Milliarden-Lobby für Öl und Gas

15. Juli 2025  Politik
Geschrieben von Kreisverband

Die Ölplattform Thunder Horse im Golf von Mexiko von Exxon Mobil wurde durch den Hurrikan Dennis 2005 stark beschädigt. (Andyminicooper, CC BY-SA3.0)

Wer profitiert von Öl und Gas und welche Gruppen verhindern in den Parlamenten echten Klimaschutz? In dem Podcast „Linksbündig“ sprach Autorin Susanne Götze über ihr Buch „Die Milliarden-Lobby. Wer uns von Öl und Gas abhängig macht“.

Öl und Autoritarismus

„Der Verkehr und die Wärmegewinnung in Deutschland beruhen zu 80 Prozent auf fossilen Brennstoffen wie Öl und Gas“, erläuterte Susanne Götze. Dabei käme ein Großteil der Energieträger von autokratischen Regimen. „Norwegen ist der einzige demokratische Lieferant“, nannte sie eine Ausnahme. Denn selbst die Vereinigten Staaten bewegten sich auf eine autoritäre Herrschaft unter Donald Trump zu. Da die Weltwirtschaft auf den globalen Transport mittels Öltanker angewiesen sei, sei das Energiesystem, beispielsweise durch Angriffe der Huthis im Persischen Golf, extrem verwundbar, sprach sie eine weitere Problematik an.

Investitionen in Überkapazität

Monopolisten wie Exxon Mobile, BP oder Shell erschließen neue Öl- und Gasfelder und holen so die fossilen Energieträger aus dem Boden, während der Transport über Öltanker und spezielle LNG-Schiffe erfolgt. Diese müssen von Reedereien – oftmals selbst milliardenschwere Unternehmen – in Auftrag gegeben werden, da Flüssiggas auf minus 162 Grad heruntergekühlt werden muss. „In der Energiekrise hat sich der Pachtpreis für LNG-Terminals in Nord- und Ostsee vervierfacht“, kam die Journalistin auf die Folgen des freien Marktes zu sprechen. Auch die LNG-Flotte habe sich um 30 Prozent vergrößert – wobei die Internationale Energieagentur IEA diese Entwicklung ganz klar als Überkapazität bezeichne.

Lobbyismus gegen Klimaschutz

Die Öl- und Gas-Lobby wisse, dass ab 2045 die Klimaneutralität drohe, während die Bundesrepublik aktuell einer der zehn größten Gasverbraucher ist. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) war sowohl im Wirtschaftsrat seiner Partei sowie in der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) und der Investmentgesellschaft BlackRock. „All diese Gruppierungen haben den Klimaschutz in den vergangenen Jahrzehnten ausgebremst“, erinnerte Götze. Die INSM als Lobby-Organisation der Arbeitgeber*innen in der Metallindustrie und der Automobilzulieferbetriebe habe ein Interesse an billigem Gas und dem Fortbestand des Verbrennermotors, gab sie zu bedenken.

Ministerin für Gas

Bei der erfolgreichen Elektrifizierung der Energiewirtschaft würden 90 Prozent des bestehenden Gasnetzes überflüssig werden, skizzierte Götze die Veränderungen. Diese stellten für die fossilen Unternehmen jedoch enorme Werte da, mit denen sich über das Netzentgelt auch hohe Profite erwirtschaften ließen. Energieministerin Katharina Reiche (CDU) war zuvor Vorsitzende der Geschäftsführung von Westenergie, einer Tochtergesellschaft von E.ON, die ein 24.000 Kilometer langes Gasnetz besitzt. „Neu im Amt forderte sie einen Mindestzubau von 20 Gigawatt Gasinfrastruktur und somit auch zahlreiche neue Gaskraftwerke“, erläuterte sie.

BILD gegen die Wärmepumpe

Während die Bundesministerin die Vorteile von Erdgas betonte, kritisierte sie hingegen den „Zwang“ zum Einbau elektrischer Wärmepumpen. „Meine Mutter hat schon seit 20 Jahren eine Wärmepumpe, die ihr alleinstehendes und kaum gedämmtes Forsthaus heizt“, sprach Götze die eigene Lebenserfahrung an. Seit zwei Jahrzehnten habe sie kein einziges Mal repariert werden müssen, sondern funktioniere einwandfrei. Die erste Wärmepumpe sei übrigens 1937 im Züricher Rathaus in der Schweiz eingebaut worden, erinnerte sie. „Aber im Jahr 2023 führt die BILD-Zeitung eine massive Medienkampagne, um diese Heizform zu diskreditieren“, blickte sie auf den Springer-Konzern.

Bürger*innen-Energie aus Unterfranken

Eine Erfolgsgeschichte sah sie hingegen im unterfränkischen Großbardorf bei Schweinfurt. Dort hätten die Einwohner*innen über Genossenschaften zwei Solarparks, vier Windräder, eine Biogasanlage und ein Nahwärmenetz für die Gemeinde finanziert. „Als ,Selbstversorgerdorf‘ sind sie komplett unabhängig von Öl oder Gas und exportieren sogar überschüssige Energie“, erklärte Götze. Als Anteilseigner*innen erwirtschafteten die Bürger*innen darüber hinaus Rendite. „Die Energiekrise ist an der CSU-geführten Kommune vollkommen vorbeigegangen“, nannte sie einen finanziellen Vorteil der Autarkie. Das Nahwärmenetz hätte vielmehr zur Ansiedlung neuer Betriebe geführt, die durch die Gewerbesteuer die Kasse der Gemeinde füllten.

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