Palantir, Datenschutz und Polizei

18. August 2026  Politik
Geschrieben von Kreisverband

Die „Blackbox“ Palantir steht in der Kritik – dennoch arbeiten deutsche Sicherheitsbehörden mit dem US-Konzern zusammen. (TechCrunchMG_6154, CC BY 2.0)

Die Risiken von automatisierter Datenanalyse zur Gefahrenabwehr und fehlende Geschäftsmodelle in Sachen generativer KI waren Thema bei „Jung und naiv“. Als Expertin sprach Constanze Kurz vom Chaos Computer Club.

Urheber egal?

Das, was man landläufig „Algorithmus“ nenne, sei eigentlich nur eine Software, rief Constanze Kurz in Erinnerung. Das Ziel: aufgrund getrackter Daten Vorschläge zu unterbreiten, die den Interessen der Werbeträger entgegenkommen. „Generative KI ist bei automatisierten Übersetzungen sehr nützlich“, fand die Sprecherin des Chaos Computer Clubs. Die großen Anbieter müssten ihre Large-Language-Modelle jedoch mit einer enormen Menge an Daten trainieren – und nutzten dafür Inhalte, die urheberrechtlich geschützt seien. Sowohl in den USA als auch in China würden deshalb gewaltige Rechtsstreite darum geführt.

Stochastischer Papagei

In der technischen Community sei die Kritik daran jedenfalls um ein Vielfaches stärker geworden. Auch vor einer „Überschwemmung“ mit KI-generierten Inhalten werde gewarnt. „Aus technischer Perspektive ist KI ein ,stochastischer Papagei’, der versucht, etwas zu simulieren“, brachte Kurz es auf den Punkt. Die Rechenzentren, die man dafür jedoch betreiben müsse, seien allerdings enorm teuer. In Bezug auf KI fehle bei den „Tech-Brothers“ das Geschäftsmodell, kritisierte sie. „Es steckt ganz viel Marketing-Strategie dahinter“, gab sie zu bedenken.

Ausbeutung von Menschen

Ein echter „technischer Durchbruch“ sei jedoch sehr schwer zu begründen. Denn schließlich werde nur das, was beim Trainieren eingespeist wurde, aufgrund von Wahrscheinlichkeiten noch einmal wiedergegeben. So etwas sei per se fehleranfällig. Und um „verstörende Inhalte“ gar nicht in das einzuspeisende Material gelangen zu lassen, müssen tausende Menschen – oftmals aus der Subsahara – mit Billiglöhnen für die großen US-Konzerne oftmals traumatisierenden Gewalt-Content manuell entfernen.

Daten durchsuchen

In Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Nordrheinwestfalen setzt die Polizei das Programm „Gotham“ des US-Konzerns Palantir ein. Dabei geht es um Gefahrenabwehrrecht. Die Software agiert weit im Vorfeld von tatsächlich stattgefundenen Straftaten, um „Gefährder“ ausfindig zu machen. Im Gotham-Modell für Deutschland gibt es jedoch keine Form der Vorhersage. „Daten werden abgerufen und aufbereitet, so dass man sie durchsuchen kann“, erläuterte Kurz. Im zweiten Schritt könne dann eine Analyse erfolgen. Daten werden beispielsweise aus Kriminalakten, Terrorismus-Datenbanken, Informationen über Asservate sowie externen Importen aus dem Internet gespeist.

Polizei ist abhängig

„Die Zweckbindung besagt jedoch, dass ich Daten, die ich für einen bestimmten Zweck preisgebe, nur zur Erreichung dieses Zwecks genutzt werden dürfen“, mahnte sie an. Im Kern sei es also ein Datenschutzproblem. Wenn das private Tech-Unternehmen – das mitunter auch Journalist*innen und NGOs rechtlich verfolge – es wolle, könne es die vier Landespolizeien blockieren. „Die Fähigkeit zur Gefahrenabwehr hängt an einem einzigen Konzern“, verdeutlichte Kurz das Problem. In Hessen gäbe es beispielsweise seitens der Beamt*innen 15.000 Zugriffe pro Jahr – also rund 55 jeden Werktag. „Sie sind davon abhängig“, stellte sie klar. Aus ihrer Sicht sollte man einen Teil dieser automatisierten Datenanalyse gar nicht erst zulassen. Allerdings: Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wollen die automatisierte Datenanalyse ebenfalls in ihre Polizeiaufgabengesetze implementieren.

Daten an Russland?

Die Cyber-Crime-Konvention der UN wurde von Russland eingebracht und ist ein „großer, unregulierter Überwachungsvertrag“. Länder, die in Zusammenhang mit „Internet-Kriminalität“ stehen, müssen dem betroffenen Staat Daten herausgeben. Der ursprüngliche Gedanke dahinter war die europäische Cyber-Crime-Konvention (Budapest-Konvention), die zwischen demokratischen Ländern der EU geschlossen wurde. „Auf UN-Ebene sind auch Saudi-Arabien und Russland, die möglicherweise ein anderes Strafrecht haben, mit im Boot“, machte Kurz auf die Problematik aufmerksam. Nach einem Hacker-Angriff auf Russland müssten beispielsweise alle Länder die gewünschten Daten an das Putin-Regime und dessen Geheimdienst aushändigen.

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