
Welche Weichen müssen für eine sozial-ökologische Transformation gestellt werden, die alle mitnimmt? Die Frage wurde im Rahmen der Programm-Debatte der Linken diskutiert.
Grenzen sind überschritten
„Die ökologische Krise ist der soziale Klassenkonflikt des 21. Jahrhunderts, der sich immer weiter zuspitzen wird“, stellte Matthias Schmelzer klar. Denn laut der Wissenschaft lasse sich die Erderhitzung nicht mehr aufhalten – 7 von 9 planetaren Grenzen seien bereits überschritten und irreversible Kipppunkte erreicht. Seit Karl Marx waren linke Programme dem ständigen Fortschrittsgedanken verpflichtet gewesen, kritisierte der Professor für sozial-ökologische Transformationsforschung. „Mehr Beschäftigung, mehr Wohlstand, mehr Wohnraum“, nannte er Beispiele. Doch eine Wirtschaft, die immer wachsen müsse, könne sich nicht an planetare Grenzen halten.
Rechter Kulturkampf
Um die Klimafolgen wenigstens abzuschwächen, brauche es im globalen Norden eine ökonomische Reduktion. Linke Transformation muss sich dabei an einer Postwachstumsökonomie orientieren. „Das eröffnet eine radikaldemokratische, solidarische Gerechtigkeitsperspektive, die öffentlichen Wohlstand für alle ermöglicht“, erklärt der Dozent an der Europa-Universität Flensburg. Die Rechte hingegen mobilisiere mit Angst vor Deindustrialisierung sowie Wohlstandverlust und mache so Stimmung gegen Wärmepumpe, CO2-Bepreisung und Co. „Die existierenden Verteilungskämpfe zwischen oben und unten werden als horizontaler Kulturkampf umgedeutet“, kritisierte Schmelzer deren Strategie.
Vermögen begrenzen
Das spiegele sich in Slogans wie „normale“ Leute gegen die „Klima-Elite“, Land gegen Stadt oder Deutsche gegen Migrant*innen wider. „Aus linker Perspektive muss eine solidarische Daseinsvorsorge nach unten absichern, gleichzeitig muss Wohlstand, Einkommen und Vermögen nach oben für besonders Reiche gedeckelt werden“, betonte er. Auch müsse das deutsche Export-Modell zurückgebaut werden.
Schnell handeln
Der Klimawandel lasse sich nur stoppen, wenn Gesellschaft und Wirtschaft grundlegend umgebaut würden, hielt Katrin Mohr fest. „Gebäude, Verkehr, Energie und Industrie müssen konsequent dekarbonisiert werden“, erklärte die Sozialwissenschaftlerin, die beim Vorstand der IG Metall tätig ist. Das dürfe aber nicht dem Markt überlassen werden. „Es braucht eine starke demokratische Planung und einen aktiven Staat“, appellierte sie. Und es müsse sehr schnell passieren – denn sonst werde das 4-Grad-Ziel Realität, nach dem ganze Weltregionen unbewohnbar werden würden.
Umschwung erkennbar
Deutschland habe die Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Treibhausgas-Emissionen geschafft, erläuterte sie. Denn die Emissionen seien im Vergleich zu 1990 um 48 Prozent zurückgegangen. „Heute wird mehr als die Hälfte des erzeugten Stroms aus erneuerbaren Energien gewonnen“, benannte sie eine weitere positive Entwicklung. 2025 wurden 60 Prozent mehr E-Autos zugelassen als im Vorjahr, jede zweite Heizung, die neu installiert wurde, sei eine Wärmepumpe gewesen.
Wandel mit Perspektive
„Die deutsche Industrie hat ihre Klimaziele erreicht – aber nur durch ein ,Degrowth by disaster’“, zog sie Bilanz. So seien seit 2024 rund 150.000 Arbeitsplätze abgebaut worden, mittlerweile befinde man sich im dritten Rezessionsjahr in Folge. „Die gesamten Staatseinnahmen sind unmittelbar mit dem Wachstum der Wirtschaft verbunden“, kritisierte Mohr die enge Verflechtung von Staat und kapitalistischem Wirtschaftssystem. Allerdings hätten bei der Landtagswahl im März in Baden-Württemberg 37 Prozent der Arbeiter*innen die AfD gewählt – darunter auch viele Gewerkschaftsmitglieder. „Es braucht eine sozial-ökologische Transformation, die auch im Wandel Sicherheit und gute berufliche Perspektiven gewährleistet“, sagte sie. Schließlich sei die Herstellung der benötigten Schienenfahrzeuge, E-Busse und Windräder nur mit einer starken Industrie möglich.
Weiterführende Links:
- Die Linke (11.5.2026): Ökosozialismus – https://www.youtube.com/watch?v=BT2odnoRQSQ
- Die Linke SC-RH (31.1.2026). Transformation: Mit Schienen in die Zukunft – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/politik/transformation-mit-schienen-in-die-zukunft/
- Die Linke SC-RH (26.4.2024): Chancen und Risiken der sozial-ökologischen Transformation – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/europa/chancen-und-risiken-der-sozial-oekologischen-transformation/














