
Wie der zerstörerische Kapitalismus die Herzen der Menschen erobert hat und welche klassenpolitischen Alternativen möglich sind, erläuterte Jan Rehmann bei der Veranstaltung „Was ist Ökomarxismus und wozu brauchen wir ihn?“. Diese wurde von der Rosa-Luxemburg-Stiftung organisiert.
Marx und die Natur
In den 70er und 80er Jahren hätten Marxismus und Ökologie nicht zueinandergefunden, bilanzierte Jan Rehmann. „Die ,Grenzen des Wachstums“ des Club of Rome von 1972 wurden von Marxist*innen grundsätzlich abgelehnt“, kritisierte er. Dabei müssten beide als eine untrennbare Einheit gesehen werden. Zwar verwende Karl Marx den Begriff „Ökologie“ selbst nicht, schreibt aber vom „Stoffwechsel“. Kommunismus sehe er als das Zusammenfallen von Naturalismus und Humanismus, durch das es erst wieder zu einer Auferstehung der Natur kommen könne.
Ökologische Genossenschaften
Für Marx können Menschen nicht außerhalb der Natur stehen, da sie integraler Teil davon sind. Allerdings kann die Produktivität menschlicher Arbeit mit naturzerstörerischer Vernunft erfolgen. Denn schließlich sei das einzige Ziel die Anhäufung von Kapital. „Die grenzenlose Ausbeutung vernichtet sowohl die Arbeiter*innen als auch die Natur“, wies Rehmann auf die vollkommene Destruktivität dieser Wirtschaftsform hin. So stellte schon Marx fest, dass die moderne Landwirtschaft einen „unheilbaren Riss im Stoffwechsel“ erzeuge, indem sie den Boden verwüste. Die Äcker müssten den nachfolgenden Generationen jedoch verbessert hinterlassen werden, forderte er. Eine Möglichkeit, wie die assoziierten Produzent*innen ihren Stoffwechsel mit der Natur rational regeln könnten, sah Marx in ökologisch wirtschaftenden Genossenschaften.
Bedrohung menschlicher Existenz
Für die Gegenwart sieht Andreas Malm die Tendenz eines fossilen Faschismus, bei dem sich sich das Fossil-Kapital mit der radikalen Rechten verbünde. Ein Beispiel sei die Trump-Regierung, die – im Gegensatz zur Volksrepublik China – nicht auf den Ausbau von erneuerbaren Energien, sondern auf Atom- und Fossilenergie setze. „Der Ausbau der künstlichen Intelligenz benötigt einen enormen Energiebedarf“, blickte Rehmann auf die fehlende Umweltverträglichkeit von Google Gemini oder Microsoft Copilot. Doch bedeute die Herrschaft des Kapitals letztendlich die unausweichliche Bedrohung der menschlichen Existenz und der Biosphäre.
Konsum und Zerstörung
Ein Marxismus, der die ökologische Frage ausklammere, sei schlichtweg nicht lebensfähig, bilanzierte er. Andererseits brauche die ökologische Bewegung eine marxistische Analyse der Produktionsweise, da der Kapitalismus einzig und allein auf Akkumulation ausgerichtet sei. „Ein ,Weiter so‘ führt zur Überschreitung der planetaren Grenzen“, warnte Rehmann. Und stellte sich gleichzeitig die Frage, wie eine nicht nachhaltige Produktionsweise trotz regelmäßiger Krisen und sichtbarer Zerstörung die Herzen der Menschen gewinnen konnte. „Das hat viel mit habitueller Aneignung der konsumistischen Lebensweise zu tun“, erläuterte er.
Kostenloser ÖPNV
Dem müsse man eine klassenpolitische Mobilisierung für die ökologische Frage entgegensetzen. „Die sozial-ökologische Transformation muss viel attraktiver sein“, forderte er. Als Beispiel nannte er Zohran Mamdani, der bei den Vorwahlen um das Bürgermeisteramt in New York City bei der Arbeiter*innenklasse und jungen Leuten ansprach. Dabei verband er ökonomische und ökologische Forderungen, etwa in Form eines kostenlosen und elektrischen ÖPNV. Der schütze nämlich sowohl den Geldbeutel als auch das Klima.
Weiterführende Links:
- RLS (2.7.2025): Was ist Ökomarxismus und wozu brauchen wir ihn? – https://www.youtube.com/watch?v=yij25N24E88
- Die Linke SC-RH (21.3.2024): Kapitalismus am Limit – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/global/kapitalismus-am-limit/
- Die Linke SC-RH (6.2.2022): Harald Welzer. Umweltaktivist Karl Marx – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/politik/harald-welzer-umweltaktivist-karl-marx/














