Mit Gas gegen Klimaschutz

23. Juli 2025  Politik
Geschrieben von Redaktion

Die Verbrennung von Erdgas bei BASF erzeugte rund 25,3 Millionen Megawattstunden Energie. Der jährliche Stromverbrauch eines deutschen Haushalts lag 2021 hingegen bei etwa drei Megawattstunden. (Ikar.us, CC BY 3.0 de)

Über die Abhängigkeit von Gas in der Landwirtschaft und den Konzernen sowie die Einflussnahme der Lobby auf die Gesetzgebung sprach Annika Joeres, Autorin des Buches „Die Milliarden-Lobby. Wer uns von Öl und Gas abhängig macht“ im Podcast „Linksbündig“ der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Bauern brauchen Gas

Der Landwirtschaft in Deutschland stellte Annika Joeres kein gutes Zeugnis in Sachen Umweltverträglichkeit aus. „Sowohl Dünger als auch Pestizide werden unter einem hohen Gasaufwand hergestellt“, erklärte sie. Ein Beispiel dafür sei der in Ludwigshafen ansässige Chemiekonzern BASF als Deutschlands größter Gasverbraucher. Die schweren landwirtschaftlichen Maschinen schluckten viel Mineralöl, das wiederum aus dem Nahen Osten, Russland oder den Vereinigten Staaten importiert werden müsse. „75 Prozent der Ackerflächen werden zur Futterproduktion genutzt“, sprach sie die verfehlte Agrarpolitik an. Das Soja aus Brasilien oder der Mais aus den USA müsse mit Containerschiffen, die mit Schweröl liefen, über die Ozeane zu den deutschen Mastrindern gebracht werden.

Medien und Autos

Kritik übte sie auch an der Verflechtung von Automobilindustrie und Medien. Bei so genannten „Testfahrten“ neuer Auto-Modelle würden beispielsweise hunderte Journalist*innen auf Kosten der Konzerne nach St. Tropez oder Nizza eingeflogen, um dort in luxuriösen Sterne-Restaurants zu essen und über die fabrikneuen Modelle zu berichten. Diese Artikel erschienen dann bei Auto-BILD und anderen auflagenstarken Fachzeitschriften. Ähnliches beobachtete Joeres auch in der Forschung. „Veronika Grimm steht symptomatisch für Wissenschaftler*innen, die sich vor den Karren der Wirtschaft spannen lassen“, nannte sie ein prominentes Beispiel. Die Wirtschaftsweise arbeitet nämlich für Siemens und hat einen Sitz im Nationalen Wasserstoffrat inne.

Das Wasserstoff-Märchen

„Praktisch alle Fachleute sehen die Wasserstoff-Heizung für Privathaushalte als unrentabel an, weil sie einfach zu teuer ist“, stellte sie den aktuellen Sachstand dar. Doch habe es die Gas-Lobby entgegen dieser Expertise geschafft, eine potenzielle Umrüstbarkeit von Gasheizung auf Wasserstoff ins Gebäude- und Energiegesetz festzuschreiben. „Selbst, wenn es in geringem Maße grünen Wasserstoff gäbe, hat ihn die Politik für energieintensive Chemieunternehmen und die Stahlindustrie reserviert“, machte Joeres auf das Primat der Wirtschaft aufmerksam. Für Privathaushalte sei hingegen eine Wärmepumpe sinnvoll, die sich zu großen Teilen aus der vorhandenen Umgebungstemperatur speise – und somit Energie schaffe, die die fossilen Konzerne nicht für teures Geld verkaufen könnten.

Mehr ÖPNV und weniger Fleisch

Doch was gilt es zu tun? Aus Sicht der Klimareporterin müssten die Alternativen zum Auto-basierten Individualverkehr so gut gestaltet werden, dass jede*r sie nutzen wolle. „In Kopenhagen fährt die Hälfte der Einwohner*innen Fahrrad“, beschrieb sie das Leben in der dänischen Hauptstadt, in der auch der öffentliche Nahverkehr eine viel größere Rolle einnehme. Ähnliches sei auch in Paris unter der sozialistischen Bürgermeisterin Anne Hidalgo zu beobachten. Es sei wichtig, am kostengünstigen Deutschland-Ticket und dem europäischen Verbrenner-Aus festzuhalten. „Wenn der Fleischkonsum deutlich zurückgeht, wäre der Umwelt sehr geholfen“, stellte Joeres fest. Auch müssten der Deutsche Bauernverband und die EU-Agrarsubventionen auf eine ökologische Landwirtschaft umschwenken.

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