Energiewende als Jobmotor

09. Juli 2026  Politik
Geschrieben von Kreisverband

Die Antriebseinheit einer Windkraftanlage ist bereit zur Installation. Bis 2035 werden im Bereich der erneuerbaren Energien über eine halbe Million Arbeitsplätze nicht besetzt werden können. (Wikimedia: Brianrlind, CC BY-SA 3.0)

Die energieintensive Produktion sowie den eigenen Konsum massiv zu reduzieren, gleichzeitig aber mit vielen neuen Jobs im Bereich der erneuerbaren Energien langfristige Arbeitsplätze zu schaffen waren Kernforderungen der Veranstaltung „Die Reichen zerstören das Klima. Wer zahlt die Rechnung?“. Sie fand im Rahmen der Programm-Debatte der Linken statt.

Verbrauch reduzieren

„Unsere planetaren Grenzen sind irreversibel“, erklärte Nina Treu. Sind sie einmal überschritten, könne man das nicht mehr rückgängig machen. Der aktuelle Energieverbrauch sei mit erneuerbaren Energien nicht abdeckbar. Darüber hinaus zerstöre die Ausbeutung dafür benötigter Rohstoffe, etwa von seltenen Erden, die Umwelt und die Artenvielfalt. „Sowohl die Rohstoff- als auch die Energienutzung muss drastisch reduziert werden – zum Beispiel durch eine Kreislaufwirtschaft, in der man alles bestmöglich wiederverwertet“, stellte die Stadtvorsitzende der Linken Leipzig klar.

Globale Perspektive

Das müsse jedoch gerecht und mit dem richtigen Maß ablaufen. Denn: Ein gutes Leben dürfe nicht nur in den alten Industriestaaten, sondern müsse auch im globalen Süden möglich sein. „Die begrenzte Menge an Energie und Rohstoffen muss gerecht verteilt werden“, forderte sie. Deshalb müsse Die Linke ihre Politik auch an der Arbeiter*innen-Klasse ausrichten – und zwar weltweit. Denn schließlich hätten global gesehen viele Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, Strom oder guter Bildung.

Eigene Lebensweise hinterfragen

Allerdings müsse nicht nur der Konsum der Überreichen, sondern auch der „normale“ Lebensstandard in Deutschland mit Individualverkehr oder Fernreisen mit dem Flugzeug in den Blick genommen werden. „Wenn das Grundbedürfnis nach Mobilität durch den ÖPNV abgedeckt ist, braucht es gar kein eigenes Auto mehr“, nannte Treu eine Option. Auch die Eigentumsformen und Vergesellschaftung seien zentrale Punkte. „In den Betrieben soll gesellschaftlich entschieden werden, was wirklich gebraucht und demzufolge auch produziert wird“, erläuterte sie. Eine Umverteilung von Vermögen, Arbeitszeit und Sorge-Arbeit mache das Leben ebenfalls besser.

Arbeitsplätze durch „Transformation“

„Die Industrie ist in der Krise, es kommt zu zahlreichen Entlassungswellen“, beschrieb Hans Rackwitz die aktuelle Situation. Die Klimaziele – sei es bei der Energie oder im Verkehr – würden von der Politik infrage gestellt. Statt auf Ökologie setze man nun auf Militarisierung und Rüstung. „Dabei gibt es doch aus ökologischer Sicht einen riesigen Bedarf an Industriearbeitsplätzen“, wandte der Wissenschaftler am Institut für Sozialforschung Frankfurt ein. So brauche es für die erfolgreiche Verkehrswende Unmengen an neuen Zügen, Straßenbahnen, Schienen und E-Bussen – gleiches gelte für den Wohnungsbausektor oder die Klimafolgen-Anpassung.

560.000 Stellen unbesetzt

Eine Studie des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) hatte schon 2024 festgestellt, dass beim Ausbau der Erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2035 branchenübergreifend rund 560.000 Mitarbeiter fehlen werden – verteilt auf gut 250 verschiedene Berufssparten. Das betreffe jedoch nicht nur die direkten Bereiche Solar- und Windenergie sowie Wasserstoff, sondern umfasse auch dual ausgebildete Kaufleute, Industriemeister*innen oder Ingenieur*innen. Achim Dercks vom DIHK nannte ein prägnantes Beispiel: „Der Aufbau von Windkraftanlagen kann sich verzögern, weil Lkw-Fahrer*innen fehlen.“

Demokratische Entscheidung

„Es darf nicht mehr ,so profitabel wie möglich’ sein, sondern muss ,so nachhaltig wie möglich’ produziert werden“, gab Rackwitz das neue Motto aus. So sollten auch die Beschäftigten – und die Gesellschaft als Ganzes – demokratisch darüber entscheiden, was gebraucht werde. „Die Marktsteuerung versagt beim nachhaltigen Produzieren“, wies er auf das maximale Profitstreben im Kapitalismus hin. Sinnvoll sei, die bereits existierenden Produktionskapazitäten für nachhaltige Projekte einzusetzen. „Statt SUVs können Waggons für den ÖPNV hergestellt werden“, sagte er mit Blick auf die Automobilindustrie.

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