungspersönlichkeiten würde die iranische Bevölkerung auf die Straße gehen und den Rest erledigen. Der US-amerikanische Angriff war mit der Verhinderung einer iranischen Atombombe begründet. Zwar verfüge das Land über rund 400 kg hochangereichertes Uran. „Der Bericht der Internationalen Atomenergie-Behörde vom Mai 2025 zeigt, dass der Iran über kein strukturiertes Waffenprogramm verfügt“, erklärte die Politikwissenschaftlerin.
Kriegsziele nicht erreicht
Doch ist es genau die Argumentation, die Netanjahu seit den 1990er-Jahren verfolgt – bis zum erfolgreichen Kriegseintritt der USA. Expert*innen-Einschätzungen zufolge habe Israel ein Interesse an einem Failed-State-Szenario mit bürgerkriegsähnlichen Zuständen in Iran, so dass das Land auf Jahrzehnte hinaus geschwächt sei. Eine reale Gefahr für den Staat Israel solle dadurch ausgeschlossen werden. „Die US-amerikanischen Kriegsziele wie ein Regime-Change oder die Zerstörung des iranischen Raketen- und Drohnen-Arsenals wurden nicht erreicht“, bilanzierte sie. Vielmehr sei die Blockade der Straße von Hormus zu einem massiven wirtschaftlichen Problem für die Vereinigten Staaten geworden. „Und im Herbst stehen die Midterm-Wahlen an“, blickte Mirzaei auf die politische Zukunft der Republikaner.
Emirate und Saudi-Arabien
Die USA begannen diesen Krieg, obwohl die meisten der mit ihnen verbündeten Golfstaaten vor solch einer Eskalation warnten. „Sie waren sich bewusst, dass sie die Opfer der massiven iranischen Luftschläge werden würden“, erläuterte die Wissenschaftlerin. Infolgedessen führte der Iran rund 3.000 Angriffe mit Drohen oder Raketen auf die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) aus. Saudi-Arabien verurteilte den US-amerikanischen Angriff und positionierte sich neutral. Verteidigungspolitisch will die wahhabitische Monarchie künftig verstärkt mit der Türkei und Pakistan kooperieren – nicht mit den USA. „Gleichzeitig kämpfen Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate im Jemen und Sudan gegeneinander“, rief sie in Erinnerung. Das Ziel: Die Führungsrolle in der arabischen Welt.
Sicherheitsforum nötig
Im Zuge dessen waren die VAE auch aus der OPEC ausgetreten. Der Zusammenschluss erdölfördernder Staaten am Golf reglementierte die Fördermenge für jedes Mitgliedsland fest, um so die Funktion eines Kartells zu übernehmen. „Es wäre gut, wenn alle Staaten ein gemeinsames Sicherheitsforum bilden würden, um Differenzen diplomatisch – nicht militärisch – zu lösen“, wünschte sich Mirzaei für die Region. Dem solle dann auch Iran angehören. Im Dezember 2025 war es dort zu Protesten gegen die schlechte wirtschaftliche Lage gekommen, die sich schnell ausweiteten. „Millionen von Menschen forderten den Sturz der Islamischen Republik“, blickte sie zurück.
Massaker in Iran
Das Regime gab den Schießbefehl. Mittlerweile könne man von 20.000 toten Zivilist*innen ausgehen. Doch welche Entwicklungen sind in dem Land denkbar? „Es könnte zu einer Militärdiktatur kommen, die zwar sehr autoritär regiert, aber der Bevölkerung mehr Freiheiten zugesteht als das aktuelle Regime“, überlegte Mirzaei. Durch die Aufnahme von Kontakten zu westlichen Staaten könne es möglicherweise zu einem langsamen Wandel im Inneren kommen, so ihre Hoffnung.
Weiterführende Links:
- RLS (7.5.2026): Wer profitiert vom Iran-Krieg, Diba Mirzaei? – https://www.youtube.com/watch?v=COIFeJVV5oo
- Die Linke SC-RH (16.2.2026): Weltunordnung. Proteste im Iran – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/international/weltunordnung-proteste-im-iran/
- Die Linke SC-RH (19.12.2025): Sudan. Der ignorierte Krieg – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/international/sudan-der-ignorierte-krieg/














