Die Linke überzeugt

04. März 2026  Politik
Geschrieben von Redaktion

Ein Jahr nach der Pressekonferenz zur Bundestagswahl 2025 haben Ines Schwerdtner, Heidi Reichinnek und Jan van Aken nichts von ihrem Elan verloren. (Martin Heinlein/Die Linke, CC BY 2.0)

Ein Mitgliederzuwachs von gut 100 Prozent, darunter viele junge Menschen und ein klarer Fokus auf soziale Themen – das ist das Resultat ein Jahr nach der Bundestagswahl. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung beleuchtete, wie es der Partei gelingt, bundesweit Themen zu setzen und so für ein besseres Leben für alle einzutreten.

Heidi Reichinnek in Nürnberg

„Bei einer Veranstaltung in Nürnberg kamen über 500 Leute – da dachte ich: ,Wow – wir haben es geschafft, dass da was ins Rollen gekommen ist’“, blickte Heidi Reichinnek auf den vergangenen Bundestagswahlkampf zurück. Über den Auftritt im Cinecittà Mitte Januar 2025 schrieb die taz: „Der Applaus klingt dann eher nach Popkonzert als nach einer Rede über ein Wahlprogramm. Reichinnek verneigt sich. ,Heidi, Heidi, Heidi’, rufen Besucher*innen. Viele stehen auf. Der Applaus endet noch immer nicht. Reichinnek wischt sich die Augen. Das Publikum klatscht weiter. ,Freunde, ihr macht Heidi verlegen, nochmal richtig’, ruft Direktkandidat Titus Schüller in den Saal.“ Die Menschen haben wieder Hoffnung und wollen Mitglied werden, um die Partei zu unterstützen. „Jetzt sind so viele Menschen an unserer Seite“, ist die Fraktionsvorsitzende der Linken dankbar. Im Mai 2025 hatte die Partei gut 120.000 Mitglieder – die Zahl ihrer Genoss*innen hat sich innerhalb eines Jahres also praktisch verdoppelt.

Klima als Klassenfrage

Alle Konflikte seien am Ende auf die Verteilungs- und Eigentumsfrage zurückzuführen, erläuterte sie. Besonders stark von der Klimakatastrophe seien die Menschen der Länder betroffen, wo die Krise schon massiv spürbar ist. „Wenige Überreiche können sich vor den Konsequenzen schützen, die Mehrheit aber eben nicht“, kam sie auf die Klimakrise als Klassenfrage zu sprechen. Bei der Forderung nach gleicher Bezahlung oder Schutz vor Gewalt gehe es auch immer darum, wie Ressourcen, Aufmerksamkeit und Macht verteilt sei – diese hätten meist die Männern und nur selten Frauen.

Für ein besseres Leben

Ähnlich sei es auch in der Wohnungsfrage. Denn bei bezahlbaren Mieten und Wohnungsnot sein queere Personen und Menschen mit Migrationshintergrund, die alle Diskriminierungserfahrungen haben, ebenso betroffen wie Azubis oder Studis, deren Gehalt vorne und hinten nicht für die Miete reiche. „Wir werden alle Ressourcen nutzen, um mit den Menschen das Leben besser zu machen“, versprach Reichinnek. Denn der Wille dazu sei vorhanden. Als die Union im Januar 2025 gemeinsam mit AfD, FDP und BSW für eine schärfere Migrationspolitik stimmte, brachte das Millionen Menschen auf die Straße. Im Dezember demonstrierten Schüler*innen gegen die Wehrpflicht, aktuell streiken Beschäftigte für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen.

Die Linke überzeugt

„Viele haben Die Linke gewählt, weil sie von der Ampel-Regierung enttäuscht waren“, analysierte Daniel Bax die Ergebnisse der Bundestagswahl 2025. Das Angebot der Linken habe überzeugt, da es eine klare Fokussierung auf soziale Themen hatte. Auch stellte die Partei eine große Bandbreite an Persönlichkeiten auf, die in viele Milieus anschlussfähig waren. Der Gesamtauftritt sei sehr geschlossen gewesen, denn – „als Sahra Wagenknecht austrat, war für die Menschen wieder klar, wofür die Linke steht“, erläuterte der Autor des Buches „Die neue Lust auf links“. So unterscheide sich Die Linke fundamental in Sachen Antifaschismus, Klima und Migration von den Positionen des BSW.

Attraktiv für junge Menschen

Das Kernthema der Linken sei die soziale Gerechtigkeit. „Der Heizkosten-Check, Sozialberatungsangebote und der direkte Haustürwahlkampf zeigen das“, nannte er einprägsame Beispiele. Denn das Setzen von sozialen Themen durch Die Linke habe nun dazu geführt, dass selbst die CDU über eine Vermögenssteuer spreche. Und dass bei deren Parteitag in Stuttgart verbal auf die sozialistische Partei eingedroschen worden sei, habe gezeigt: Die Linke ist ein ernstzunehmender Gegner für die Union. Der Landtagswahlkampf der Grünen in Baden-Württemberg lasse eine andere Botschaft erkennen – und zwar: Alles soll so bleiben wie es ist. „Die Grünen stehen nicht für eine radikale Weltveränderung – da verlieren sie vor allem unter jungen Menschen an Unterstützung“, sagte Bax. Und: „Die Linke hat einfach ein attraktiveres Angebot.“

Miete und Heizkosten

„Die Fokussierung auf reiche Menschen in der Kommunikation hat wirklich geholfen“, lobte Helena Steinhaus die Strategie der Linken. So werde man gesellschaftlich geschult, den Blick nach oben zu wenden, fand die Gründerin des Vereins „Sanktionsfrei“. „Bisher drehte sich die Debatte nur um Geringverdienende und deren Lohnabstand zu Bürgergeld-Empfänger*innen – das versucht die Linke zu ändern“, sagte sie. Der Verein unterstützt von Sanktionen Betroffene schnell und unbürokratisch finanziell, um ihre existenzielle Notlage auszugleichen. „Im Wahlkampf der Linken haben sich viele unserer Klienten repräsentiert gefühlt, da es konkret um Mieten, Heizkosten und zu geringe Gehälter ging“, erklärte Steinhaus.

Union gegen gesetzlich Versicherte

„In den Mails, die wir als ,Sanktionsfrei’ bekommen, geht es oft ums bloße Überleben, um die nackte Existenz“, beschrieb sie die Lebensrealität in Deutschland. Da könne das Konzept „Die Linke hilft“ vieles abdecken, für das man als Verein keine Ressourcen habe. Denn die Krise der Lebenshaltungskosten erstrecke sich mittlerweile auf viele Bereiche. „Die Mietwucher-App kann konkret etwas im Leben vieler Menschen ändern“, hob sie eine Maßnahme der Linken besonders hervor. Und kommt am Ende noch auf die „staatstragende Mitte“ zu sprechen. „Die Sündenböcke sind zuerst Migrant*innen, dann kommen die Erwerbslosen – jetzt sind es mit dem Vorstoß des CDU-Wirtschaftsrat zur Zahnvorsorge alle gesetzlich versicherten Kassenpatient*innen“, schloss Steinhaus.

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