
Faire Lieferketten beim Abbau von Ressourcen für Solar-Module und genossenschaftlicher sowie gemeinwohlorienterter Umbau der Energie-Infrastruktur – so kann die Energiewende gelingen! Das sagten Andrea Vetter und Jörg Cezanne anlässlich der Programm-Debatte der Linken.
Dezentral und nachhaltig
„Technikfragen sind immer Gerechtigkeitsfragen – Technik ist nie neutral“, erklärte Andrea Vetter. Atomkraft sei per se zentralistisch, während Solarparks hingegen dezentral organisiert seien. Allerdings versuchten große Konzerne, sich die dezentrale Energieproduktion einzuverleiben, um sie dann zentraler und profitorientierter umzugestalten. „Neben CO2-einsparender Generationengerechtigkeit braucht es auch Geschlechtergerechtigkeit und Gerechtigkeit gegenüber dem globalen Süden“, forderte die Transformationsforscherin.
Gemeinsam und Gemeinwohlorientiert
Das schließe auch die Abbaubedingungen von Seltenen Erden, Kobalt oder Silber mit ein. „Neben der Produktions- muss auch die Eigentumsfrage gestellt werden – besonders mit Blick auf Vergemeinschaftung“, stellte sie klar. Schließlich sei die Wind- und Solarkraft zu großen Teilen aus Kollektivbetrieben hervorgegangen – und nicht aus hierarchisch organisierten Großkonzernen. Aktuell sind die Menschen in Deutschland stark imperial strukturiert. „Die Kreislaufgesellschaft ist von einer solidarischen Lebensweise geprägt, im Zusammenleben, beim Wohnen und Arbeiten“, setzte Vetter dem etwas entgegen. Um die Energiewende vor Ort umzusetzen, brauche es in den Kommunen starke Partnerschaften mit gemeinwohlorientierten Unternehmen und Genossenschaften. Und da viele erneuerbare Energien im ländlichen Raum angesiedelt seien, böte sich auch eine Nahwärmeversorgung für die Menschen in der Region an – auch wenn das große Anfangsinvestitionen bedeute.
Internationale Hilfe
Das „alte“ Erfurter Programm der Linken lehne Atomkraft und Kernfusion als Technologie klar ab – ebenso wie die Speicherung von Kohlendioxid im Boden, rief Jörg Cezanne in Erinnerung. Mittlerweile gäbe es in der CDU viele Stimmen, die zurück zu Atomkraftwerken wollten und 2025 habe der Bundestag ein komplettes Speichernetz für CO2 beschlossen, dass hauptsächlich unter der Nordsee verpresst werden sollte – 20 Jahre vor der Klimaneutralität Deutschlands. Die Linke setze sich hingegen für die Förderung von CO2-sparenden Technologien und den entsprechenden Wissenstransfer in den globalen Süden ein.
Kapitalismus zerstört alles
„Als man sich für die erdölbasierte Energiegewinnung entschied, war damit der Pfad zu den schon vor 100 Jahren existierenden Elektromotoren verbaut“, gab der energiepolitische Sprecher der Linken einen geschichtlichen Abriss. Die Folge war ein fossiler Individualverkehr, während elektrisch betriebener ÖPNV im Vergleich dazu nur marginal ausgebaut wurde. „Die kapitalistische Produktion entwickelt daher nur die Technik und Kombination des gesellschaftlichen Produktionsprozesses, in dem sie die Springquellen allen Reichtums untergräbt – die Erde und den Arbeiter“, zitierte er aus dem „Kapital“ von Karl Marx.
Technologie für alle
Kapitalistische Produktivkraftentwicklung bedeute also automatisch die Begrenzung von ökologischer Produktion und der Mitbestimmung von lohnabhängig Beschäftigten. „Jetzt sollten wir über Zielbestimmungen einer alternativen Energieentwicklung sprechen“, forderte der Bundestagsabgeordnete mit Blick auf das neue Parteiprogramm. Leitlinien könnten sein: zivil statt militärisch, CO2-Reduktion statt steigender Emissionen und eine ressourcensparende Kreislaufwirtschaft. „Ist es sinnvoll, wenn Sanitärbetriebe jedem einzelnen der 40 Millionen Eigenheimbesitzer*innen in Deutschland eine eigene Heizung verkaufen?“, fragte Cezanne. Oder sei in dicht besiedelten Ballungsräumen nicht Fernwärme möglicherweise die bessere Option? „Wir brauchen mehr gemeinschaftlich genutzte Technologien“, forderte er.
Weiterführende Links:
- YouTube: Die Linke (10.5.2026): Der grüne Kapitalismus – https://www.youtube.com/watch?v=epQMxJxL1eI
- Die Linke SC-RH (31.1.2026): Transformation. Mit Schienen in die Zukunft – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/politik/transformation-mit-schienen-in-die-zukunft/
- Die Linke SC-RH (8.12.2025): Weltunordnung. Klimakrise und globaler Kapitalismus – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/global/weltunordnung-klimakrise-und-globaler-kapitalismus/














