Rosa Luxemburg im Film

12. Januar 2026  Kultur
Geschrieben von Kreisverband

Porträt von Rosa Luxemburg, Ende des 19. Jahrhunderts (gemeinfrei).

Ein großes Mitgefühl, aber auch eine Begeisterung für die Revolution machte die Regisseurin Margarethe von Trotta bei Rosa-Luxemburg aus. Mit der parteinahen Stiftung der Linken sprach sie über die Hauptfigur ihres monumentalen Films von 1986.

Gefühlvolle Revolutionärin

„Sie hielt stundenlange Reden, mit denen sie die Leute begeisterte“, beschrieb Margarethe von Trotta das Haupt-Agitationsmittel von Rosa Luxemburg. In ihren Briefen zeigte sie sich gegenüber ihren Freund*innen sehr zärtlich und verständnisvoll, das Leid anderer rührte sie zu Tränen. „Als ihre Katze auf dem Balkon einen Vogel fing und tötete, weinte sie bitterlich um das gestorbene Lebewesen“, beschrieb sie die Empathie der sozialistischen Revolutionärin. Am 15. Januar 1919 wurde sie von den Soldaten der Garde-Kavallerie-Schützen-Division zuerst mit Gewehrkolben erschlagen, dann im Auto erschossen, um schließlich in den Landwehr-Kanal geworfen zu werden.

Der weibliche Blick

„Die Rosa-Luxemburg-Verfilmung war das letzte Projekt von Rainer Werner Fassbinder“, erinnerte sich die Regisseurin. Doch nachdem der wohl wichtigste Vertreter des Neuen Deutschen Films 1982 gestorben war, trat dessen Produzent an von Trotta heran mit der Bitte, das Werk zu vollenden. „Es wäre der fünfte Film gewesen, den ich überhaupt gedreht hätte“, beschrieb sie eindrücklich ihre Sorgen vor dieser großen Verantwortung. Doch die Argumente – sie sei eine enge Freundin Fassbinders gewesen und hätte als Regisseurin einen weiblichen Blick auf die Frau Rosa Luxemburg – ließen sie schließlich zusagen.

Revolution oder Familie?

Daraufhin habe sie sich zwei Jahre lang in die Schriften und die damals noch unveröffentlichten Briefwechsel Luxemburgs eingelesen, um sich mit ihr als Person auseinanderzusetzen. „Da wurde mir erst ihre wunderbare Sprache bewusst“, gestand sie. Ihre Forschungen führten auch zu einer engen Freundschaft mit der DDR-Expertin Annelies Laschitza. „Ihr Lebenspartner Leo Jogiches wollte all ihre publizistische Energie, um die Revolution voranzutreiben – persönlichen Emotionen und ihrem Kinderwunsch stand er distanziert gegenüber“, charakterisierte von Trotta die widersprüchliche Beziehung Luxemburgs.

Blutiges Jahrhundert

Diese sei nicht nur eine starke Kämpferin gewesen, sondern habe auch eine melancholische Seite besessen. Gleichzeitig hätte die im Gefängnis Inhaftierte ihren Parteigenoss*innen in Freiheit Mut gemacht, ihr antimilitaristisches Engagement fortzusetzen. Im Film gibt es eine Szene von Silvester-1899, bei der der SPD-Vorsitzende August Bebel eine visionär-positivistische Rede auf das neue Jahrhundert hält – im Hintergrund ein Banner mit lauter roten Nelken. „Für mich ist das das Symbol für einen riesengroßen Blutfleck“, erklärte die Regisseurin mit Verweis auf das Massensterben im Ersten Weltkrieg. Und auch in einer der letzten Einstellungen – im Hotel Eden wird die gefangengenommene Revolutionärin die Treppe hinab zum wartenden Auto geführt – stehen die roten Teppichläufer, über die Luxemburg geht, für den gewaltigen Blutstrom, der das 20. Jahrhundert durchziehen wird.

Nationalismus und Stalinismus

In der DDR wurden Luxemburgs Schriften – vor allem die mit Thema „Demokratie“ – lange verschwiegen. Als von Trotta anlässlich der Filmvorführung im Forum der Akademie der Künste in Ostberlin war, wurde sie von einem kommunistisch-reaktionären Teilnehmer dafür kritisiert, dass der Film es versäume, die Gründung der KPD darzustellen. „Ich sagte ihm, dass Luxemburg, wäre sie nicht von den nationalistischen Freikorps-Soldaten ermordet worden, kurze Zeit später den stalinistischen Hinrichtungen zum Opfer gefallen wäre“, erklärte die westdeutsche Regisseurin. Erst nach dem Mauerfall erfuhr sie, dass die Historikerin Laschitza, die dieser Aussage nicht widersprochen hatte, deshalb ihres Postens enthoben werden hätte sollen.

Interesse an Luxemburg

Nachdem der Film anfangs auch in der DDR in den Kinos gezeigt wurde, bekam die Regisseurin bei anschließenden Publikumsgesprächen auch die Frage gestellt, ob Luxemburg, würde sie heute leben, sich denn im Arbeiter- und Bauernstaat niedergelassen hätte. „Da bekam ich es mit der Angst um die Fragesteller*innen zu tun“, gestand von Trotta offen. Auch die SED-Führung reagierte und setzte den Film in einigen Städten, wie etwa Rostock, ab. In der Bundesrepublik war der Film hingegen ein riesiger Erfolg. Und nicht nur das. „Nach der Ausstrahlung im Kino lagen auch in den Buchläden die Schriften Luxemburgs aus“, erinnerte sie sich. Und: „Die Menschen haben ihre Bücher gekauft.“

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